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Aktionsware: Discounter im Visier

Textile Aktionswaren zu sensationell niedrigen Preisen sind zu einem Schlüsselelement im Konkurrenzkampf der Lebensmitteleinzelhändler geworden. Das dies häufig auf Kosten der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben geht soll eine neue Studie der Kampagne für saubere Kleidung (CCC) belegen. Die Recherchen decken massive Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen auf.

Bonn (csr-news) > Textile Aktionswaren zu sensationell niedrigen Preisen sind zu einem Schlüsselelement im Konkurrenzkampf der Lebensmitteleinzelhändler geworden. Das dies häufig auf Kosten der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben geht soll eine neue Studie der Kampagne für saubere Kleidung (CCC) belegen. Die Recherchen decken massive Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen auf.
Der Marktanteil von Discountern am deutschen Textileinzelhandel ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. So gehören die Tengelmann-Gruppe, Aldi und Lidl inzwischen zu den Top-Ten der größten Textilhändler in Deutschland. Doch die Schnäppchenpreise haben eine Schattenseite, sie werden unter systematischer Missachtung von Sozialstandards erkauft, kritisieren die Autoren der Studie, vor allem beim Branchenprimus Aldi. Khorshed Alam der Alternative Movement for Resources and Freedom Society (AMRF Society) aus Bangladesch hat die Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern von Textilwaren in Bangladesch untersucht. Nach seinen Informationen arbeiten die meist weiblichen Beschäftigten bis zu 100 Stunden pro Woche und können dennoch von ihren Löhnen kaum leben. Der Arbeitsdruck ist enorm“, fasst Khorshed Alam die Ergebnisse zusammen. „Es handelt sich um Verletzungen von Arbeits- und Frauenrechten, wie sie in der arbeitsintensiven Industrie Bangladeschs durch den Preisdruck von hiesigen Importunternehmen typisch sind.

Im Fokus Aldi
Seit Jahren bemüht sich die Kampagen CCC um einen Dialog mit Aldi, bislang sind Anfragen, wie das Unternehmen die Einhaltung von internationalen Arbeitsstandards einhält, unbeantwortet geblieben. Auch zur aktuellen Untersuchung hat sich Aldi nicht geäußert. 2007 ist Aldi der BSCI (Business Social Compliance Initiative) beigetreten und hat 2010 eine Selbstverpflichtung zur Unternehmensverantwortung veröffentlicht.

Im Fokus Lidl
Genau wie Aldi hat sich auch der Discounter Lidl 2007 der BSCI angeschlossen, allerdings schon seit 2006 rund 3700 Kontrollen und 7500 Nachkontrollen bei seinen Lieferanten durchgeführt. Zudem führt das Unternehmen seit 2008 in Zusammenarbeit mit der GIZ Trainingsprojekte in China und Bangladesch durch. Die 185 bislang durchgeführten Schulungsmaßnahmen sollen die Sozialstandards in den Fabriken verbessern rund 1,3 Millionen Euro investiert Lidl jährlich in die Trainings. Auch wenn sich Lidl immer wieder auf einen Dialog mit CCC einlässt und 2011 auch einen einmaligen Bonus an die Näherinnen in Bangladesh zahlte, kritisieren die Autoren der Studie, dass bei den Beschäftigten bislang keine grundsätzlichen Verbesserungen zu erkennen sind.

Im Fokus KIK
Im Gegensatz zu Aldi und Lidl setzt Kik auf einen eigenen Verhaltenskodex, der sich an einigen Punkten vom BSCI-Kodex unterscheidet. Seit 2010 fordert Kik von seinen Lieferanten in Bangladesh und deren Sublieferanten die Zahlung des inzwischen eingeführten Mindestlohns. Seit 2011 veröffentlicht Kik einen Nachhaltigkeitsbericht und gibt darin an, in den letzten Jahren mehr als 1000 Audits durchgeführt zu haben, in Bangladesh wurdem praktisch alle Zulieferfabriken einer Überprüfung unterzogen.

Neben der Auseinandersetzung mit den Unternehmen übt die Studie auch Kritik am BSCI, die vielen Unternehmen vor allem als „Sozialmäntelchen“ dient oder um „social washing“ zu betreiben. Denn, wie die Studie zeigt, werden in den untersuchten Fabriken die Anforderungen des BSCI-Kodex massiv verletzt. Die zentrale Kritik richtet sich unter anderem an das Audit-Verfahren – der Schwerpunkt liegt auf Prüfung und Kontrolle, nicht jedoch auf der Unterstützung der Produzenten vor Ort. Zudem wird die ausschließliche Öffnung der Initiative gegenüber der Wirtschaft kritisiert, NGOs und Gewerkschaften hätten praktisch kein Mitspracherecht. Weiterhin wird die mangelnde Transparenz kritisiert – Namen der Lieferanten und Ergebnisse der Audits werden nicht veröffentlicht. Letztlich dient der BSCI den Unternehmen nur als Schutzschild, hinter dem sie sich verstecken können, um nicht selber Verantwortung zu übernehmen, so die Autoren.

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