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Das kommt mir nicht in die Plastiktüte!

Die EU-Kommission hat ein Gutachten erstellen lassen, wie der Einsatz von Plastiktüten europaweit verringert werden kann. Wie stellt sich der Handel in Deutschland dem Thema Plastiktüte? CSR NEWS hat Handelsketten danach gefragt.

Berlin (csr-news) – Die EU-Kommission hat ein Gutachten erstellen lassen, wie der Einsatz von Plastiktüten europaweit verringert werden kann. Ein Verbot würde angesichts der Regeln des EU-Binnenmarktes und des internationalen Handelsrechts schwierige juristische Fragen aufwerfen, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel (Berlin) in seiner aktuellen Ausgabe. Verboten werden solle aber die unentgeltliche Abgabe: Der Preis solle die Arbeits- und Umweltkosten tragen und immer wieder erhöht werden, damit sich Verbraucher nicht daran gewöhnten. Bis zum Jahr 2020 solle jeder EU-Bürger 39 Plastiktüten pro Jahr verbrauchen – 80 Prozent weniger als 2010. In Europa beschäftigen 275 Plastiktüten produzierende Unternehmen etwa 17.500 Mitarbeiter, so der Spiegel.

Wie stellt sich der Handel in Deutschland dem Thema Plastiktüte? CSR NEWS hat Handelsketten danach gefragt:

Lidl bietet vier Tüten zur Auswahl

An den Kassen der über 3.000 Lidl-Filialen können Kunden zwischen vier verschiedenen Tragetaschen wählen, die alle mehrfach verwendbar sind:

  • Die Zertifizierte (eine ungebleichte und durch den Forest Stewardship Council [FSC] zertifiziert Papiertragetasche aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft – Preis: 0,19 EUR)
  • Die Recycelte (die Kunststoff-Schlaufentragetasche ecoLoop zu mindestens 80 % aus recyceltem Material, mit dem Blauen Engel ausgezeichnet – Preis: 0,10 EUR)
  • Die Langlebige (eine robuste Permanenttragetasche mit gewebter Struktur für „gewichtige“ Einkäufe, zu 100 % recyclingfähig – Preis: 0,99 EUR)
  • Die Faire (eine 100-prozentige Fairtrade-Baumwolltasche, sozialverträglich produziert und biologisch abbaubar – Preis: 1,99 EUR)

Metro: Herausforderung Schwellenländer

Aus Sicht der Metro Group stellt die Entsorgung von Plastikabfällen insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern eine wachsende ökologische Herausforderung dar, da es dort häufig an Entsorgungsinfrastrukturen fehle. Die Großhandelssparte Metro Cash & Carry in Vietnam bietet seit 2007 keine Plastiktüten mehr an. Alternativ kommen dort wiederverwendbare Tragetaschen zum Einsatz. Ähnliches geschieht seit Juni 2009 bei Metro & Cash & Carry in China, wo Kunden heute Taschen aus Baumwolle und Jute oder Pappkartons zur Verfügung stehen. In Pakistan stellte Metro Cash & Carry 2011 auf wiederverwertbare Stofftaschen und Papiertragetaschen aus Reisfasern um. Unter dem Motto „REthink, REduce, REuse“ gaben die dortigen Großmärkte 2011 rund 140.000 Stoffbeutel sowie 90.000 Papiertüten statt gut 964.000 Plastiktüten ein Jahr zuvor an ihre Kunden ab. In den deutschen Metro Cash & Carry-Märkten kommen Plastiktüten ausschließlich für sensible Warengruppen wie Obst, Gemüse und Fisch zum Einsatz. Ansonsten werden den Kunden FSC-zertifizierte Papiertaschen, Klapp-Trageboxen aus Plastik, HACCP Boxen aus Styropor, wiederverwendbaren Tragetaschen und Tragetaschen aus Jute angeboten.

Galeria Kaufhof: Papier und Baumwolle nur bei mehrmaligem Einsatz besser

In einigen Lebensmittelabteilungen hat Galeria Kaufhof die Abgabe von Tragetaschen gegen Gebühr getestet. Dies sei von den Kunden nicht akzeptiert worden, das Unternehmen kehrte auch dort wieder zum kostenfreien Service zurück. Die Unternehmenssprecherin weiter: „Die Tragetaschen sind ein wichtiger Service für die Galeria-Kaufhof-Kunden, um die Ware sicher, trocken und bequem nach Hause zu transportieren.“ Galeria Kaufhof setzt aus recyceltem Kunststoff hergestellte Plastiktüten mit dem Blauen Engel ein. Das Unternehmen verweist auf die Ökobilanz Schweizer Behörden: Erst der mehrmalige Einsatz einer Tragetasche aus Papier oder Baumwolle mache diese im Vergleich zu einer Plastiktüte ökologisch interessant.

Dünneres Plastik und Tests mit Papiertüten

Edeka sowie C&A haben die Stärke der Taschen reduziert, so dass weniger Kunststoff verbraucht wird. Beide Unternehmen bieten ihren Kunden alternativ Baumwolltragetaschen an, Edeka auch Papiertaschen. KiK testet den Einsatz von FSC-zertifizierten Papiertüten zum Preis von 0,30 EUR in zwei Verkaufsgebieten. Die mit dem Blauen Engel gekennzeichneten ecoLoop-Kunststofftüten kosten bei KiK zwischen 0,10 und 0,15 EUR. Für 1 EUR erhält der Kunde eine Jute-Tasche. Kaufland bietet ecoLoop-Tüten in zwei Größen für 0,07 bzw. 0,10 Euro an. Die Tüten von Media Markt und Saturn in Deutschland bestehen zu 80 Prozent aus recyceltem Material und entsprechen den Vorgaben für den Blauen Engel. IKEA setzt keine Plastiktüten ein.

Hier finden Sie Informationen zur biologisch abbaubaren Tüte

Informationen zum Thema „Plastikmüll“ finden Sie hier auf CSR-SEARCH.NET

Die Kritik der Deutschen Umwelthilfe an den Tüten.

(zuletzt aktualisiert am 19.04.12, 13:15h)

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