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Schweizer Notenbanker wegen Geldgeschäft in Bedrängnis

Bei der Schweizer Nationalbank (SNB) ist erneut ein Direktoriumsmitglied wegen seiner privaten Geldgeschäfte in Bedrängnis geraten. Nur zwei Monate nach dem Rücktritt von SNB-Präsident Philipp Hildebrand wegen einer umstrittenen Finanztransaktion seiner Frau steht nun Nationalbanker Jean-Pierre Danthine wegen ähnlicher Vorgehen in der Kritik.

Genf (afp) – Bei der Schweizer Nationalbank (SNB) ist erneut ein Direktoriumsmitglied wegen seiner privaten Geldgeschäfte in Bedrängnis geraten. Nur zwei Monate nach dem Rücktritt von SNB-Präsident Philipp Hildebrand wegen einer umstrittenen Finanztransaktion seiner Frau steht nun Nationalbanker Jean-Pierre Danthine wegen ähnlicher Vorgehen in der Kritik. Danthine soll am 20. Mai 2010 rund 126.000 Euro verkauft haben. Kurze Zeit später stellte die SNB ihre Stützungskäufe für den Euro ein, so dass die Gemeinschaftswährung deutlich an Wert verlor.

Das Geschäft des Notenbank-Direktors war in der vergangenen Woche öffentlich geworden, nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG einen Prüfbericht zu den Geldgeschäften der Direktoriumsmitglieder vorgestellt hatte. Dieser offenbarte Widersprüche zwischen Danthines Reden und seinem Handeln: Nach dem Rücktritt Hildebrands im Januar hatte er angegeben, sein Geld “ultrapassiv” zu verwalten. Der KPMG-Bericht zeigte aber, dass der Notenbanker den Auftrag einer normalen Vermögensverwaltung erteilt hatte und keiner besonders passiven.

Am Montag verabschiedete der Bankrat der Nationalbank ein strengeres Reglement für die Finanzgeschäfte der Mitglieder der Bankleitung. Vom 1. Mai an sollen demnach auch den Führungskräften nahestehende Personen den Beschränkungen und Offenlegungspflichten unterworfen sein. Verträge mit Vermögensverwaltern müssen von der SNB genehmigt werden, ebenso Fremdwährungsgeschäfte ab 20.000 Franken (16.600 Euro). Finanzanlagen, die “im Hinblick auf die Aufgaben der Notenbank problematisch erscheinen könnten”, sind untersagt.

Die Notenbank reagierte mit dem strengeren Reglement hauptsächlich auf die Geschehnisse um ihren Ex-Präsidenten Hildebrand. Er war im Januar zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass seine Ehefrau 400.000 Franken in Dollar getauscht und angelegt hatte. Drei Wochen später legte die Notenbank als Mittel gegen die anhaltende Aufwertung des Franken einen Mindestwechselkurs zum Euro fest, woraufhin auch der Dollar gegenüber dem Franken stark anstieg. Hildebrand hatte nicht beweisen können, dass er von der Transaktion seiner Frau nichts gewusst hatte.