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Zivilgesellschaft als Wachhund und Beratung ohne ethischen Anspruch: CSR-Diskussion im Ständehaus

Bei der zunehmenden Kooperation von Politik und Unternehmen kommt der Zivilgesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Wirtschaft und Politik „stehen in der Gefahr der Kumpanei“, die organisierte Zivilgesellschaft müsse „als Wachhund die Einhaltung von Regeln“ beobachten, sagte die Präsidentin der Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance, Prof. Gesine Schwan.

Düsseldorf (csr-news) – Bei der zunehmenden Kooperation von Politik und Unternehmen kommt der Zivilgesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Wirtschaft und Politik „stehen in der Gefahr der Kumpanei“, die organisierte Zivilgesellschaft müsse deshalb „als Wachhund die Einhaltung von Regeln“ beobachten, sagte die Präsidentin der Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance, Prof. Gesine Schwan, am 6. März in Düsseldorf. Die Politikwissenschaftlerin, die einer breiten Öffentlichkeit durch ihre Kandidatur um das Amt des Bundespräsidenten 2004 und 2009 bekannt wurde, sprach im Rahmen der vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium initiierten „Ständehausgespräche zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen“. Kennzeichen einer modernen Gesellschaft sei das Spannungsverhältnis von Kooperation und Konfliktbereitschaft, so Schwan. Gemeinsam könnten Politik, Wirtschaft und die organisierte Zivilgesellschaft längerfristig orientierte Politikentwürfe vorbereiten.

Die oft gewechselte Münze CSR

Schwan bezeichnete den inzwischen häufig verwendeten Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) als unscharf: „Wenn eine Münze zu oft gewechselt wird, kann man nicht genau wissen, was dahinter steckt.“ Der Begriff CSR reiche „von modern gekleideter PR“ bis hin zur Verantwortungsübernahme für das Kerngeschäft eines Unternehmens. Die Politikwissenschaftlerin ließ keinen Zweifel daran, dass Letzteres die eigentliche Bedeutung von CSR darstelle.

Sollten Berater für Ethik haften?

Ihr widersprach in einer auf den Vortrag folgenden Diskussionsrunde der Arbeitsrechtler Christian Reichel, Partner bei Baker & McKenzie/Frankfurt. „Für uns ist das integraler Bestandteil“, sagte Reichel zum Verhältnis von PR und CSR. Der Jurist wies auch darauf hin, dass die Berücksichtigung ethischer Folgen für Berater Probleme aufweise: Sie hätten einen rechtlichen Rahmen aufzuzeigen und die Entscheidung über das konkrete Handeln ihren Kunden zu überlassen. Er berate einen Mandanten in dem, was dieser wolle, „mehr nicht“, sagte Reichel. Eine Kanzlei solle für die ethischen Folgen ihrer Beratung nicht in gleicher Weise haften müssen wie ein Unternehmen, das chemische Produkte in einem Wohnumfeld herstelle, für seine Umweltauswirkungen. Reichel sprach sich auch gegen die von der Europäischen Kommission in die Diskussion eingebrachte Verpflichtung von Unternehmen zur CSR-Berichterstattung aus. Dies sei der Beginn, CSR „in den geregelten Bereich hineinzuziehen“, so Reichel.

DISKUSSION

Kann Beratung auf Ethik verzichten?

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  • Kann Beratung auf einen ethischen Anspruch verzichten?
  • Sollten Berater für die ethischen Folgen ihrer Tätigkeit haften?
  • Ist die in Düsseldorf geäußerte Meinung für Berater repräsentativ?

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