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Zeitungsverlage im Auflagentief: Outsourcing und Leiharbeit in Redaktionen

Tageszeitungen verlieren seit Jahren an Auflage. Während Kunden in Nordrhein-Westfalen 1993 noch 4,3 Millionen Exemplare täglich kauften, waren es 2010 noch 3,1 Millionen Tageszeitungen. Wie Medienhäuser in der Umbruchsituation der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern gerecht werden, geht aus einer Stellungnahme der Landesregierung NRW hervor.

Düsseldorf (csr-news) – Tageszeitungen verlieren seit Jahren an Auflage. Während Kunden in Nordrhein-Westfalen 1993 noch 4,3 Millionen Exemplare täglich kauften, waren es 2010 noch 3,1 Millionen Tageszeitungen. Das geht aus der Antwort der nordrhein-westfälischen Landesregierung „Situation des Zeitungsmarktes in Nordrhein-Westfalen“ auf eine Große Anfrage der SPD hervor (DS 15/4047). Sie bietet einen umfassenden Überblick zu den Entwicklungen in der Zeitungslandschaft – und wenige Informationen dazu, wie die Medienhäuser in der Umbruchsituation der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern gerecht werden.

Ein Blick auf Reichweite und Leserschaft der Tageszeitungen belegt, dass sich deren Leserschwund in Zukunft fortsetzen wird: Von den über 70-Jährigen sind 79% Zeitungsleser, bei den 20- bis 29-Jährigen sind es noch knapp 52 Prozent. Die Demografie arbeitet gegen die Zeitungen, die aber nicht nur mit einer abnehmenden Leserschaft zu kämpfen haben. Beachtlich ist auch der Anzeigenrückgang: Anfang der 90ger Jahre füllten Anzeigen etwa 47% der Zeitungsseiten, 2011 waren es noch etwa 25%. Abonnementzeitungen finanzieren sich etwa zur Hälfte aus dem Verkauf und zur Hälfte aus Werbung. Auf der Kostenseite macht die redaktionelle Arbeit etwa 25% aus.

Wie reagieren die Zeitungshäuser auf den Kostendruck, den eine sinkende Leserschaft und der Rückgang der Anzeigen hinterlassen? Ein Stellenabbau erscheint unvermeidbar. Mehr als 50 Lokalredaktionen wurden in den letzten zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen geschlossen oder zusammengelegt. Geschlossen wurden auch örtliche Geschäftsstellen der Lokalzeitungen. Allein die Essener WAZ-Gruppe baute über freiwillige Altersteilzeit und Abfindungsregelungen knapp 300 Stellen ab. Das allein reicht offensichtlich aber nicht. Weiter heißt es in dem Bericht der Landesregierung: „Nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) haben mittlerweile 45 Zeitungen in Deutschland Modelle realisiert, um der Tarifbindung zu entgehen. Darüber hinaus praktizieren 21 Zeitungen das Outsourcing von Redaktionen. Bei 19 Titeln sind Redakteurinnen und Redakteure und Volontärinnen und Volontäre dauerhaft als Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter beschäftigt.“ Auch Pressefotografen sind vom Outsourcing in neue, nicht tarifgebundene Unternehmensformen betroffen.

Aufgefangen werden soll der Stellenabbau durch neue Organisationsformen wie die intensivierte Zusammenarbeit der Redakteure am sogenannten „Newsdesk“, aber auch durch den vermehrten Einsatz freier Mitarbeiter, den Zukauf der überregionalen Seiten (Mantel) von größeren Blättern oder den Bezug nicht-tagesaktueller Seiten von externen Dienstleistern.

Die Antwort der Landesregierung „Situation des Zeitungsmarktes in Nordrhein-Westfalen“ im Internet

Kommentar

  • Es gibt halt auch wenig Innovation im Printbereich. Erfolge wie „Landlust“ sind selten.
    Vielleicht hat man sich schon selber aufgegeben?
    Die Stärke der Tageszeitungen sollten in ihrer regionalen Verwurzelung liegen und nicht in Meldungen, die man online längst studiert hat.
    Print wird nicht aussterben – aber es muss sich verändern!

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