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CSR im Profifußball: In kleinen Schritten voran

Soll eine Delegation des Deutschen Fußball Bundes DFB während der diesjährigen Europameisterschaft die Gedenkstätte Ausschwitz besuchen? Um diese Frage ist, erneut eine Auseinandersetzung um die Verantwortung im Profifußball entbrannt. Währenddessen sind, nach dem HSV, zwei weitere Vereine der ersten Bundesliga mit einer CSR-Strategie an die Öffentlichkeit gegangen.

Bremen/Wolfsburg (csr-news) > Soll eine Delegation des Deutschen Fußball Bundes DFB während der diesjährigen Europameisterschaft die Gedenkstätte Ausschwitz besuchen? Um diese Frage ist, erneut eine Auseinandersetzung um die Verantwortung im Profifußball entbrannt. Währenddessen sind, nach dem HSV, zwei weitere Vereine der ersten Bundesliga mit einer CSR-Strategie an die Öffentlichkeit gegangen.

„Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich aus einer anderen Ecke des Fußballs komme“, sagte der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach auf seiner ersten Sitzung der Nachhaltigkeitskommission. „Das heißt aber nicht, dass ich nicht sehr genau weiß, wie wichtig auch der gesellschafts- und sozialpolitische Bereich für den Fußball in der heutigen Zeit ist. Es wäre ein Fehler, sich ausschließlich auf das Kerngeschäft zu fokussieren“. Mit dem Thema CSR tut man sich im deutschen Profifußball noch schwer, wie auch diese inzwischen fünfte Sitzung der DFB-Kommission zeigt. Der Diskussion entziehen können sich die Vereine nicht, längst sind sie zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor geworden mit aller daraus resultierender Verantwortung. Mehr als 4,4 Milliarden Euro, ohne die teilweise gigantischen Transfererlöse, haben die zwanzig umsatzstärksten Klubs in Europa im letzten Jahr umgesetzt, so die Ergebnisse der aktuellen Ausgabe der „Football Money League“ der Beratungsgesellschaft Deloitte. Unter den Top 20 befinden sich mit Bayern München, dem FC Schalke 04, Borussia Dortmund und dem HSV immerhin auch vier deutsche Vereine.

Mit Werder Bremen und dem VFL Wolfsburg preschen nun zwei Vereine der ersten Liga vor und professionalisieren ihre CSR-Aktivitäten. „Ich bin sicher, dass wir als Vorreiter wahrgenommen werden“, zeigt sich Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer selbstbewusst. Denn der Weg dahin war nicht einfach: „Vor allem intern hat sich ein Wandel vollzogen – vom ‚sozialen Klimbim‘ hin zur Akzeptanz unseres Engagements als ein Baustein zur langfristigen Stärkung der Marke Werder Bremen“. Und das lässt sich der Klub etwas kosten, rund eine Millionen Euro werden in die Aktion „Werder bewegt – Lebenslang“ investiert. Fischer ist überzeugt, dass: „Das Thema CSR wird durch Sportvereine glaubwürdiger transportiert als durch Unternehmen“. Mit einer Mannschaft von zehn festangestellten Mitarbeitern sollen die Projekte, Kooperationen und eine Stiftung koordinierte werden, hauptsächlich in den Bereichen Gesundheit, Bewegung, Toleranz und Umwelt. Fischer setzt bei der Umsetzung auf prominente Unterstützer und Kooperationspartner. So wird beispielsweise mit der AOK ein innerbetriebliches Gesundheitsmanagement umgesetzt. Weitere Kooperationspartner will der Verein in den kommenden Jahren gewinnen. Deshalb entwickelt der Club das Thema CSR auch inhaltlich weiter. Talk-Runden mit bestehenden und potenziellen Partnern zu Schwerpunkten der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen sollen den Teilnehmern konkrete Anstöße dazugeben und zur Zusammenarbeit motivieren. Der erste CSR-Talk findet noch vor der Bundesliga-Sommerpause statt. „Gesellschaftliches Engagement heißt auch aktiv Plattformen zu gestalten, damit neue Impulse für Verantwortungsübernahme diskutiert werden können“, so Klaus-Dieter Fischer.

Beim Liga-Rivalen VFL Wolfsburg heißt die CSR-Initiative „Gemeinsam bewegen“. „Diese Initiative wurde gestartet, um die bereits existierenden vielfältigen sozialen und ökologischen Engagements des Vereins besser sichtbar zu machen“, so VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann. „Denn wir wollen“, so Röttgermann weiter, „zukünftig noch mehr bewirken. Wir wollen jeden Einzelnen packen und auffordern mitzumachen. Wir tragen eine Verantwortung gegenüber der Stadt, unserer Region und insbesondere gegenüber den Menschen, die hier leben“. In den vier Schwerpunktbereichen Bildung, Integration, Umwelt und Gesundheit sieht der Verein seine Verantwortung. Im Bereich Umwelt konnte der VFL zwei Kooperationspartner gewinnen, den Hersteller von Solaranlage „zentrasolar“ sowie den den Energiedienstleister LSW. Schon seit einigen Jahren setzt der Verein auf ein Umweltmanagementsystem, im Zuge der Frauen-WM 2011 wurde das System Ökoprofit eingeführt. So wurden durch die vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien CO2-Emissionen erheblich reduziert.

Langsam greift das Thema CSR im deutschen Profifußball um sich. Ende 2011 trafen sich Vereine und Kapitalgesellschaften der 1. und 2. Liga um die gesellschaftliche Verantwortung im Fußball zu diskutieren. Fazit: „Es wurde sehr schnell klar, dass das Thema ‚Gesellschaftliches Engagement‘ bei allen Clubs des Ligaverbandes auf der Agenda steht und teilweise schon ein hoher Professionalisierungsgrad erreicht wurde“, sagte Dr. Anna Lisa Schwarz, stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesliga-Stiftung.

Aktuell werden die Vertreter des deutschen Fußballs erstmal mit einer anderen Frage konfrontiert. Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland sähe es gerne, wenn die Deutsche Nationalmannschaft im Rahmen der diesjährigen Europameisterschaft auch die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Ausschwitz besucht. Wie er gegenüber dem Tagesspiegel sagte, würde ein solcher Besuch mehr bewirken als „tausend Gedenkreden“. Ein Vorschlag, der beim DFB nicht auf ungeteilte Zustimmung traf. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff kann sich zwar den Besuch durch eine Delegation vorstellen, entschieden ist unterdessen noch nichts.

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