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Transfergesellschaften helfen bei der Arbeitsplatzsuche

Von der Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker sind bundesweit fast 12.000 Beschäftigte betroffen. Die Verhandlungen über die geplanten Entlassungen zwischen Insolvenzverwalter und Gewerkschaft haben nun begonnen. Es soll auch eine Transfergesellschaft eingerichtet werden.

Von Sebastian Bronst

Berlin (afp) – Von der Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker sind bundesweit fast 12.000 Beschäftigte betroffen. Die Verhandlungen über die geplanten Entlassungen zwischen Insolvenzverwalter und Gewerkschaft haben nun begonnen. Es soll auch eine Transfergesellschaft eingerichtet werden.

Was ist eine Transfergesellschaft?

Transfer- oder Qualifizierungsgesellschaften sind ein gängiges Instrument, um die Folgen von Jobabbau und Unternehmensinsolvenzen für die Arbeitnehmer abzumildern. Sie spielten bei praktisch allen größeren Entlassungswellen der vergangenen Jahre eine Rolle, etwa beim früheren Staatsunternehmen Telekom, bei Opel, Karstadt, Quelle oder zuletzt beim Energieriesen Eon. Sie sollen die entlassenen Mitarbeiter schulen, weiterbilden und beraten – immer mit dem Ziel, ihnen den Wechsel in einen neuen Arbeitsplatz zu erleichtern. Die Gesellschaften organisieren Bewerbertrainings und helfen bei der Jobsuche.

Wie wird eine Transfergesellschaft eingerichtet?

Das ist gesetzlich klar geregelt. Es handelt sich um ein zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite meist im Rahmen eines Sozialplans ausgehandeltes Arrangement, das gemeinsam von dem Unternehmen und der Bundesagentur für Arbeit (BA) finanziert wird. Die Transfergesellschaft ist dabei ausdrücklich keine Dauerlösung, etwa um von Arbeitslosigkeit bedrohte Mitarbeiter “zu parken”. Sie darf maximal ein Jahr lang bestehen bleiben.

Wie werden Beschäftigte in einer Transfergesellschaft bezahlt?

Mitarbeiter, die sich freiwillig bei der Transfergesellschaft anstellen lassen, erhalten von der BA das sogenannte Transferkurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent – wenn sie Kinder haben, von 67 Prozent ihres Gehalts. In vielen Fällen stocken die Unternehmen das Kurzarbeitergeld auf, aber das ist Gegenstand von Verhandlungen und keineswegs verpflichtend. Auch im Fall Schlecker, wo die Gespräche wegen der Pleite der Firma von einem Insolvenzverwalter geführt werden, sei das “wünschenswert”, sagt eine Verdi-Sprecherin. Möglichkeiten dazu gebe es.

Wer zahlt eine Transfergesellschaft?

Das Unternehmen selbst trägt in der Regel die Management- und Betriebskosten der Gesellschaft und zahlt wie beim regulären Kurzarbeitergeld die kompletten Sozialversicherungsbeiträge für ehemalige Angestellte. Die BA fördert aber die Kosten für Schulungs- und Vermittlungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 50 Prozent. Maximal gibt sie 2500 Euro je Beschäftigten.

Wer führt eine Transfergesellschaft?

Transfergesellschaften sind rechtlich selbstständige Einheiten, die aber unter dem Dach der Ursprungsfirma bestehen können. Sie werden meistens von darauf spezialisierten Anbietern geführt. Diese müssen zahlreiche praktische Probleme lösen – bei Schlecker etwa spielt die Verteilung der Mitarbeiter auf teils kleine Filialen im ganzen Bundesgebiet eine Rolle.

Welche Probleme müssen im Fall Schlecker gelöst werden?

Zentrale Schulungen, wie sie am Hauptsitz eines Konzerns mit vielen hunderten Betroffenen möglich wären, scheiden im Fall Schlecker aus. Verdi und der Handelsverband Deutschland (HDE) sehen darin aber kein unüberwindliches Problem. Der HDE plädiert für eine Online-Transfergesellschaft, die Mitarbeiter von Schlecker mit eigens verteilten Notebooks in Internetkursen schult. Erfahrungen mit derartigen Konzepten gebe es bereits, sagte ein Verbandssprecher.