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Studie: Nachhaltige Prozesse im Mittelstand

Der Mittelstand ist zufrieden, im aktuellen BDI-Mittelstandspanel beurteilen 64 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut. Es zeigt sich aber auch, in vielen mittelständischen Betrieben wird Nachhaltigkeit noch nicht ernst genug genommen. Die Anwendung umwelt- und ressourcenschonender Produktionsmethoden ist sogar rückläufig.

Essen/Berlin (csr-news) > Der Mittelstand ist zufrieden, im aktuellen BDI-Mittelstandspanel beurteilen 64 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut. Es zeigt sich aber auch, in vielen mittelständischen Betrieben wird Nachhaltigkeit noch nicht ernst genug genommen. Die Anwendung umwelt- und ressourcenschonender Produktionsmethoden ist sogar rückläufig.

Während 2006 noch rund 60 Prozent der Unternehmen auf nachhaltige Produktionsmethoden setzten, gibt dies aktuell nur noch jedes zweite Unternehmen an. „Nachhaltigkeit ist jedoch zunehmend eine Frage der Compliance und Geschäftstätigkeit. Unternehmen sollten sich daher dringend klar darüber werden, wie sie Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsprozesse integrieren können“ so Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, die für den BDI das Mittelstandspanel erstellen. Tatsächlich haben weniger als 50 Prozent der Unternehmen eine nachhaltige Unternehmensführung fest in ihrer Strategie verankert, und nur in jedem dritten Unternehmen ist Nachhaltigkeit schriftlich fixiert. An existierenden Leitlinien orientiert sich allerdings nur eine Minderheit der Unternehmen (18,3 Prozent), und auch Branchenvereinbarungen spielen selten eine Rolle (9,6 Prozent).

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young haben die Entwicklung nachhaltiger Unternehmensführung zudem in einer eigenständigen Studie untersucht. Die zeigt, insbesondere im Beschaffungsmanagement gibt es Nachholbedarf. Befragt wurden 500 familien- und inhabergeführte Unternehmen aus ganz Deutschland mit Umsätzen von weniger als fünf Millionen Euro bis über 50 Millionen Euro. Gerade der Mittelstand wird, als Zulieferer der Großindustrie, zunehmend mit Nachhaltigkeitsanforderungen konfrontiert. Dann erhält die gesamte Wertschöpfungskette Aufmerksamkeit und die Firmen müssen ebenfalls entsprechende Anforderungen an ihre Lieferanten stellen. Eine schwierige Situation, denn die Einkaufsmacht reicht häufig nicht aus um Forderungen zu stellen, zudem ist gerade bei technischen Vorprodukten die Auswahl möglicher Lieferanten begrenzt. Im Rahmen eines nachhaltigkeitsorientierten Supply Chain Managements haben die Einhaltung von Menschenrechten und Sozialstandards die höchste Priorität. Für die Ausweisung eines nachhaltigen Produkts, beispielsweise über ein entsprechendes Zertifikat, ist ein Nachweis über alle Stufen der Beschaffung erforderlich. Dann werden weitere Themen relevant wie etwa ein Umweltmanagementsystem, eine Antikorruptionsvereinbarung oder ein schriftlich fixierter Verhaltenskodex. In vielen Branchen gelten diese Anforderungen im Auftraggeber-/Auftragnehmerverhältnis als Mindeststandard.

Umso erstaunlicher wie wenig bekannt die wichtigsten Akkreditierungen und Zertifikate sind. So ist der Dow Jones Sustainability Index nur in 43 Prozent der befragten Unternehmen bekannt, das Umweltmanagementsystem EMAS nur in 43 Prozent, der Global Compact in 31 Prozent und die ISO 9001 in 24 Prozent der Firmen. „Der geringe Bekanntheitsgrad spiegelt die geringe Nachfrage aufseiten nachgelagerter Wertschöpfungsakteure der Unternehmen wieder“, so das Fazit der Autoren. Von den befragten mittelständischen Unternehmen fragen rund 44 Prozent selbst Nachhaltigkeitskriterien bei der Auswahl ihrer Lieferanten ab. Differenziert man jedoch das Ergebnis nach Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen, zeigt sich dass Erstere zu 58 Prozent ihre Lieferanten unter Nachhaltigkeitsaspekten auswählen. Neben den Familienunternehmen sind es vor allem Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als fünfzig Millionen Euro die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Mit Abstand wichtigstes Kriterium ist ein Verhaltenskodex gefolgt von einer Mitgliedschaft im Global Compact. Die meisten Unternehmen nutzen standardisierte Fragebögen zur Beurteilung ihrer Lieferanten. Erstaunlicherweise halten die meisten Unternehmen soziale Kriterien für bedeutender als Umweltaspekte, beispielsweise die Transportwege oder der Nachweis über ein Umweltmanagementsystem. Insgesamt wurden allerdings von vielen der befragten Unternehmen ausgerechnet die Fragen zum Themenkomplex „Lieferantenmanagement“ nicht beantwortet. Die Autoren der Studie schließen daraus, dass Nachhaltigkeitsmanagement im Mittelstand eher in den Bereichen Produktion und Absatz umgesetzt wird, als im Bereich Beschaffung.