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Jährlich landen 6,7 Millionen Tonnen Essen in privaten Mülltonnen

Im Müll deutscher Privathaushalte landen jedes Jahr rund 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel. Weit mehr als die Hälfte davon (65 Prozent) wäre zumindest teilweise noch zu gebrauchen, wie aus einer Studie für das Verbraucherschutzministerium hervorgeht. Hauptgründe für die Verschwendung: mangelnde Planung und “mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln”.

Berlin (afp) – Im Müll deutscher Privathaushalte landen jedes Jahr rund 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel. Weit mehr als die Hälfte davon (65 Prozent) wäre zumindest teilweise noch zu gebrauchen, wie aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie für das Verbraucherschutzministerium hervorgeht. Als Hauptgrund für die Verschwendung nennen die Verfasser unter anderem mangelnde Planung und “mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln”.

Insgesamt werden laut Analyse der Universität Stuttgart jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall entsorgt. Privathaushalte sind dafür zum größten Teil verantwortlich – auf sie entfallen 61 Prozent der Gesamtmenge. Der Rest fällt in Industrie und bei Großverbrauchern wie Restaurants und Kantinen an (je 17 Prozent) oder im Handel (fünf Prozent).

Die Autoren der Studie errechneten auch, was das kostet: Hochgerechnet werfen Privathaushalte demnach ganz oder teils noch genießbare Speisen im Wert von bis zu 21,6 Milliarden Euro weg. Pro Kopf der Bevölkerung sind das 235 Euro pro Jahr.

“Wir leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft”, erklärte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Es sei Zeit für eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln. Das Ministerium werde Ende März eine Informationskampagne mit praktischen Tipps für Verbraucher starten, kündigte Aigner an. Zudem plane der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels eine Aufklärungsaktion über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln ab kommendem Montag.

Bei der Studie handelt es sich den Angaben des Ministeriums zufolge um die erste genaue Untersuchung des Problems. Bisher gab es nur vage Schätzungen.

Insgesamt unterscheiden die Studienautoren zwischen vermeidbaren, teils vermeidbaren und unvermeidbaren Lebensmittelabfällen. Unvermeidbar sind ungenießbare Reste wie etwa Bananenschalen. Teilweise vermeidbar sind Reste, die wegen unterschiedlicher Ernährungsgewohnheiten anfallen – etwa weil ein Restaurantbesucher sein Gericht nicht ganz aufisst. Als vermeidbare Abfälle gelten Lebensmittel, die noch uneingeschränkt genießbar wären.

In Privathaushalten entfällt der Studie nach ein Großteil dieser Gruppe auf Obst und Gemüse. Diese machen zusammen schon fast die Hälfte (44 Prozent) der vermeidbaren Speiseabfälle aus. Etwa ein Siebtel (15 Prozent) sind Backwaren.

Als Ursache des sorglosen Umgangs mit Lebensmitteln identifizierten die Stuttgarter Experten neben mangelnder Wertschätzung, “bedingt auch durch ständige Verfügbarkeit”, das im EU-Vergleich niedrige Preisniveau. Hinzu kämen fehlgeplante Einkäufe und Unkenntnis über das Mindesthaltbarkeitsdatum: Es bedeutet nicht, dass Lebensmitteln bei Erreichen ungenießbar sind.

Für ihre Studie sammelten die Forscher detaillierte Informationen über das Abfallaufkommen in Deutschland und werteten Versorgungsbilanzen sowie die “Nationale Verzehrstudie” aus. Hinzu kamen Befragungen und Stichproben.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) teilte mit, die Branche versuche schon allein aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks das Maß an Lebensmittelabfällen so gering wie möglich zu halten. Der Handelsverband (HDE) Deutschland hingegen erklärte, Industrie, Handel und Verbraucher trügen “gemeinsam dafür Sorge”, dass das Angebot an Lebensmitteln und der Verbrauch besser aufeinander abgestimmt werden.