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Arbeiter besetzen Werk des Stahlkonzerns ArcelorMittal in Frankreich

Aus Angst um ihre Arbeitsplätze haben Arbeiter ein Werk des Stahlkonzerns ArcelorMittal in Ostfrankreich besetzt. 2007 brachte der Stahlmagnat Lakshmi Mittal den Arcelor-Konzern unter seine Kontrolle. Mittal sagte den Erhalt der damals 8000 Arcelor-Arbeitsplätze in Lothringen zu. Bereits zwei Jahre später jedoch schloss er das Werk im lothringischen Gandrange.

Florange (afp) – Aus Angst um ihre Arbeitsplätze haben rund 200 Arbeiter am Montag ein Werk des Stahlkonzerns ArcelorMittal in Ostfrankreich besetzt. Nach Angaben eines Reporters der Nachrichtenagentur AFP drangen die Beschäftigten am frühen Morgen in die Fabrik im lothringischen Florange ein. Mit Rufen wie „Mittal, wir wollen arbeiten“ ließen sie sich in den Räumen der Direktion nieder.

Zu der Aktion hatten mehrere Gewerkschaften aufgerufen. Die Arbeiter würden die Fabrik besetzt halten, bis die beiden im Frühjahr und Herbst vergangenen Jahres geschlossenen Hochöfen wieder hochgefahren würden, kündigte ein Sprecher an. Bis dahin würden sie der Werksleitung „Kurzarbeit verpassen“, sagte Edouard Martin von der pro-sozialistischen Gewerkschaft CFDT. Er kündigte weitere Protestaktionen bis zum 6. Mai an – dem Tag, an dem der zweite Durchgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich stattfindet.

Die Gewerkschaftsvertreter riefen alle Kandidaten für die Wahl auf, sich für einen Weiterbetrieb des Werks zu engagieren. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der bei der Wahl wieder antritt, hatte im Februar 2008 bei einem Besuch in Lothringen versprochen, er werde staatliche Gelder für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Stahlindustrie bereitstellen.

Der weltweit größte Stahlhersteller ArcelorMittal hatte kürzlich seine Werke im belgischen Liège und in Madrid definitiv geschlossen. Die Schließung des Werks in Florange ist nach seinen Angaben jedoch nur provisorisch. Der Konzern begründet sie mit der gesunkenen Nachfrage nach Stahl aufgrund der Wirtschaftskrise.

Zunächst hatte es geheißen, die Arbeit solle im Januar wieder aufgenommen werden, dann war die Rede von April. Vergangene Woche ließ der Konzern dann wissen, der Schmelzofen für die Herstellung von Flüssigstahl werde auch im zweiten Quartal bis Ende Juni nicht wieder hochgefahren.

Die Stahlkocher befürchten nun, dass diese Ankündigung das endgültige Aus für ihr Werk bedeuten könnte – die letzte Produktionsstätte für Stahl in Lothringen. Zuletzt arbeiteten in der 1948 gegründeten Fabrik noch rund 5000 Beschäftigte. Sie stellten jährlich rund drei Millionen Flüssigstahl und Stahlbleche her, etwa für die Autoindustrie.

Die Geschäftsführung von ArcelorMittal France in Paris rief die Arbeiter zu einem „konstruktiven Dialog“ auf. Der Finanzvorstand der Gruppe, Aditya Mittal, hatte am 7. Februar in einem Interview zwar eingeräumt, dass die Nachfrage seit Jahresbeginn wieder angezogen hat. „Wir sind aber noch weit von den Mengen der Jahre 2006, 2007 und 2008 entfernt“, sagte er.

Die einst florierende Schwerindustrie in der ostfranzösischen Grenzregion ist seit den 80er Jahren im Niedergang. Die Förderung von Kohle und Eisenerz wurde eingestellt, die meisten Hochöfen und Walzstraßen wurden stillgelegt.

Im Jahre 2007 brachte der aus Indien stammende Stahlmagnat Lakshmi Mittal im Zuge einer feindlichen Übernahme den gesamten Arcelor-Konzern – an dem neben Frankreich auch Luxemburg und Belgien Anteile hielten – unter seine Kontrolle. Mittal sagte damals den Erhalt der zu diesem Zeitpunkt noch 8000 Arcelor-Arbeitsplätze in Lothringen zu. Bereits zwei Jahre später jedoch schloss er das Werk im lothringischen Gandrange. Diese Fabrik hatte der 1999 praktisch umsonst erworben – für den symbolischen Preis von damals einem Franc.

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