Nachrichten

Zarte Triebe auf dem Weg zur „grünen Wirtschaft“

Europäische Unternehmen haben auf dem Weg zu einer grünen Wirtschaft die Nase vorn, so die gute Nachricht der aktuellen oekom Corporate Responsibility Review 2012. Auf der anderen Seite bleiben die Aktivitäten von Unternehmen die eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige Entwicklung haben, deutlich hinter dem Notwendigen zurück.

München (csr-news) > Europäische Unternehmen haben auf dem Weg zu einer grünen Wirtschaft die Nase vorn, so die gute Nachricht der aktuellen oekom Corporate Responsibility Review 2012. Auf der anderen Seite bleiben die Aktivitäten von Unternehmen die eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige Entwicklung haben, deutlich hinter dem Notwendigen zurück.

Nur etwa 17 Prozent, also 543 von 3.100 untersuchten Unternehmen konnten den oekom-Prime-Status erreichen. Dazu zählen rund 300 Großunternehmen aller Branchen sowie etwa 180 kleine und mittelständische Betriebe aus Branchen, die etwa in den Bereichen erneuerbare Energien und Recycling einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten. „Ein weiteres Viertel der Unternehmen zeigt gute erste Ansätze im Nachhaltigkeitsmanagement, ihnen fehlt aber noch die systematische und flächendeckende Verankerung entsprechender Aspekte im Management,“ erläutert Matthias Bönning, COO und Head of Research von oekom research, die Ergebnisse des Ratings. „Über 57 Prozent der von uns bewerteten Unternehmen sind aber bisher kaum oder gar nicht aktiv.“

„Die Ambitioniertheit des Nachhaltigkeitsmanagements variiert deutlich zwischen den einzelnen Unternehmen, Branchen und Ländern“, fasst Matthias Bönning die Situation zusammen. „Um das Ziel einer grünen Wirtschaft zu erreichen, müssen die Anstrengungen deutlich intensiviert werden“. Immerhin haben europäische Unternehmen im Ländervergleich die Nase vorn. Auf Basis der im Aktienindex MSCI-World gelisteten Unternehmen erreichen mehr als 40 Prozent der deutschen, dänischen und britischen Unternehmen den Prime-Status. Aus Frankreich gelang dies gut einem Drittel der Unternehmen sowie in Österreich und der Schweiz noch jedem Vierten. In den USA oder Japan schaffte nicht einmal jedes zehnte Unternehmen diesen Sprung.

Als, für eine nachhaltige Entwicklung, besonders bedeutende Branchen gelten beispielsweise neben Banken, die Energie- und Wasserversorgung sowie die Informationstechnologie. Beispiel Banken: Nur 23 der 294 von oekom untersuchten Geldinstitute zeigten ein ausreichendes Engagement und erreichten den Prime-Status. Gerade die Geschäftsfelder Kreditvergabe und Kapitalanlage könnten jedoch wichtige Weichen in eine grüne Zukunft stellen. Ein kaum besseres Bild bei den Energie- und Wasserversorgern, hier erreichten nur 13 Prozent der insgesamt 154 untersuchten Unternehmen den Prime-Status, obwohl ein großer Teil von ihnen in erneuerbare Energien investiert. Dennoch wird in den meisten Ländern die Energieversorgung noch aus fossilen Energieträgern bestritten, für die Umwelt aus vielerlei Sicht problematisch. Unter anderem weil beispielsweise die Ölförderung immer aufwendiger wird und zunehmend auch in geschützten Naturräumen stattfindet. In der IT-Industrie fallen vor allem die problematischen Arbeitsverhältnisse ins Gewicht. Vor allem Diskriminierung, mangelhafte Gesundheits- und Arbeitsstandards sowie Zwangsüberstunden und schlechte Bezahlung führen die oekom-Analysten hier an. Ergebnis, nur 33 von 205 analysierten Unternehmen erfüllen die Mindeststandards für den Prime-Status. Die insgesamt besten Bewertungen wurden bei den Herstellern von Haushaltsprodukten erreicht. Henkel führt mit 46,5 von 100 möglichen Punkten zwar das Branchenranking an, die niedrige Punktzahl bei den Besten zeigt jedoch wie groß der Verbesserungsbedarf weiterhin ist.

Ernüchternd auch die Zahlen bei der Entwicklung des nachhaltigen Investments, nach Berechnungen des Sustainable Business Institute (SBI) gab es Ende 2011 zwar drei zusätzliche nachhaltige Publikumsfonds, das investierte Volumen lag jedoch um 4 Milliarden Euro niedriger als im Jahr zuvor (Ende 2010 34 Milliarden Euro). Das Gesamtvolumen nachhaltiger Kapitalanlage in Deutschland erhöhte sich jedoch um mehr als 37 Prozent auf nunmehr 94,5 Milliarden Euro. Weltweit stieg ihr Anteil sogar auf rund acht Billionen Euro, davon entfallen immerhin fünf Billionen Euro auf Europa.

Neben der ausführlichen Unternehmensanalyse enthält die diesjährige oekom corporate responsibility review 2012 einen Exkurs zum Aspekt der Nachhaltigkeit bei Staatsanleihen, einen Blick nach China sowie eine Betrachtung in eigener Sache – die Entwicklung von Nachhaltigkeitsrankings in den letzten Jahren. Den kompletten Bericht gibt es hier zum Download.

Hinterlassen Sie einen Kommentar