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Verendete Albatrosse mit Plastiksoldaten im Magen

Auf dem Midway-Atoll im nördlichen Pazifik liegen Dutzende junger Albatrosse tot im Sand. Ihre Mägen sind gefüllt mit Feuerzeugen, Plastiksoldaten oder anderen Kunststoffteilen, die ihre Eltern mit Nahrung verwechselt haben. Das traurige, unwirkliche Bild symbolisiert eine Gefahr, die die Ozeane der Welt und nicht zuletzt die menschliche Nahrungskette bedroht: Plastikmüll.

Von Judith Evans

Hongkong (afp) – Auf dem Midway-Atoll im nördlichen Pazifik liegen Dutzende junger Albatrosse tot im Sand. Ihre Mägen sind gefüllt mit Feuerzeugen, Plastiksoldaten oder anderen Kunststoffteilen, die ihre Eltern mit Nahrung verwechselt haben. Das traurige, unwirkliche Bild symbolisiert eine Gefahr, die die Ozeane der Welt und nicht zuletzt die menschliche Nahrungskette bedroht: Die Wegwerfgesellschaft wird eingeholt von ihrem eigenen Plastikmüll. Der in Hongkong lebende Regisseur Craig Leeson will dies in einem Film auf spektakuläre Weise dokumentieren.

„Jedes Stück Plastik, das seit den 50er Jahren hergestellt wurde, existiert noch heute in irgendeiner Form auf dem Planeten“, sagt Leeson. „Wir werfen Plastik in den Mülleimer, es wird abgeholt und wir sehen es nie wieder, aber es kommt immer zu uns zurück.“ 250 Millionen Tonnen Plastik wandern nach seinen Worten jährlich in den Müll und schwimmen danach tausende Meilen durch die Ozeane. Die Umweltstiftung WWF spricht von einem „erschütternden“ Problem.

Während des vergangenen Jahres verfolgte der australische Filmemacher das Plastik von Sardinien über Kanada in den Indischen Ozean. Sein Film mit dem Arbeitstitel „Away“ soll eine Naturdokumentation mit politischem Anspruch werden. Unterstützung erhält er vom britischen Naturfilmer David Attenborough und der Plastic Oceans Foundation.

Unter Leesons Regie schwammen Crews mit Blauwalen, tauchten im U-Boot in die Tiefen des Mittelmeers und filmten Strudel mit Plastikmüllknäueln im Indischen Ozean. Sie nahmen mithilfe von harpunenartigen Instrumenten Biopsien von Walen und sezierten eine tote korsische Meeresschildkröte in einem Labor.

Studien zeigen nach Darstellung der Plaastic Oceans Foundation, dass mindestens 250 Tierarten im Meer das Plastik verschlucken oder sich darin verfangen. Das Verschlucken von Plastik ist danach eine der Hauptursachen des „skinny whale syndrome“, wenn Wale auf mysteriöse Weise verhungern.

Leeson will zeigen, dass der schwimmende Müll eine Bedrohung ist, die über ein paar Haufen Plastikmüll im Meer weit hinaus geht. Tatsächlich sei es ein Mythos, dass sich im Nordpazifik eine Plastikmasse von der Größe des US-Bundesstaates Texas drehe, sagt Leeson. Vielmehr trieben statt großer Müllberge Milliarden unsichtbarer Plastikpartikel im scheinbar klaren Wasser: „Wenn man mit Spezialnetzen danach fischt, erhält man eine klebrige Masse aus Mikroplastikteilchen, die zusammen mit dem Plankton im Wasser sind“, betont er. „Das Problem ist, dass Planktonfresser es mit Nahrung verwechseln und fressen, die dann wiederum von größeren Fischen gefressen werden, bis das Plastik auf unserem Teller landet.“

Studien bringen das Phänomen in Zusammenhang mit Gesundheitsproblemen wie Krebs, Diabetes und Störungen des Immunsystems. Neben dem Plastik selbst kommen so auch Industrieabfälle in die Nahrungskette, weil sie sich an die Plastikpartikel im Wasser anheften.

Die Dreharbeiten zu dem Film sollen bis Mitte des Jahres dauern. Dabei will Leeson auch Lösungen vorstellen, so zum Beispiel Plastik-Recycling oder die Biogenese, bei der Kunststoff in seine Kernbestandteile zerlegt und gleichzeitig Energie produziert wird. Mit seinem Filmprojekt will Leeson die Zuschauer aus der Gleichgültigkeit reißen: „Wenn wir ein Feuerzeug oder einen Spielzeugsoldaten aus chinesischer Produktion im Magen eines Albatrosses mitten im Pazifik finden, dann zeigt das, welche Folgen unsere Lebensweise für die Umwelt hat.“

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