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Zukunftsfähig: Die Tragetüte für den Biomüll

Die EU-Kommission will den Einsatz von Plastiktüten im Handel deutlich reduzieren. Wie stellen sich Unternehmen ihrer Verantwortung für den Umweltschutz? Eine Antwort der Unternehmensgruppe Aldi Süd ist der Einsatz biologisch abbaubarer Tüten.

Mülheim an der Ruhr/ Ludwigshafen (csr-news) – Die EU-Kommission will den Einsatz von Plastiktüten im Handel deutlich reduzieren. Wie stellen sich Unternehmen ihrer Verantwortung für den Umweltschutz? Eine Antwort der Unternehmensgruppe Aldi Süd ist der Einsatz biologisch abbaubarer Tüten.

Die „grünen Tüten“ sind für 39 Cent an der Kasse zu haben und bestehen aus vollständig kompostierbaren Biofolien. Die reißfeste und wasserbeständige Tragetasche wird mit Biowasserfarben bedruckt und fühlt sich genauso an wie eine gewöhnliche Plastiktüte aus Kunststoff. Sie kann mehrfach verwendet werden – Zuhause etwa zum Sammlung von Bioabfällen. Speiseabfälle und Tüte verrotten auf dem Kompost gemeinsam. Hergestellt wird die Tragetasche zu einem großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen wie beispielweise Mais.

Nach Ansicht von Michael Herrmann, Pressesprecher des Verbandes PlasticsEurope Deutschland, ist der Einsatz von bioabbaubaren Kunststoffen interessant, wenn die Produkte im Erdreich oder im Bioabfallstrom wirtschaftlichen oder ökologischen Nutzen bringen. Weder das Kriterium „biologisch abbaubar“ noch die biologische Rohstoffbasis seien jedoch Synonyme für Umweltvorteile. Die biologische Abbaubarkeit löse das Problem der Vermüllung von Landschaften nicht. Herrmann: „Kompostierbare Kunststoffe könnten das ‚Littering‘-Problem unter Umständen sogar verschärfen, nämlich dann, wenn der Verbraucher fälschlich unterstellt, dass dieser Kunststofftyp rasch wieder aus der Umwelt verschwindet, und sich entsprechend sorglos verhält.“ Selbst nach DIN EN 13432 genormte, bioabbaubare Werkstoffe brauchten jedoch Wochen, um zu verrotten.

Grundstoffe für biologisch abbaubare Tüten werden bei dem Chemiekonzern BASF hergestellt. CSR NEWS fragte Jens Hamprecht, Strategie- und Innovationsmanagement bioabbaubare Kunststoffe bei BASF, nach den Eigenschaften der biologisch abbaubaren Kuststoffe. Die Fragen stellte Achim Halfmann

CSR NEWS: Aus welchem Material werden biologisch abbaubare Tüten hergestellt und welche Eigenschaften zeichnen sie aus?

Jens Hamprecht: Kompostierbare Tragetaschen sind aus biologisch abbaubarem Kunststoff hergestellt. Biologisch abbaubare Kunststoffe können sowohl aus fossilen Rohstoffen als auch – vollständig oder teilweise – aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Im letzteren Fall spricht man zusätzlich von biobasierten Kunststoffen. Biobasierte Polymere, die vollständig oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind, müssen allerdings trotz ihrer Herkunft nicht unbedingt biologisch abbaubar sein.

BASF bietet sowohl Kunststoffe, die bioabbaubar sind (Ecovio®/Ecoflex®), als auch Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe an. Ecoflex ist ein vollständig biologisch abbaubarer Kunststoff auf petrochemischer Basis (Erdöl). Ecovio besteht aus Ecoflex und der auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Polymilchsäure (PLA) und ist ebenfalls vollständig bioabbaubar.

