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Integrierte Berichterstattung – das ewige Zukunftsmodell

Der klassische Geschäftsbericht und die davon isolierte CSR-Berichterstattung gehören in den Augen des International Integrated Reporting Committee (IIRC) bald der Vergangenheit an. Integrierte Berichterstattung heißt der Trend, der zu einem grundlegenden Wandel der Unternehmensberichterstattung führen könnte. Doch was genau steckt dahinter?

Hamburg (csr-service) – Der klassische Geschäftsbericht und die davon isolierte CSR-Berichterstattung gehören in den Augen des International Integrated Reporting Committee (IIRC) bald der Vergangenheit an. Integrierte Berichterstattung heißt der Trend, der zu einem grundlegenden Wandel der Unternehmensberichterstattung führen könnte. Doch was genau steckt dahinter?

Von Miriam Strauss, Kirchhoff Consult AG

Fakt ist, dass der Marktwert und der Buchwert von Aktien immer weiter auseinanderklaff en, weil finanzielle Daten eben nicht alleine fähig sind, ein Unternehmen vollständig in seinem Wert und seiner Qualität zu erfassen. Gleichzeitig wird eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor. Dem wird die gängige Berichterstattung kaum gerecht – zu viele Interdependenzen bleiben ausgeblendet oder werden nicht ausreichend erfasst. Als Heilsbringer erschien vor wenigen Jahren die Idee der integrierten Berichterstattung auf der Berichtsbühne: Sie sollte die Lücken in der Berichterstattung schließen und ein grundlegendes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen finanziellen und nachhaltigen Leistungen eines Unternehmens schaff en, indem sie in einem gemeinsamen Bericht veröffentlicht werden.

Der Wert der Nachhaltigkeit

Eine Studie vom pwc aus dem Jahr 2010 verdeutlicht den nach wie vor bestehenden Bedarf an einer Weiterentwicklung der gängigen Berichterstattung. Laut Studie zeigen nur 15 Prozent der untersuchten Unternehmen den Zusammenhang zwischen CSR-Themen und ihrer Unternehmensstrategie auf. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass 85 Prozent der untersuchten Unternehmen die Nachhaltigkeitsberichterstattung immer noch als unabhängige Insel jenseits der Finanzberichterstattung betrachten. Dabei werden gerade jene Informationen immer wichtiger, die zeigen, wie ein Unternehmen Wert und Werte schafft. Eine Studie der Vereinten Nationen und der Unternehmensberatung Accenture aus demselben Jahr bestätigt, dass diese Tatsache am Markt erkannt ist. 93 Prozent der befragten Unternehmensleiter gaben an, dass Nachhaltigkeit ihren jeweiligen Unternehmenserfolg wesentlich beeinflusst und diesen auch künftig wesentlich beeinflussen wird. Im Gegensatz dazu werden in der Praxis eher selten Konsequenzen für die Berichterstattung gezogen.

Transparenzzuwachs

Dabei würde die integrierte Berichterstattung dem Unternehmen in der Umsetzung viele Vorteile bieten. Der Zuwachs an Transparenz schafft Glaubwürdigkeit und Vertrauen bei den Stakeholdern, und auch Analysten haben durch die komprimierte Darstellung einen Mehrwert an Informationen. Bestenfalls könnte dieser Umstand Investitionen in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen fördern. Die Verknüpfung der bisher getrennten Datensätze bietet jedoch nicht nur mehr Transparenz nach außen, sondern schafft auch intern viele strategische Vorteile: Auch auf Unternehmensseite entsteht ein besserer Überblick über die vorhandenen Ressourcen, Kostensenkungspotenziale werden offengelegt. Auch für das Risikomanagement ist die ganzheitliche Betrachtung der Unternehmensperformance essentiell, da alle Einflussfaktoren auf die Unternehmensentwicklung identifiziert werden können.

Hürdenlauf in der Durchsetzung

Auf der anderen Seite ist die Umsetzung eines integrierten Berichts, der nicht einfach nur Datensätze zusammenfügt, sondern einen informativen Mehrwert schafft, bisher leichter gesagt als getan. Eine der größten Herausforderungen stellt sicherlich die Tatsache dar, dass der Finanzteil nach internationalen Vorschriften rechtlich testiert wird, wohingegen es bei der CSR-Berichterstattung zwar unterschiedliche Richtlinien, aber keine international anerkannten Vorschriften gibt. Auch stellt sich grundsätzlich die Frage, welche Möglichkeiten der Verknüpfung von Nachhaltigkeitsengagement und Finanzdaten es gibt. Ebenso bleibt die Frage nach Vergleichbarkeit offen, da die relevanten CSR-Kennzahlen branchenbedingt stark divergieren und oft unternehmensspezifisch definiert werden. Auch in der operativen Umsetzung ist ein geballter Arbeitsaufwand unabwendbar, wenn Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten am selben Stichtag bereitstehen müssen.

