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Minijobs: Millionen Frauen droht Altersarmut

Rund 4,65 Millionen Frauen arbeiten derzeit in einem Minijob, womit ein erhöhtes Risiko auf Altersarmut verbunden ist. Aus der Tätigkeit in einem Minijob über ein Jahr hinweg ergebe sich derzeit ein monatlicher Rentenanspruch von 3,11 Euro. Der Sozialverband VdK forderte einen Stopp der Entwicklung, dass Unternehmen zunehmend Vollzeitstellen in Minijobs aufspalten.

Berlin (afp) – Millionen berufstätigen Frauen in Deutschland droht nach Angaben der Bundesregierung Armut im Alter. Rund 4,65 Millionen Frauen arbeiten derzeit in einem Minijob, womit ein erhöhtes Risiko auf Altersarmut verbunden ist, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht. Sozialverbände und Parteien forderten, das Ausufern von Minijobs zu begrenzen.

7,4 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Stelle auf 400-Euro-Basis, für die sie keine Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht. Der Anteil aller Frauen an diesen Minijobbern beträgt demnach fast zwei Drittel (62,9 Prozent). Für 70 Prozent der Minijobberinnen ist die geringfügige Beschäftigung die einzige bezahlte Arbeit. Die Arbeitgeber müssen dafür jedoch nur eingeschränkt Beiträge an die Sozialversicherungen zahlen.

Aus der Tätigkeit in einem Minijob über ein Jahr hinweg ergebe sich derzeit ein monatlicher Rentenanspruch von 3,11 Euro, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Bei einer Beschäftigungsdauer von 45 Jahren würde sich demnach auf Grundlage der heutigen Werte ein Rentenanspruch von 139,95 Euro im Monat ergeben.

Etwas höher liegen die Rentenansprüche den Angaben der Bundesregierung zufolge, wenn Minijobber den pauschalen Rentenbeitrag des Arbeitgebers in Höhe von 15 Prozent auf die derzeit allgemein geltenden 19,6 Prozent aufstocken. Nach 45 Versicherungsjahren beträgt der Rentenanspruch demnach dann 182,70 Euro. Aus einem Jahr geringfügiger Beschäftigung würde dann ein monatlicher Rentenanspruch von gut vier Euro entstehen.

Die Regierungskoalition plant, dass Minijobber künftig automatisch den Rentenbeitrag des Arbeitgebers aufstocken, wenn sie nicht ausdrücklich darauf verzichten. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Geringverdienern zudem von 2013 an mit der sogenannten Zuschussrente helfen. Die Zuschussrente sieht vor, dass ältere Menschen mit geringen Rentenansprüchen einen staatlichen Zuschuss für ihre Altersbezüge erhalten, sodass deren Altersbezüge auf bis zu 850 Euro steigen.

Die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Yvonne Ploetz, erklärte angesichts der Antwort der Bundesregierung, Minijobs seien „für Millionen von Frauen eine sichere Fahrkarte in die Altersarmut“. Die Bundesregierung müsse handeln und einen allgemeinen Mindestlohn einführen. Der Staat dürfe Minijobs in Zukunft nicht mehr fördern.

Ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte jedoch davor, die Antwort auf die Anfrage der Linksfraktion überzuinterpretieren. Die enthaltenen Angaben zur Altersarmut von Frauen unterstellten eine 45-Jährige Tätigkeit in einem Minijob. In der Realität sähen Erwerbsbiografien jedoch anders aus.

Die SPD-Vize-Fraktionschefin im Bundestag, Elke Fenner, hingegen kritisierte, von der Leyen leiste Minijobs mit ihrer Politik weiter Vorschub, da sie die Geringfügigkeitsgrenze von 400 auf 450 Euro anheben wolle. Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothemer forderte, diese Anhebung zu stoppen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sprach sich erneut für eine Abschaffung von Minijobs aus, die in der Branche weit verbreitet sind. Der Sozialverband VdK forderte einen Stopp der Entwicklung, dass Unternehmen zunehmend Vollzeitstellen in Minijobs aufspalten.

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