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Fair Labor Association überprüft Apple-Zulieferer Foxconn

Experten der Arbeitsrechtsorganisation Fair Labor Association (FLA) haben über einen Zeitraum von mehreren Wochen die Arbeitsbedingungen in den Fabriken des Apple-Zulieferes Foxconn überprüft und gravierende Mängel festgestellt. Inzwischen kündigte Foxconn-Chef Terry Gou gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Gehältern an.

Washington (csr-news) > Experten der Arbeitsrechtsorganisation Fair Labor Association (FLA) haben über einen Zeitraum von mehreren Wochen die Arbeitsbedingungen in den Fabriken des Apple-Zulieferes Foxconn überprüft und gravierende Mängel festgestellt. Inzwischen kündigte Foxconn-Chef Terry Gou gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Gehältern an.

Wenige Tage, nachdem Apple-Chef Tim Cook sich selbst von den Arbeitsbedingungen bei Foxconn überzeugte, legte die FLA ihren Bericht vor. Im Februar haben die Experten der FLA auf Bitten von Apple mit der Überprüfung begonnen. Erst im Januar wurde Apple als erstes Technologieunternehmen zur FAL zugelassen. Die Foxconn-Fabriken, in denen u.a. Apples iPad und iPhone produziert werden, standen immer wieder in der Kritik unter anderem 2010 als mehrere Beschäftigte Selbstmorde begingen. In insgesamt drei Fabriken wurden die Untersuchungen durchgeführt und dabei mehr als 35.000 Mitarbeiter befragt. Die Befragungen beinhalteten sowohl die Arbeitsbedingungen inklusive der Arbeitsschutzmaßnahmen als auch die privaten Lebensbedingungen der Beschäftigten. FLA bemängelte unter anderem die Arbeitszeiten an den drei Standorten. Sowohl die Arbeitszeiten nach dem FLA-Kodex von 60 Arbeitsstunden als auch die in China erlaubten 40 Stunden plus maximal 36 Überstunden wurden überschritten. In Spitzenzeiten arbeiteten alle Mitarbeiter mehr als 60 Stunden die Woche, einzelne sogar an sieben Tagen pro Woche. Daraufhin hatte Foxconn zugesichert, bis spätestens Juli 2013 die Arbeitszeiten an die gesetzlichen Standards anzupassen.

Den Einkommensverlust durch die reduzierte Arbeitszeit will Foxconn ausgleichen. Dies bekräftigte Foxconn-Chef Terry Gou am Wochenende gegenüber Reuters und stellte den Beschäftigten höhere Gehälter in Aussicht – immerhin 64 Prozent der Arbeiter bemängelten gegenüber der FLA die Einkommen als nicht existenzsichernd. Um die Kapazität in den Werken zu erhalten, sollen weitere Mitarbeiter eingestellt werden, und werden weitere Produktionsanlagen errichtet. Die FLA-Überprüfung ergab auch einen ungerechten Überstundenausgleich für rund 14 Prozent der Beschäftigten. Danach wurden Überstunden erst nach einer vollendeten halben Stunde ausgezahlt – 29 Minuten Mehrarbeit führten demnach zu keiner Bezahlung. Auch hier verpflichtete sich Foxconn zukünftig zu einer fairen Bezahlung der Überstunden und zu einem rückwirkenden Ausgleich unbezahlter Mehrarbeit.

Wesentliche Probleme erkannt die FLA auch im Zusammenhang mit dem Arbeitsschutz. Bislang wurden bei Foxconn nur Unfälle registriert, die zu einem Produktionsstopp führten. Die tatsächlichen betriebsbedingten Unfälle überstiegen die registrierten Fälle bei Weitem. Mehr als 43 Prozent der Arbeiter berichteten, Unfälle selbst erlebt oder beobachtet zu haben – diese reichten von einfachen Verletzungen der Hand bis hin zu Verkehrsunfällen mit Fabrikfahrzeugen. Eine Vielzahl möglicher Unfallschwerpunkte wurde bereits während der Untersuchungen beseitigt. Foxconn gelobt auch hier Besserung und will ab sofort sämtliche Unfälle erfassen. Risiken im Zusammenhang mit Aluminium-Staub scheint Foxconn nach den Beobachtungen der FLA bereits deutlich verbessert zu haben. Erst im letzten Jahr hatte es Aluminium-Staub Explosionen gegeben, bei den es zu Todesfällen und einer Vielzahl an Verletzten kam. Weitere Mängel betrafen die Unabhängigkeit gewerkschaftlicher Vertretung, die zukünftig in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Anforderungen erfolgen soll, vor allem aber vor dem Einfluss des Managements gesichert wird. Auret van Heerden, Präsident der FLA: „Wenn alle Verpflichtungen umgesetzt sind, bedeutet dies erheblich verbesserte Lebensbedingungen der rund 1,2 Millionen Foxconn-Mitarbeiter und stellt einen neuen Standard für chinesische Fabriken dar“.

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