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Stroh im Tank: Unternehmen verarbeitet Getreidestroh zu Biogas

Rumpelstilzchen konnte Gold daraus spinnen, andere dreschen es gewaltig und so mancher greift auf Rettung hoffend nach dem letzten Halm: Stroh ist vielseitig verwendbar.Die Firma Verbio in Zörbig in Sachsen-Anhalt weiht heute offiziell eine Anlage zur Strohverarbeitung für die Biogas-Produktion ein.

Von Andrea Hentschel

Leipzig (afp) – Rumpelstilzchen konnte Gold daraus spinnen, andere dreschen es gewaltig und so mancher greift auf Rettung hoffend nach dem letzten Halm: Stroh ist vielseitig verwendbar. Darauf setzt auch die Firma Verbio in Zörbig in Sachsen-Anhalt. Der Hersteller von Biokraftstoff weiht heute offiziell eine Anlage zur Strohverarbeitung für die Biogas-Produktion ein – laut Unternehmen die weltweit erste industrielle Anlage dieser Art.

Die 2006 gegründete Vereinigte BioEnergie AG (Verbio), die ihren Verwaltungssitz in Leipzig hat, produziert neben Biogas auch Bioethanol und Biodiesel. In Zörbig wird seit 2010 Biogas produziert. Dabei werde „komplett“ auf den Einsatz von Nahrungsmittel-Rohstoffen verzichtet, betont das Unternehmen. Die neuartige, im eigenen Haus ausgetüfftelte Anlage zur Strohverarbeitung wurde in die bestehende Biogas-Anlage integriert. Dort wird aus der sogenannten Schlempe, einem Abfallprodukt der Bioethanol-Produktion, Biomethan hergestellt.

Das Getreidestroh wird nun, nachdem es zerhäckselt und pulverisiert wurde, in den selben Behälter gepumpt wie die Schlempe. Die Biomasse wird dort in rund 30 Tagen mit Hilfe von Bakterien zu Biogas vergoren, das anschließend von Schwefel und Kohlenstoffdioxid gereinigt wird. Heraus kommt Biomethan, das ins Erdgasnetz eingespeist und als Biokraftstoff der sogenannten zweiten Generation an Erdgas-Tankstellen in Deutschland angeboten wird. Für diese Entwicklung erhielt Verbio 2010 den Biogas-Innovationspreis der Deutschen Energie-Agentur (Dena).

„Pro Jahr können künftig rund 20 Tonnen Stroh verarbeitet werden“, sagt ein Unternehmenssprecher. Derzeit läuft die Strohanlage in Zörbig allerdings noch nicht mit voller Kraft. Perspektivisch sollen solche reinen Strohanlagen aber auch andernorts entstehen.

Biokraftstoffe auf der Basis von Rapsöl, Getreide oder Zuckerrüben sind seit längerem in der Kritik. Die Produktion beanspruche zunehmend Ackerland, das für die Nahrungsproduktion gebraucht werde, meinen Kritiker. Dies treibe die Bodenpreise hoch und verteuere Lebensmittel.

Verbio geht nun mit der Strohverarbeitung neue Wege. Nach einer Erhebung des Deutschen Biomasse-Forschungszentrums (DBFZ) Leipzig könnte rund ein Viertel des jährlichen Gesamtaufkommens an Stroh für die Herstellung von Bioenergie genutzt werden. Das entspricht rund 8,6 Millionen Tonnen. Bisher wird der Großteil des Strohs auf den Äckern untergepflügt, im Gartenbau und in der Tierhaltung verwendet. Auch andere Agrar-Reststoffe wie Gülle und Mist könnten künftig in der Biogas-Produktion eingesetzt werden.

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