Konventionelle Kunststofftragetaschen werden hauptsächlich aus Polyethylen hergestellt – einem Kunststoff, der von BASF nicht produziert wird. Aus den bioabbaubaren Kunststoffen der BASF – Ecovio und Ecoflex – können aber auch Taschen hergestellt werden, die gemäß internationalen Normen wie die europäische Norm EN 13432 und die US-amerikanische Norm ASTM D4600 vollständig kompostierbar sind. Einige große Handelsketten wie z.B. Aldi bieten bereits solche Einkaufstüten an. Sie sind so stabil, dass sie mehrfach zum Einkaufen benutzt werden können.

In welchem Umfang werden sie derzeit produziert?

BASF produziert den Rohstoff, also das Kunststoffgranulat, für die Herstellung von Kunststofftragetaschen. Die derzeitige Produktionskapazität für den bioabbaubaren Kunststoff Ecoflex, liegt bei 74.000 Tonnen pro Jahr. Diese Menge geht allerdings nicht nur in die Herstellung von Tragetaschen, sondern auch in andere Produkte wie Mulchfolien für die Landwirtschaft und Bioabfallbeutel.

Wie funktioniert die Kompostierung?

BASF setzt sich dafür ein, dass bioabbaubare Kunststoffe in Anwendungsbereichen verwendet werden, wo die Abbaubarkeit signifikante ökologische oder ökonomische Vorteile bietet. So tragen zum Beispiel biologisch abbaubare Kunststoffe bei Verwendung als Bioabfallsäcke zur sauberen Trennung und Sammlung von organischen Abfällen bei. Damit kann der organische Anteil an Deponiemüll und Emissionen von Treibhausgasen reduziert werden. Die Materialien werden in industriellen Kompostieranlagen entsorgt, da die Abbaugeschwindigkeit stark von Bedingungen wie Temperatur und Feuchtigkeit abhängt.

Nach ihrer Nutzung als Tragetaschen lassen sich Tüten aus bioabbaubarem Kunststoff, sofern das in der entsprechenden Gemeinde befürwortet wird, als Bioabfalltüte im Haushalt verwenden und für die Entsorgung von Bioabfällen in der Biotonne nutzen. Ähnlich wie der Bioabfall selbst wird Ecovio im Kompostierwerk von Mikroorganismen mit Hilfe von Enzymen abgebaut. Entscheidend für diesen Abbau ist nur die Struktur der Moleküle und nicht die Herkunft der Rohstoffe. Am Ende der Kompostierung haben die Mikroorganismen die Tüten vollständig zu Kohlendioxid, Wasser und Biomasse umgesetzt.

Wie lange braucht der Verfall und was bleibt an Abfallstoffen übrig?

Die Tragetaschen werden im Kompostierwerk zusammen mit dem übrigen Bioabfall zu Kompost, Kohlendioxid und Wasser. Die Dauer hängt vom Verfahren ab, das im jeweiligen Kompostierwerk angewendet wird. In einem Pilotversuch in Bad Dürkheim 2011 mit bioabbaubaren Mülltüten aus Ecovio konnten bereits nach drei Wochen im zuständigen Biokompostwerk Grünstadt keine Reste der Ecovio-Folie mehr im Kompost gefunden werden.

Die Produktentwicklung wird weitergehen: An welchen Verbesserungen arbeiten Sie?

Wir erwarten, dass die Technologien in der Abfallwirtschaft in den kommenden Jahren große Fortschritte erzielen werden. Beispielsweise wird die Verarbeitung von Bioabfällen zur Produktion von hochwertigem Kompost in wenigen Wochen gelingen. Wir bereiten uns darauf vor und werden dem Markt Kunststoffe bieten, die in der industriellen Kompostierung noch schneller vollständig abbauen.

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Weitere Informationen zum Thema „Plastikmüll“ finden Sie hier auf CSR-SEARCH.NET

Die Kritik der Deutschen Umwelthilfe an den Tüten.

(aktualisiert am 19.04.12 um 13:00 h)

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