Einige Unternehmen haben den Schritt zu integrierter Berichterstattung gewagt. Vorreiterberichte aus dem deutschen Raum, wie etwa BASF, hadern noch mit einer komprimierten Darstellung der Daten und dem Anspruch auf Vollständigkeit: Wenn CSR und Finanzdaten zu stark gekürzt werden, damit der Berichtsumfang insgesamt nicht explodiert, besteht die Gefahr, dass wichtige Zusammenhänge unter den Tisch fallen. Auf der anderen Seite ist die vollständige Informationsmenge für den Leser nicht erfassbar und einem transparenten Reporting eher abträglich. Die Lösung dieses Dilemmas liegt im Wechsel des Mediums: Im Print-Bericht sollen nur die wesentlichen Daten zu finden sein, wohingegen die vollständigen Daten im Netz stakeholderspezifisch aufbereitet werden. Außerdem gestaltet sich die inhaltliche Verknüpfung der Daten noch recht schwierig: In den Unternehmen fehlt häufig die Expertise, um die Zusammenhänge zwischen Finanz- und CSR-Daten zu erfassen. Viele der als „integriert“ deklarierten Veröffentlichungen sind momentan bloße Aneinanderreihungen der zwei Datenblöcke. Trotz einiger Startprobleme und der Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis treiben die bisher veröffentlichten Berichte die Praktikabilität voran und sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Zukunftsmodell rückt in die Gegenwart

Neben den Vorreiter-Unternehmen selbst gibt es in der Unternehmenspraxis bereits zahlreiche interdisziplinäre Initiativen, die seit längerem nach Verbesserungswegen suchen. In Deutschland drängt das Bilanzreformgesetz dazu, nichtfinanzielle Leistungsindikatoren zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelangen anzuführen, soweit sie für den Geschäftsverlauf relevant sind (§ 289 und § 315 HGB). Auch international sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Beispielsweise verpflichtet Dänemark seine Großunternehmen, nichtfinanzielle Daten in den Geschäftsbericht zu integrieren. In Südafrika ist die Veröffentlichung eines integrierten Berichts seit März 2010 sogar für alle am Johannesburg Stock Exchange gelisteten Unternehmen verpflichtend. In Europa sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Damit rückt das ewige Zukunftsmodell langsam in die Gegenwart.

Die vielen offenen Baustellen zeigen, wie jung diese Form der Berichterstattung ist. Welche der möglichen Herausforderungen sich in Zukunft als klare operative Vor- oder Nachteile erweisen, wird seit Oktober 2011 in einem auf zwei Jahre vom IIRC initiierten Pilotprojekt getestet. Letztendlich, so die Hoffnung der Initiatoren, könnte die Einführung der integrierten Berichterstattung zu einer Bewusstseinsänderung sowohl bei Unternehmen als auch Investoren führen. Dies geschieht sicherlich nicht von heute auf morgen. In welchem Tempo sich die integrierte Berichterstattung weiterentwickelt, ist nicht absehbar. Langfristig könnte die integrierte Berichterstattung jedoch ein Weg sein, die Grenze zwischen Stake- und Shareholdern aufzulösen und den eigenen Blickwinkel für andere Perspektiven zu öffnen.

IIRC
Das IIRC ist ein global agierendes, interdisziplinäres Netzwerk, das im August 2010 gegründet wurde. Die Mitgliederliste ist vielfältig: von Unternehmen, über Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bis hin zu Organisationen wie der Global Reporting Initiative (GRI) oder dem International Accounting Standards Board (IASB). Ziel des Gremiums ist es, ein Rahmenkonzept und praxisnahe Leitlinien für die Umsetzung der integrierten Berichterstattung zu entwickeln. Dafür wurde am 12. September 2011 ein Diskussionspapier herausgegeben, das im Diskurs mit allen Interessierten schrittweise verfeinert werden soll. Unterstützend startete im Herbst 2011 auch ein erstes Pilotprogramm in der Praxis.

TEXT miriam.strauss@kirchhoff.de

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