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Greenpeace berichtet von großem Ölfilm rund um havarierte Plattform

Die Umweltorganisation Greenpeace hat mit eigenen Schadstoff-Messungen nahe der leckgeschlagenen Nordsee-Gasplattform Elgin begonnen. Bereits kurz nach Ankunft ihres Schiffs vor Ort bemerkten die Experten am Montag einen großflächigen Ölfilm auf der Meeresoberfläche.

London (afp) – Die Umweltorganisation Greenpeace hat mit eigenen Schadstoff-Messungen nahe der leckgeschlagenen Nordsee-Gasplattform Elgin begonnen. Bereits kurz nach Ankunft ihres Schiffs vor Ort bemerkten die Experten am Montag einen großflächigen Ölfilm auf der Meeresoberfläche. Der französische Energiekonzern Total bereitet unterdessen eine Erkundungsmission zur Plattform vor, um über die weiteren Maßnahmen im Kampf gegen das Gasleck zu entscheiden.

„Wir sind vor Ort, haben bereits erste Luftproben genommen und entnehmen nun Wasserproben“, teilte Greenpeace-Logistiker Michael Meyer am Morgen per Satellitentelefon von Bord der „Königin Juliana“ mit. Nach seinen Angaben ankert die „Königin Juliana“ an der Grenze der aus Sicherheitsgründen errichteten Sperrzone von rund 3,7 Kilometer rund um die Plattform. Die Greenpeace-Experten wollten dort bis zum Nachmittag bleiben.

Die Plattform Elgin rund 240 Kilometer vor der schottischen Küstenstadt Aberdeen war nach der Entdeckung des Lecks vor acht Tagen evakuiert worden. Am Wochenende erlosch eine zum Abfackeln von Gasresten genutzte Flamme von selbst, die unmittelbare Gefahr einer Explosion war damit gebannt. Doch nach wie vor strömen große Mengen Gas aus. Der französische Energiekonzern Total versichert jedoch, das Leck stelle keine größere Gefahr für die Umwelt dar. Bei dem irisierenden Film auf dem Wasser handelt es sich laut einem Sprecher um ein „leichtes Gas-Kondensat“, das von allein verdunsten werde.

Dem widersprach Greenpeace-Meeresexperte Christian Bussau. Sein Kanu befinde sich „inmitten eines öligen, irisierenden Teppichs“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. „Auf dem Wasser schwimmen größere Mengen Öl. Es ist überall, ich würde sagen, der Film ist mehrere Kilometer lang und hunderte Meter breit“. Bussau sprach von einem „schweren Unglück“. Total müsse sofort beginnen, das Leck zu stopfen, „sonst geht die Verschmutzung weiter“. Vor einer endgültigen Aussage über die Zusammensetzung des Ölfilms will Greenpeace aber die Proben von einem Labor auswerten lassen.

Die Umweltorganisation hatte die „Königin Juliana“ von Cuxhaven aus zu der Plattform geschickt, um die Verschmutzung von Luft, Wasser und Meeresboden selbst zu überprüfen. Eine Infrarotkamera soll außerdem versuchen, die Austrittsstelle des Gases zu ermitteln. „Wir sind hier, weil Ölkonzerne bei Unfällen oftmals Informationen zurückhalten“, erklärte Bussau. Auch die Informationspolitik von Total sei völlig unzureichend.

Der Konzern arbeitet nach jüngsten Angaben an zwei Plänen, um den Gasaustritt zu stoppen. Mit Hilfe eines gecharteten Spezialschiffs und einer schwimmenden Plattform will er versuchen, schweren Schlamm in das Bohrloch zu pumpen. Dafür muss ein Expertenteam zu der Plattform gebracht werden, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen und den Druck in dem Bohrloch zu bestimmen. Zur Entsendung des Teams wartet der Konzern noch auf das grüne Licht der zuständigen britischen Behörde HSE. Gleichzeitig bereitet Total zwei Entlastungsbohrungen vor, die jedoch bis zu sechs Monate dauern könnten.

Nach Schätzung von Total-Finanzchef Patrick de la Chevardière belaufen sich die Kosten für den Kampf gegen das Leck auf rund eine Million Dollar (rund 750.000 Euro) pro Tag. Hinzu komme ein Verlust von täglich 1,5 Millionen Dollar durch den Förderausfall.