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Hohe Gehaltsunterschiede bei Akademikerinnen und Akademikern

Auch bei Arbeitnehmern mit Hochschulabschluss gibt es einer Studie zufolge extreme Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern. Im Schnitt verdienten Akademikerinnen 21,5 Prozent weniger als männliche Kollegen. Die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern nähmen dabei mit dem Alter der Beschäftigten zu.

Düsseldorf (afp) – Auch bei Arbeitnehmern mit Hochschulabschluss gibt es einer Studie zufolge extreme Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern. Im Schnitt verdienten Akademikerinnen 21,5 Prozent weniger als männliche Kollegen, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in Düsseldorf mit. Die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern nähmen dabei mit dem Alter der Beschäftigten zu und fielen je nach Berufsfeld extrem unterschiedlich aus.

Das WSI befragte für die Untersuchung 10.200 Beschäftigte. Die Studie wurde anlässlich des sogenannten “Equal Pay Day” am Freitag veröffentlicht, einem internationalen Aktionstag im Kampf für die Gleichbezahlung von Frauen und Männern. Angaben des Statistischen Bundesamtes von Mittwoch zufolge verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer.

Frauen mit einem Universitäts-Diplom etwa verdienten pro Monat 1056 Euro weniger als Männer, die auf ein durchschnittliches Bruttogehalt von 4590 Euro je Monat kämen, teilte das WSI mit. Mit Master-Abschluss verdienten Frauen 703 Euro weniger als Männer, deren Gehalt sich im Schnitt auf 4530 Euro belaufe. Bei einem Bachelor-Abschluss betrage der Unterschied 618 Euro – bei einem Monatsgehalt von 3641 Euro für Männer. Frauen mit Doktortitel verdienten 663 Euro weniger als Männer mit durchschnittlichem Bruttogehalt von 5342 Euro.

Der Gehaltsunterschied in frühen Berufsjahren zwischen einem Alter von 25 und 30 Jahren belaufe sich auf 15,2 Prozent, teilte das WSI mit. Frauen zwischen 36 und 40 Jahren bekämen 18,4 Prozent weniger als Männer. Beschäftigte zwischen 46 und 50 Jahren erhielten eine 25,3 Prozent geringere Bezahlung als männliche Kollegen.

Bei Informatikerinnen sei die Gehaltslücke zu den Männer mit einer Differenz von vier Prozent vergleichsweise klein, teilte das WSI mit. Deutlich größer sei der Unterschied etwa bei Diplomkaufleuten mit 14 Prozent, bei Sozialwissenschaftlern mit 15 Prozent oder Physikern mit 24 Prozent.

Politiker und Gewerkschaftsvertreter forderten die Bundesregierung zum “Equal Pay Day” erneut zum Handeln auf. Es brauche ein Gesetz, das Unternehmen dazu verpflichte, “Ungleichheit bei den Verdiensten zu beseitigen”, erklärte Christiane Brenner, Vorstandsmitglied der IG Metall. Die Bundesregierung habe die Pflicht, entsprechende europäische Vorgaben in nationales Recht umzusetzen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Ekin Deligöz, und Arbeitsmarktexpertin Beate Müller-Gemmeke forderten von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), aktiv zu werden. Statt auf die Freiwilligkeit der Unternehmen zu setzen, müsse Schröder “ein Gesetz vorlegen, das die Entgeltdiskriminierung von Frauen wirksam verhindert”, erklärten die Politikerinnen.

Schröder selbst forderte eine “Debatte darüber, welche Rolle faire Chancen und faire Bezahlung für Frauen (…) in den Tarifverhandlungen spielen”. Wer Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern verringern wolle, müsse bei den Ursachen für die Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt ansetzen, erklärte die Unionspolitikerin.