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Hunger stillen statt Sinnloses anpreisen – Nachhaltigkeitstreff mit Sina Trinkwalder

Der Appell für ein bedeutungsvolles Wirtschaften stand im Mittelpunkt des 2. Düsseldorfer Nachhaltigkeitstreffs. „Ich möchte Hunger stillen und nicht mehr Appetit auf Sinnloses machen“, sagte die Gründerin und Geschäftsführerin der Augsburger manomama GmbH, Sina Trinkwalder. Sinnhaft ist für die manomama-Gründerin ein regional verankertes, transparentes Wirtschaften, das Menschen vom Rand der Gesellschaft in deren Mitte holt und überzeugende Produkte anbietet.

Düsseldorf (csr-news) – Der Appell für ein bedeutungsvolles Wirtschaften stand im Mittelpunkt des 2. Düsseldorfer Nachhaltigkeitstreffs am 27. März. „Ich möchte Hunger stillen und nicht mehr Appetit auf Sinnloses machen“, sagte die Gründerin und Geschäftsführerin der Augsburger manomama GmbH, Sina Trinkwalder. In der Werbebranche hatte sie nach eigenen Worten gutes Geld verdient. Nach der Geburt ihres Sohnes stellte sich der Unternehmerin die Sinnfrage. Trinkwalder fürchtete, ihr Sohn könne sie eines Tages fragen: „Sag mal, was hast Du denn für einen Scheiß gemacht?“

Sinnhaft ist für die manomama-Gründerin ein regional verankertes, transparentes Wirtschaften, das Menschen vom Rand der Gesellschaft in deren Mitte holt und überzeugende Produkte anbietet. Trinkwalders Textilunternehmen ist ein Social Business, das Frauen nach der Familienphase und häufig nach längerer Arbeitslosigkeit den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglicht. Dieses Konzept findet nicht nur Anerkennung. „Wenn Sie ein soziales Unternehmen gründen, haben Sie mit Vorwürfen wie Behindertenwerkstatt und Wohlfahrtsamt zu kämpfen“, sagte die 34-Jährige. Ein Großauftrag ging an ihr vorbei, weil der Auftraggeber fürchtete, in der geschäftlichen Beziehung zu einem solchen Unternehmen den Preis nicht ohne öffentliche Proteste weiter drücken zu können. Über 50 Mitarbeiterinnen zählt manomama heute. Für das Textilunternehmen sind außer den Näherinnen auch selbständige Außendienstmitarbeiterinnen im Direktvertrieb tätig – zu fairen und transparenten Bedingungen, wie die Geschäftsführerin betont.

„Ich kam von der sozialen Schiene, Frauen wieder in den Job zu bringen, und entstanden ist das einzige echte Öko-Label.“ Trinkwalder fehlt es nicht an Überzeugung vom eigenen Projekt und sie spart nicht mit Kritik an der Textilbranche. Auch an der, die mit Nachhaltigkeitsanspruch daher kommt. Am Anfang ihrer Karriere in der Textilbranche stand die Erkenntnis, „dass wir Sondermüll tragen und Sondermüll produzieren.“ An Biobaumwolle lässt der Gast aus Augsburg kaum ein gutes Haar. Beim Anbau auf kleinen Parzellen in Indien würden die Biobaumwollfelder gleich mit vom Pestizidflugzeug überflogen und besprüht. Von Indien wandere die Wolle in eine Weberei mit Billiglöhnen nach Pakistan, von dort weiter zum Konfektionieren nach Kambodscha oder Indonesien. Und abschließend lande die so produzierte Jeanshose zur Sandbestrahlung, zum Bimsen und Ätzen in der Türkei. Trinkwalder: „Da haben wir schon 64.000 Kilometer auf der Jeans.“ Zudem erlaube selbst der internationale Bio-Textilstandard GOTS (Global Organic Textil Standard), dass die damit ausgezeichnete Hose einen begrenzten Synthetikanteil enthalte.

Anders bei manomama: Hier sei alles bio, hochwertig und nachhaltig in regionalen Betrieben verarbeitet. Die Baumwolle stamme aus großflächigem nachhaltigem Anbau in der Türkei. Kunden seien eingeladen, manomama und seine Zulieferer zu besuchen und sich ein eigenes Bild von deren Produktionsweise zu machen.

„Wie startet man ein solches soziales und öko-faires Unternehmen?“, wollen Veranstaltungsteilnehmer in der anschließenden Diskussion wissen. Das braucht Kapital und langen Atem, weiß Trinkwalder. Das Kapital hole man am besten nicht von der Bank, sondern man arbeite vorher 15 Jahre hart und erfolgreich. Die Textilunternehmerin deutet an, eine siebenstellige Summe in ihr 2010 gegründetes Unternehmen investiert zu haben. Zum Durchhaltevermögen sagt Trinkwalder: „In den nächsten drei Jahren machen wir auch eine schwarze Zahl.“

Ein Erfolgsrezept der vom Rat für Nachhaltige Entwicklung zum „Social-Entrepreneur 2011“ Ausgezeichneten liegt darin, ihren Kunden- und Freundeskreis über Social Media zu pflegen und an unternehmerischen Entscheidungen zu beteiligen. Im Internet mit Twitter und Facebook klagte Trinkewalder andere Textilhersteller der fehlenden Nachhaltigkeit an und überzeugte ihre Kunden von den hohen Standards der eigenen Angebote.

Etwa 95 Gäste erlebten den Vortrag und die Diskussion mit der Pionierin des nachhaltigen Wirtschaftens mit. Der Düsseldorfer Nachhaltigkeitstreff will nachhaltige Unternehmen, Zivilgesellschaft und Verwaltung miteinander vernetzten und so die regionale Nachhaltigkeit stärken. Vier weitere Veranstaltungen sind für dieses Jahr geplant.

Der Düsseldorfer Nachhaltigkeitstreff im Internet:
nachhaltigkeitstreff.de