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OECD-Umweltausblick: Schnelles Handeln erforderlich

„Was werden die nächsten vier Jahrzehnte bringen?“, ist die Kernfrage des heute vorgestellten OECD-Umweltausblicks. Eine Antwort wird auch direkt geliefert: „In den kommenden Jahrzehnten werden unsystematische Einzelfortschritte, wie wir sie bislang erzielt haben, nicht mehr ausreichen“. Die OECD fordert schnelles und koordiniertes Handeln damit unumkehrbare Umweltschäden vermieden werden.

Paris/Berlin (csr-news) > „Was werden die nächsten vier Jahrzehnte bringen?“, ist die Kernfrage des heute vorgestellten OECD-Umweltausblicks. Eine Antwort wird auch direkt geliefert: „In den kommenden Jahrzehnten werden unsystematische Einzelfortschritte, wie wir sie bislang erzielt haben, nicht mehr ausreichen“. Die OECD fordert schnelles und koordiniertes Handeln, damit unumkehrbare Umweltschäden vermieden werden.

Der Bericht mit dem Untertitel „Die Folgen des Nichthandelns“ enthält neueste Projektionen zu den sozio-ökonomischen Trends der kommenden vier Jahrzehnte und zu deren Auswirkungen auf Klimawandel, Artenvielfalt, Wasser sowie Gesundheit und Umwelt. Im Vorgängerbericht „Umweltausblick bis 2030“ wurden diese Bereiche mit der obersten Dringlichkeitsstufe identifiziert. Die Bilanz eher düster: Im neuen Umweltausblick kommt die OECD zu dem Schluss, dass die Aussichten heute noch besorgniserregender sind. Es gilt nun dringend ganzheitliche Maßnahmen zu ergreifen, um die hohen Kosten und schwerwiegenden Konsequenzen zu vermeiden, mit denen bei Untätigkeit zu rechnen ist.

Die Grundannahme der OECD lautet: Die Weltwirtschaft wird sich bis 2050 fast vervierfachen. Zudem wird die Weltbevölkerung um weitere zwei Milliarden Menschen wachsen – und, damit einhergehend, die Nachfrage nach Nahrung, Wasser und Energie. Insbesondere die demografischen Veränderungen in weiten Teilen der Welt werden zusammen mit dem zu erwartenden Anstieg des Lebensstandards zu signifikanten Veränderungen in den Lebensgewohnheiten, Verbrauchsmustern und Ernährungsweisen führen, die erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt sowie auf die von ihr bereitgestellten Ressourcen und Dienste haben werden. Zudem werden den Erwartungen nach im Jahr 2050 rund 70 Prozent der Erdbevölkerung in städtischen Räumen leben. Auch dies führt zu enormen Herausforderungen im Zusammenhang mit Schadstoffemissionen, Verkehrsproblemen sowie in der Abfall- und Abwasserentsorgung, die wiederum Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben dürfte.

Nach Auffassung der OECD können nur ambitionierte und zügig auf internationalem Level umgesetzte Maßnahmen verhindern, dass Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer erheblichen ökonomischen und gesellschaftlichen Schaden nehmen. Ohne einen Politikwechsel würde das Basisszenario des Berichts mit folgenden Annahmen greifen:

  • Anstieg des weltweiten Primärenergieverbrauchs, der 2050 um rund 80 Prozent höher als heute wäre. Schon in den kommenden Jahrzehnten werden die sogenannten BRIICS-Länder mehr Energie verbrauchen als die 34 Mitglieder der OECD. Durch den weiteren Anstieg fossiler Energieträger würde dadurch etwa 50 Prozent mehr Treibhausgase ausgestoßen.
  • Die städtische Luftverschmutzung wird 2050 für den Großteil aller umweltbedingten Todesfälle verantwortlich sein, konkret können jedes Jahr rund 3,6 Millionen Menschen an Feinstaub versterben. Am stärksten betroffen wären die Metropolregionen in China und Indien.
  • Die schon heute rückläufige Artenvielfalt wird bis 2050 um weitere zehn Prozent abnehmen, vor allem in Europa, Asien und im südlichen Afrika. Der Verlust der biologischen Vielfalt bedroht nicht nur das Wohlergehen der indigenen oder armen Bevölkerung in Lateinamerika, Asien und Afrika. Er beeinflusst auch das Klima, die Wasserqualität und –quantität, die landwirtschaftliche Produktion oder die Verbreitung von Krankheiten und damit die Menschen in Industrieländern.
  • Zudem wird der weltweite Wasserverbrauch um mehr als die Hälfte steigen und die schon heute bestehende Knappheit weiter verschärfen. Vor allem das verarbeitende Gewerbe, thermische Stromerzeuger aber auch private Haushalte verantworten den Mehrbedarf. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung werden im Jahr 2050 voraussichtlich in Gebieten mit extremer Wasserknappheit leben – 2,3 Milliarden Menschen mehr als heute.

„Angesichts dieser Projektionen reichen die vereinzelten Besserungen der Vergangenheit nicht mehr aus“, heißt es im Bericht. „Die Umweltbelastungen verschärfen sich gegenseitig und können binnen kürzester Zeit zu Veränderungen führen, die nicht mehr steuerbar sind“. So kann es zu bestimmten Kipp-Punkten kommen, deren Überschreitung zu nicht korrigierbaren Schäden führt.

Auch eine Reihe von Maßnahmen enthält der Bericht, mit denen sich die Entwicklungen nach Auffassung der OECD aufhalten lassen. Er plädiert unter anderem dafür, Umweltverschmutzung durch Steuern oder weltweiten Emissionshandel zu verteuern. Natürliche Ressourcen wie beispielsweise Wasser mit einem Preis zu versehen und Märkte für sie zu schaffen oder wirtschaftliche Instrumente mit Vorschriften und Normen zu kombinieren, etwa für die Raumplanung. Außerdem spricht er sich dafür aus, umweltschädliche Subventionen wie etwa für fossile Brennstoffe abzuschaffen. Zudem sei eine weitere gezielte Förderung sogenannter „grüner Technologien“ nötig, die zudem auch in den Entwicklungsländern bereitgestellt werden müssten. Die wichtigste Forderung ist aber die nach sektor- und länderübergreifender Zusammenarbeit. „Wenn wir die Bedürfnisse von mehr als neun Milliarden Menschen befriedigen wollen, brauchen wir eine grünere Landwirtschaft, eine grünere Industrie und eine grüne Energieversorgung“, sagte der Generalsekretär der OECD, Angel Gurría. Um die dringendsten Herausforderungen bis 2050 zu bewältigen, sollten die Regierungen schon heute auf grünes Wachstum setzen.