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Transfergesellschaften für Schlecker-Mitarbeiterinnen vereinbart

Für voraussichtlich rund 10.000 Beschäftigte bei der insolventen Drogeriekette Schlecker soll es mehrere Transfergesellschaften geben. Für die im Unternehmen verbleibenden Beschäftigten kündigte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke einen Neustart mit guten Sozialstandards an. So sollen die Mitarbeiterinnen nach den Flächentarifen des Einzelhandels bezahlt werden.

Kassel (afp) – Für voraussichtlich rund 10.000 Beschäftigte bei der insolventen Drogeriekette Schlecker soll es mehrere Transfergesellschaften geben. Das vereinbarte die Gewerkschaft Verdi und der Gesamtbetriebsrat von Schlecker mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, wie Verdi am Sonntag in Kassel mitteilte. Der Plan stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt einer Finanzierungszusage der Politik.

Statt wie bislang geplant 2400 werden nach den neuen Plänen nun rund 2200 Filialen geschlossen. Die Zahl der verlorenen Arbeitsplätze werde damit deutlich unter der bislang von Geiwitz genannten Zahl von 11.750 liegen, sagte Stefanie Nutzenberger, im Verdi-Bundesvorstand zuständig für den Handel. Insgesamt hat die insolvente Drogeriemarktkette mit Sitz in Ehingen bei Ulm nach Verdi-Angaben derzeit noch rund 25.000 Beschäftigte.

Für die im Unternehmen verbleibenden Beschäftigten kündigte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke einen Neustart mit guten Sozialstandards an. So sollen die Mitarbeiterinnen nach den Flächentarifen des Einzelhandels bezahlt werden. Auf Leiharbeit werde das Unternehmen weitgehend verzichten. Die Betriebsratsbezirke würden gebündelt und dadurch handlungsfähiger. Die Pläne gäben den Schlecker-Mitarbeitern “ein wichtiges Stück Klarheit und Sicherheit”, sagte Franke.

Betriebsratsberater Rüdiger Helm sagte: “Schlecker ist insolvent geworden wegen unethischen Verhaltens.” Die für die Zukunft vereinbarten Standards seien deutlich besser bei der Mehrheit der Branche. Franke betonte, nur so könne das Unternehmen das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen. “Ein grundlegender Imagewandel ist Voraussetzung für einen Neuanfang.” Insolvenzverwalter Geiwitz sei nun auf der Suche nach Investoren, die dieses Konzept mittragen und “das notwendige Kapital aufbringen”.

Wer letztlich mit Kündigung rechnen muss, hänge von sozialen und regionalen Kriterien ab, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Nutzenberger. “Hier haben wir noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns.” Die geplanten Transfergesellschaften sollen die Betroffenen weiterbilden und sie bei der Suche nach neuen Jobs unterstützen. Die Schlecker-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann verwies darauf, dass die Betriebsräte unter enormem Erwartungsdruck stünden: Die Entscheidung über die Zukunft der Mitarbeiterinnen sei “fast unerträglich”.

Für die Transfergesellschaften fehle allerdings noch das grüne Licht der Politik, sagte Nutzenberger. Für Montag hat Baden-Württemberg die anderen Länder nach Berlin eingeladen, um über Finanzierungsmöglichkeiten zu sprechen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnte es weiterhin ab, dass der Bund die Verantwortung für die Transfergesellschaften übernimmt. Für einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW müsse Baden-Württemberg zusammen mit den anderen betroffenen Ländern die volle Haftung übernehmen, sagte Rösler dem “Spiegel”. Aus Regierungskreisen in Berlin verlautete, es sei die Position aller beteiligten Ressorts, dass die Länder die volle Haftung tragen müssten.

Sollte es zu einer politischen Einigung kommen, könnten die Transfergesellschaften bereits am 28. März ihre Arbeit aufnehmen, sagte Betriebsratsberater Rüdiger Helm. Mögliche Träger seien bereits informiert worden. Die entlassenen Mitarbeiterinnen sollen zudem Abfindungen bekommen. Angaben über deren Höhe können nach Angaben von Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke aber erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens gemacht werden.