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In Deutschland 250 Milliarden Euro Schaden durch Korruption

Bestechung und Vorteilsnahme werden der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr einen Schaden von rund 250 Milliarden Euro zufügen. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider von der Universität Linz in einer Studie.

Frankfurt/Main (afp) – Bestechung und Vorteilsnahme werden der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr einen Schaden von rund 250 Milliarden Euro zufügen. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider von der Universität Linz in einer Studie. Die Schattenwirtschaft in der Bundesrepublik sei im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs zuletzt allerdings zurückgegangen.

Die Berechnungen des Forschungsinstituts basieren auf dem Korruptionsindex CPI, der seit 1995 von der Organisation Transparency International berechnet wird, gewichtet mit der Summe aller in Deutschland hergestellten Güter und Dienstleistungen. Diesen Zahlen und den Berechnungen Schneiders zufolge ist die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren in Sachen Korruptionsbekämpfung kaum von der Stelle gekommen. „Man kann zufrieden sein, dass die Korruption nicht stark zugenommen hat“, sagte Schneider.

Laut dem aktuellsten veröffentlichten Korruptionsindex steht Deutschland im internationalen Vergleich auf Rang 14 der am wenigsten korrupten Staaten. Seit 2003 lag die Bundesrepublik stets auf einem Rang von 14 bis 16. Angeführt wird die aktuelle Liste von Neuseeland. In Großbritannien, den USA und Frankreich gibt es demnach deutlich mehr Korruption als in Deutschland.

Gelänge es der Bundesrepublik, die Korruption auf das Niveau der Schweiz von 2011 zu reduzieren, fiele der volkswirtschaftliche Schaden um 45 Milliarden Euro niedriger aus, heißt es in der Studie. So aber sei für 2012 wie schon für 2011 mit einem Schaden in Höhe von 250 Milliarden Euro zu rechnen.

Eine strengere und konsequentere Ahndung könnte die illegalen Geschäftspraktiken eindämmen, sagte Schneider. Er empfehle, Gerichtsverfahren zu beschleunigen: „Damit jeder unmittelbar sieht, dass Korruption Konsequenzen hat.“ Auch hätten Gefängnisstrafen eine abschreckendere Wirkung als Geldstrafen. Unternehmen, die in Fälle von Korruption verwickelt sind, sollten außerdem für bis zu fünf Jahren von öffentlichen Auftragsverfahren ausgeschlossen werden.

Schäden richtet in der Bundesrepublik auch die Schattenwirtschaft an. Aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung der vergangenen Jahre sei diese jedoch zuletzt zurückgegangen. Erstmals seit 1995 sank sie den Zahlen zufolge 2010 unter die Quote von 14 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Bundesrepublik. 2011 machte die Schattenwirtschaft den Berechnungen zufolge mit 344,3 Milliarden Euro 13,54 Prozent des BIPs aus. Für 2012 rechnet Schneider mit einem Rückgang auf 13,34 Prozent (342,4 Milliarden Euro).

Mit der Schattenwirtschaft einher ging der Studie zufolge auch ein Rückgang bei der fiktiven Zahl der Vollzeit-Schwarzarbeiter in der Bundesrepublik. Sie sank demnach von 7,9 Millionen im Jahr 2010 auf 7,8 Millionen 2011. 2012 könnte sie auf 7,7 Millionen sinken.

Trotz der für Schwarzarbeit schlechten Zeiten haben die Fahnder des Zolls im vergangenen Jahr ihre Kontrollen erhöht: Insgesamt hätten die Beamten 524.000 Personen wegen des Verdachts von Schwarzarbeit oder illegaler Beschäftigung überprüft, teilte am Freitag in Berlin Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit. Die Fahnder hätten dabei Schäden von über 660 Millionen Euro aufgedeckt. 2010 hatten die Zöllner demnach noch bei 510.000 Überprüfungen Schäden über 710 Millionen Euro ermittelt.

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