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FAQ: Kann eine NGO ihrem Sponsor einen Nachhaltigkeitspreis verleihen?

„Habitat for Humanity Deutschland“ verleiht der Hetzner Online AG eine Auszeichnung für „beispielhaftes soziales Engagement“. Eine NGO ehrt ihren Sponsor: Natürlich kann sie das, aber diese öffentliche Auszeichnung für Nachhaltigkeit, verbunden mit einer Preisverleihung, verursacht Bauchschmerzen. Ein Kommentar von Achim Halfmann.

„Habitat for Humanity Deutschland“ verleiht der Hetzner Online AG eine Auszeichnung für „beispielhaftes soziales Engagement“. Eine NGO ehrt ihren Sponsor: Natürlich kann sie das, aber diese öffentliche Auszeichnung für Nachhaltigkeit, verbunden mit einer Preisverleihung, verursacht Bauchschmerzen.

Nachhaltigkeitspreise und Auszeichnungen für gesellschaftliches Engagement sind angesagt. Und es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn positive Beispiele für gesellschaftliches Engagement von Unternehmen herausgestellt werden. Hier irritiert aber das Verhältnis von Auszeichnendem – dem Spendenempfänger – zu dem Ausgezeichneten – seinem Spender.

Die Arbeit von Habitat for Humanity schätze ich sehr. Ich habe Monate in Afrika verbracht und kenne die Not der Menschen dort aus persönlichem Erleben. Habitat for Humanity leistet Großes. Und das ausgezeichnete Unternehmen, der Webhosting-Dienstleister Hetzner Online AG, nutzt seine Spenden nicht für die Eigenwerbung. Womit Hetzner wirbt, das ist Nachhaltigkeit im Kerngeschäft: die Verwendung von 100% Öko-Strom. Das macht dieses Unternehmen sympathisch. Aber die Preisverleihung bereitet Bauchschmerzen, weil sie dem Thema gesellschaftliche Verantwortung einen Bärendienst erweist.

Denn hier wird eine Objektivität vorgeschoben, die tatsächlich in keiner Weise gegeben ist. Der Auszeichnende steht in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Ausgezeichneten. Die NGO profitiert von dem öffentlichen Event ebenso wie das Unternehmen. Wenn die Etikette „nachhaltiges Engagement“ und „besondere gesellschaftliche Verantwortung“ für jeden Dauerspender zu haben sind, dann wird der Vorwurf des „Greenwashing“ nicht lange auf sich warten lassen.

Worin besteht der Maßstab für diese Preisvergabe? Offensichtlich hat der Dienstleister viel Geld gespendet. 27 Häuser entstanden so in Südafrika und Mosambik, und auch an der Entstehung von 20 Häusern in Kamerun war das Unternehmen beteiligt. Wie viel Geld hat es also in die Partnerschaft eingebracht? Waren 50.000 Euro erforderlich oder eher 5 Millionen Euro? Das wird uns wohl niemand verraten. Wie verhält sich die Spende zu Umsatz oder Gewinn? War das denn prozentual mehr, als mancher kleine Handwerksbetrieb gespendet hat? Und – auf der anderen Seite: Wie viel von der Spende kam in Afrika an und welcher Anteil ging in Verwaltungskosten – wie die Organisation von Preisverleihungen?

Es bleibt zu wünschen, dass NGOs ihre Kooperationen mit Unternehmen ausbauen und trotzdem ein unabhängiges und kritisches Gegenüber bilden. Zu fordern bleibt, dass Preise und Auszeichnungen von unabhängigen Dritten anhand transparenter Kriterien vergeben werden. Da hapert es an allen Ecken und Enden. Und es bleibt wichtig, dass wir Unternehmen nicht aufgrund ihres Mäzenatentums zugunsten Afrikas als nachhaltige Unterstützer ehren. Afrika ist noch von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abgehängt. Der Kontinent braucht die Ansiedlung von Industrien – auch aus dem IT-Bereich. Und die gut ausgebildeten jungen Leute, die afrikanische Universitäten verlassen, brauchen andere Jobs als Taxifahren.

Lieber Herr Bundesminister a.D. Hans Eichel, vielleicht nutzen Sie die Gelegenheit am 15. März, wenn Sie in Nürnberg die Auszeichnung vergeben, ja auch, um auf diese nachhaltigen Herausforderungen aufmerksam zu machen?

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