Nachrichten

Leck an evakuierter Gasplattform geortet – Veröffentlichung der Notfallpläne gefordert

Nach Tagen ist es gelungen, das Leck an einer Gasplattform in der Nordsee zu orten: Das Gas steige aus einer Quelle in 4000 Metern Tiefe unter dem Meer auf und ströme durch ein Bohrloch auf der Plattform, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns Total. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte, die Notfallpläne von Bohrinseln grundsätzlich offenzulegen.

London (afp) – Nach Tagen ist es gelungen, das Leck an einer Gasplattform in der Nordsee zu orten: Das Gas steige aus einer Quelle in 4000 Metern Tiefe unter dem Meer auf und ströme durch ein Bohrloch auf der Plattform, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns Total am Donnerstag. Experten prüfen die Möglichkeiten, das Leck zu verschließen.

Das Leck liege in 4000 Metern Tiefe unter dem Meer in einer vor einem Jahr verschlossenen Quelle, sagte der Total-Sprecher. Es steige durch das Bohrloch auf und trete an der Bohrlochmündung an der Plattform aus. Total erwäge nun, die Quelle von oben mit Schlamm zu verschließen. Dazu müsste jedoch ein Technikerteam auf die evakuierte Plattform fliegen, die derzeit von einer tief liegenden Gaswolke umgeben ist.

Oberhalb der Plattform brannte am Donnerstag weiterhin eine Gasfackel. Experten warnen vor einer drohenden Explosion, wenn das durch das Leck austretende Gas mit der Flamme in Kontakt kommt. Total betonte, die Explosionsgefahr sei gering, da der Wind das Gas von der Fackel fortwehe. Die Gasfackel werde vermutlich noch einige Tage brennen, bis “alles Gas aus dem System” verbrannt sei. Die Lage sei “stabil”, sagte der Sprecher.

Außerhalb des Sperrgebiets um die Gasplattform stehen für den Notfall zwei Löschschiffe bereit. Ein weiteres Schiff ist mit einem Unterwasser-Roboter ausgestattet, der mit einer Kamera das Leck an der Plattform untersuchen soll. Noch steht aber nicht fest, wann er zum Einsatz kommen soll.

Neben dem Verschließen der Gasquelle durch Schlamm – dem sogenannten Kill – prüft Total zwei weitere Optionen. Möglich sei, dass der Gasaustritt von selbst versiege, sagte ein Sprecher. Alternativ könne ein Entlastungsloch gebohrt werden. Dies könnte jedoch bis zu sechs Monate dauern. Ein Expertenteam ist inzwischen in Schottland gelandet.

Der Börsenwert von Total sank seit Bekanntwerden des Lecks um acht Milliarden Euro. Am Donnerstagnachmittag lag der Aktienkurs um 8,5 Prozent unter dem Wert vom Montag. Das Gasleck an der Plattform Elgin PUQ rund 250 Kilometer vor der Ostküste Schottlands war am Sonntag entdeckt worden. Mehr als 300 Arbeiter mussten von Elgin und zwei Förderanlagen in der Umgebung in Sicherheit gebracht werden.

Die schottische Regierung erklärte, bisher gebe es keine Hinweise auf Umweltschäden durch das Gasleck. Der SPD-Europaabgeordnete Matthias Groote forderte, die EU müsse sich rasch auf einheitliche und schärfere Sicherheitsstandards bei der Öl- und Gasförderung in EU-Gewässern einigen. Die Gefahr von Katastrophen wachse, da die Offshore-Förderung immer mehr zunehme.

Greenpeace fordert mehr Transparenz

Die Umweltorganisation Greenpeace hat den Betreiber der havarierten Bohrinsel in der Nordsee zu mehr Transparenz aufgefordert. Der Energiekonzern Total müsse erklären, wie viel Gas sich noch in dem Reservoir unter der Plattform befinde und was damit geschehen solle, sagte der Greenpeace-Experte und Meeresbiologe Jörg Feddern am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Es sei nicht akzeptabel, das Gas wie derzeit erwogen einfach weiter ausströmen zu lassen, da dies Umwelt und Klima belaste.

Feddern forderte, die Notfallpläne von Bohrinseln grundsätzlich offenzulegen. Dies würde erlauben, dass unabhängige Experten sie bewerten und eventuell nachbessern könnten, sagte der Meeresbiologe. Das betroffene Erdölfeld sei ein “schwieriges Ölfeld” mit “extrem hohen Drücken, extrem hohe Temperaturen”. Die Notfallpläne müssten entsprechen ausgerichtet sein. Feddern nannte es “verwunderlich”, dass an der Abfackelungsanlage der Plattform noch immer eine Flamme brenne. Damit bestehe weiterhin ein Explosionsrisiko.

Das Gasleck an der rund 250 Kilometer vor der Ostküste Schottlands gelegenen Bohrplattform Elgin PUQ war am Sonntag entdeckt worden. Mehr als 300 Arbeiter mussten deshalb in Sicherheit gebracht werden. Experten warnen vor einer drohenden Explosion, wenn das durch das Leck austretende Gas mit der Fackel an der Spitze der Förderplattform in Kontakt kommt. Mit der Fackel wird normalerweise überschüssiges Gas über der Plattform verbrannt.