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Pro Minute sterben sieben Menschen infolge von Wasserproblemen

Rund 3,5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr wegen schlechter Wasserversorgung. Hinter dieser erschreckend hohen Zahl, die anlässlich des Weltwasserforums von der UNO veröffentlicht wurde, verbergen sich unterschiedlichste Ursachen: von Wassernot in trockenen Regionen bis hin zu Krankheiten wegen verschmutztem Trinkwasser.

Von Gabrielle Grenz

Marseille (afp) – Rund 3,5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr wegen schlechter Wasserversorgung. Hinter dieser erschreckend hohen Zahl, die anlässlich des Weltwasserforums im französischen Marseille am Montag von der UNO veröffentlicht wurde, verbergen sich unterschiedlichste Ursachen: von Wassernot in trockenen Regionen bis hin zu Krankheiten wegen verschmutztem Trinkwasser. Die UNESCO warnt vor einer weltweiten Wasserkrise.

Etwa 800 Millionen Menschen waren im Jahr 2010 ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, wie die UNO und Nichtregierungsorganisationen berichteten. Rund 2,5 Milliarden Menschen mussten auf einfachste sanitäre Einrichtungen verzichten. Immerhin hätten aber bereits 89 Prozent der Weltbevölkerung heute Zugang zu sauberem Trinkwasser; damit sei eines der Millenniumsziele der Vereinten Nationen sogar vor dem Jahr 2015 erreicht.

Nach Angaben der privaten Wasserbetriebe in der Organisation Aquafed sind die Zahlen aber alarmierender: Zwischen drei und vier Milliarden Menschen haben demnach keinen ständigen Zugang zu Trinkwasser, täglich müssten diese Menschen mit Wasser leben, dessen Qualität bedenklich sei. Dies sei mehr als die Hälfte der Menschheit.

Noch schlimmer: Von den 3,8 Milliarden Menschen, die Trinkwasser aus dem Wasserhahn bekommen, haben laut Aquafed mindestens eine Milliarde täglich nur stundenweise Zugang dazu. Angesichts des schlechten Zustandes vieler Wasserleitungen könne man oft nicht von Trinkwasser sprechen, sagt Aquafed-Präsident Gérard Payen, der Berater von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist.

Regional sind die Unterschiede ohnehin riesig: Im südlichen Afrika haben noch immer mehr als 40 Prozent der Bevölkerung kein Trinkwasser. In den ärmsten Ländern der Welt leben 97 Prozent der Einwohner ohne Kanalisation, 14 Prozent trinken das Wasser aus Flüssen oder Seen, die auch von Tieren genutzt werden. Laut UN-Wasserbericht 2012 mussten 64 Prozent der Weltbevölkerung ihr „Geschäft“ unter freiem Himmel verrichten, 638 Millionen Menschen allein in Indien.

Bis zu 90 Prozent des verbrauchten Wassers geht in den Entwicklungsländern ungeklärt in Flüsse, Seen oder ins Meer, wie die UNO weiter feststellte. Wassermangel oder schmutziges Wasser bleibt demnach die Haupt-Todesursache weltweit, die meisten Opfer sind Kinder: „Sieben Tote pro Minute“ zählt Alain Boinet, der Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Solidarités Internationales. Verunreinigtes Trinkwasser ist die Hauptursache für Krankheiten wie Cholera.

Die Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) fordert einen verbindlichen Aktionsplan zur Wasserversorgung weltweit. Denn UNO und Nichtregierungsorganisationen befürchten, dass durch Klimawandel, Bevölkerungswachstum und steigenden Fleischkonsum die Wasserprobleme in den nächsten Jahren noch verschärft werden. Seit der Jahrtausendwende gab es laut WWF weltweit bereits mehr als 50 gewalttätige Konflikte um die Nutzung von Wasser.

Das Weltwasserforum in Marseille sollte laut WWF klare Zielvorgaben definieren, die als Beschlussgrundlage für den UN-Umweltgipfel Rio+20 im Juni dienen könnten. Nichtregierungsorganisationen wie Attac kritisieren das Treffen aber als „große Lobby-Veranstaltung der Wasser- und Energiewirtschaft“.

Das Weltwasserforum im Internet (englische Website:
www.worldwaterforum6.org

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