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Banken werden Schlüsselrolle nicht gerecht

Das IÖW/future-Ranking hat es angedeutet – von den Großunternehmen, die nicht über ihre Verantwortung berichten, gehören viele zur Finanzindustrie. Nun bestätigt die Rating-Agentur oekom research mit ihrer aktuelle Banken-Analyse den Eindruck: Banken werden ihrer Schlüsselrolle für eine nachhaltige Entwicklung kaum gerecht.

München (csr-news) > Das IÖW/future-Ranking hat es angedeutet – von den Großunternehmen, die nicht über ihre Verantwortung berichten, gehören viele zur Finanzindustrie. Nun bestätigt die Rating-Agentur oekom research mit ihrer aktuelle Banken-Analyse den Eindruck: Banken werden ihrer Schlüsselrolle für eine nachhaltige Entwicklung kaum gerecht.

Die Möglichkeiten von Banken eine nachhaltige Entwicklung aktiv zu fördern sind vielfältig. Sie reichen von der Kreditvergabe über Projektfinanzierungen bis hin zum Investmentbanking. „Leider schöpfen die Banken diese Möglichkeiten kaum aus“, so das Fazit der aktuellen Bankenuntersuchung der Münchner Ratingagentur oekom-research. Insgesamt wurden 294 Geschäftsbanken aus 40 Ländern unter die Lupe genommen, nur 73 konnten sich für ein ausführlicheres Nachhaltigkeitsrating qualifizieren. „Die anderen Banken zeigten so wenig Engagement, das sie an der Zulassungshürde scheiterten“. Die beste Bewertung erhielt die deutsche HVB-Group mit der Note C+, gefolgt von der australischen Westpak und der belgischen Dexia, die beide ebenfalls ein C+ erreichten.

Vor dem Hintergrund der Schlüsselposition, die der Sektor für eine nachhaltige Entwicklung besitzt, hat oekom research die Anforderungen an die Banken in einigen Bereichen verschärft. Dies hat dazu geführt, dass die Bewertung der Banken insgesamt etwas schlechter ausgefallen ist als beim vorherigen Branchenrating. Eine Reihe von Kreditinstituten hat ihren Prime Status verloren, darunter beispielsweise die niederländische ING, die Schweizer Credit Suisse und die britischen Banken Barclays und HSBC. Zu den Aufsteigern, die im aktuellen Rating erstmalig den Prime Status erreichen, gehören die Bank Austria und die norwegische DNB.

Vor allem die 29 von den Regierungschefs der G20-Staaten identifizierten systemrelevanten Banken engagieren sich vergleichsweise wenig für eine nachhaltige Entwicklung. Nur sechs von ihnen erreichten den oekom Prime-Status, dazugehört auch die Deutsche Bank. Von elf dieser Banken wurde das Nachhaltigkeitsmanagement als sehr schlecht bewertet. Aber auch bei den am besten bewerteten Banken ist noch viel Luft nach oben. „Gerade die systemrelevanten Banken haben aufgrund ihrer beherrschenden Stellung eine Schlüsselposition bei der Neuorientierung der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit“, erläutert Dietrich Wild, branchenverantwortlicher Research Director bei oekom research.

Oekom research hat mehrere Schlüsselthemen für die Nachhaltigkeit von Banken untersucht, dazu gehören neben der Kunden- und Produktverantwortung vor allem die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Kriterien bei der Kreditvergabe sowie die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten im Kapitalanlagegeschäft. Zwar verpflichten sich immer mehr Banken zur Einhaltung von Mindeststandards in der Kreditvergabe und Projektfinanzierung (beispielsweise die Equator Principles), die Kritik an der Finanzierung kontroverser Projekte und Unternehmen reißt jedoch nicht ab. Beinahe jede vierte der 73 von oekom research detailliert bewerteten Banken ist in entsprechende kontroverse Finanzierungen involviert. Ein ähnliches Bild bei der Kapitalanlagepolitik, auch wenn immer mehr Finanzdienstleister die UN Principles for Responsible Investment unterzeichnen, finden sich Nachhaltigkeitskriterien meist nur in speziellen Nischenprodukten. Eine Integration nachhaltiger Aspekte in das gesamte Anlagegeschäft findet derzeit nur in Ansätzen statt.