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Deutsche Bank bietet Ausstieg aus umstrittenem Todesfonds an

Nach der öffentlichen Kontroverse um einen Investmentfonds, dessen Ertrag vom Todeszeitpunkt einer Gruppe von US-Bürgern abhängt, bietet die Deutsche Bank den Anlegern die Möglichkeit zum sofortigen Ausstieg. Nach Angaben aus Finanzkreisen hatte sich Investoren allerdings weniger über moralische Berechtigung, sondern über mangelnde Rendite beschwert.

Frankfurt/Main (afp) – Nach der öffentlichen Kontroverse um einen Investmentfonds, dessen Ertrag vom Todeszeitpunkt einer Gruppe von US-Bürgern abhängt, bietet die Deutsche Bank den Anlegern die Möglichkeit zum sofortigen Ausstieg. „Vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion um die Berechtigung des Produkts“ könnten die Investments kurzfristig beendet werden, teilte die Bank am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Nach Angaben aus Finanzkreisen hatte sich Investoren allerdings weniger über moralische Berechtigung, sondern über mangelnde Rendite beschwert.

Der Ertrag des Fonds richtet sich nach der Lebenserwartung einer Gruppe aus 500 US-Bürgern, die sich freiwillig als Referenzgruppe zur Verfügung stellten und ihre voraussichtliche Lebenserwartung vorab von medizinischen Gutachtern schätzen ließen. Der Gewinn der Anleger hängt davon ab, wann die Menschen tatsächlich sterben: Je früher dies der Fall ist, desto höher ist die Rendite der Investoren. Experten halten dies für eine konkrete Wette zwischen der Bank und den Anlegern auf die Todeszeitpunkte der Betroffenen.

Der Fonds war 2007 geschaffen worden und zog etwa 10.000 Kleinanleger an, die etwa 200 Millionen Euro investiert haben sollen. Der „Spiegel“ hatte Anfang Februar aus einem Schreiben der Ombudsstelle des Deutschen Bankenverbands an einen Kleinanleger zitiert, der in den Fonds investiert hatte und sein Geld zurückforderte. Die Schiedsstelle schrieb demnach, die Geldanlage sei „mit unserer Wertordnung, insbesondere der in ihrem Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde, kaum in Einklang zu bringen“.

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Finanzkreisen erfuhr, waren Beschwerden von Investoren über den Fonds allerdings nicht moralisch begründet. Sie bezogen sich demnach auf die Rendite von rund drei Prozent für die Jahre 2009 bis 2011. Dieser Ertrag sei als zu niedrig angesehen worden.

Die Deutsche Bank erklärte nun, Anleger erhielten in Kürze ein schriftliches Rückkaufangebot. Sie könnten ihr Kapital damit unter Abzug zwischenzeitlich erhaltener Zahlungen zurückerhalten.

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