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Banken: Nachhaltig oder nicht?

Mehrere Studien der jüngsten Zeit zeichnen ein höchst unterschiedliches Bild von den Nachhaltigkeitsleistungen deutscher Kreditinstitute. Vom bedeutenden Zukunftsthema, dem sich die meisten Banken zuwenden wollen, bis hin zu deutlichem Nachholbedarf der Institute reichen die Analysen. Ein Vergleich von Finanzkennzahlen bescheinigt zudem den Alternativen Banken bessere Ergebnisse.

Hamburg/München (csr-news) > Mehrere Studien der jüngsten Zeit zeichnen ein höchst unterschiedliches Bild von den Nachhaltigkeitsleistungen deutscher Kreditinstitute. Vom bedeutenden Zukunftsthema, dem sich die meisten Banken zuwenden wollen, bis hin zu deutlichem Nachholbedarf der Institute reichen die Analysen. Ein Vergleich von Finanzkennzahlen bescheinigt zudem den Alternativen Banken bessere Ergebnisse.

Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr, immerhin 84 Prozent aller deutschen Kreditinstitute wollen in den nächsten Jahren nachhaltiger wirtschaften lautet ein Fazit des aktuellen „Branchenkompass Kreditinstitute“ der Unternehmensberatung Steria Mummert. Dass dies bislang hauptsächlich Lippenbekenntnisse sind, zeigt die Untersuchung des Bankensektors von oekom-research. Von 294 untersuchten Geschäftsbanken aus 40 Ländern haben nur 23 den oekom Prime-Status erreicht und erfüllen damit die Mindestanforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement. Insgesamt konnten sich überhaupt nur 73 Banken für ein detaillierteres Ranking qualifizieren, der Rest zeigt kaum wahrnehmbare Nachhaltigkeitsaktivitäten. Von den 24 Banken aus dem deutschsprachigen Raum wurden nur sechs mit „Prime“ bewertet. Dennoch werden ökologische und soziale Kriterien zunehmend Einzug halten in die tägliche Bankenpraxis. Laut Branchenkompass erwarten immerhin sechs von zehn Bankmanagern sich stark verändernde Geschäftsmodelle. Der Wunsch der Kunden und der deutliche Vertrauensverlust der letzten Jahre scheinen die Treiber zu sein. „Die deutschen Kreditinstitute tun gut daran, den sogenannten Ökobanken nicht das Feld allein zu überlassen“, so Stefan Lamprecht, Bankenexperte bei Steria Mummert. „Denn Nachhaltigkeit kann helfen, das in der Finanzkrise verlorene Kundenvertrauen zurückzugewinnen“.

Tatsächlich scheinen die alternativen Banken die Gewinner dieses Prozesses zu sein, wenn auch immer noch auf bescheidenem Niveau. Erstmalig überschritten die vier wichtigsten alternativen Banken in Deutschland (GLS, UmweltBank, EthikBank und Triodos) im abgelaufenen Geschäftsjahr die vier Milliarden Euro Marke. Mehr als 30.000 neue Kunden konnte das Quartett im letzten Jahr dazugewinnen. „Peanuts“, mag mancher Banker denken, angesichts von fast fünf Billionen Euro Geldvermögen der Deutschen. Das Interesse der Verbraucher an sozial und ökologisch korrekten Bankgeschäften nimmt allerdings weiter zu. Größtes Problem der alternativen Banken scheint ihre Bekanntheit zu sein. Nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft zeb/ kennt nicht einmal jeder vierte Bundesbürger diese Kreditinstitute. Aber auch wenn die Institute bekannt sind, scheinen die Vorteile oft nicht geläufig zu sein. „Vielen Verbrauchern ist der Zusammenhang zwischen dem Geld, das sie auf ihrem Bankkonto einzahlen, und dem, was ihre Bank mit diesem Geld macht, noch nicht deutlich“, so Ulrich Hoyer, Partner bei zeb/. Vielleicht ein Fehler, denn die alternativen Banken arbeiten teilweise erfolgreicher als ihre konventionelle Konkurrenz. Im Rahmen einer Studie hat die „Global Alliance for Banking on Values“ (GABV) Finanzkennzahlen von 17 alternativen Banken mit denen der 29 als systemrelevant ausgemachten Banken verglichen. Bei vielen Kennzahlen schneiden die Ökobanken besser ab, beispielsweise bei der Kreditvergabe. Im Untersuchungszeitraum zwischen 2007 und 2010 vergaben die nachhaltigen Banken Kredite in Höhe von rund 70 Prozent ihrer Bilanzsumme, bei den klassischen Bankinstituten liegt dieser Wert bei rund 38 Prozent. Des weiteren ist der Anteil der Kundeneinlagen für die Refinanzierung bei den alternativen Banken mit 69 Prozent der Bilanzsumme deutlich höher als bei den systemrelevanten Geschäftsbanken, die auf einen Anteil von 40 Prozent kommen. Auch bei den wichtigen Leistungskennzahlen „Return on Assets“ (ROA) und „Return on Equity“ (ROE) schneiden die alternativen Banken mit durchschnittlich 0,5 Prozent gegenüber den anderen Geschäftsbanken mit 0,33 Prozent deutlich besser ab. „Die Studie zeigt, dass Gutes zu tun einer Bank nicht nur theoretisch und ethisch zuträglich ist, sondern auch ökonomisch“, so GABV-Vorstand Peter Blom.

Dass sich die 29 systemrelevanten Banken vergleichsweise wenig für eine nachhaltige Entwicklung engagieren, war auch ein Ergebnis der oekom-Untersuchung. „Gerade diese Banken haben aber aufgrund ihrer beherrschenden Stellung eine Schlüsselposition bei der Neuorientierung der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit“, so Dietrich Wild, branchenverantwortlicher Research Director bei oekom. Problematisch ist dies auch vor allem, weil insbesondere nachhaltigkeitsorientierte Investoren häufig einen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitsleistungen und wirtschaftlichem Erfolg herstellen. Die Schlussfolgerung, Unternehmen, die sich den ökologischen und sozialen Herausforderungen nicht stellen, denen traut man auch die Bewältigung wirtschaftlicher Herausforderungen nicht zu. So haben die Kreditinstitute auch in den nächsten Jahren noch genug zu tun. Bankenexperte Lamprecht von Steria Mummert: „Um mit dem Thema Nachhaltigkeit auch nachhaltig erfolgreich zu sein, sind ein langer Atem, ausreichend Kapital und begeisterungsfähige Kunden erforderlich“.

 

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Kommentar

  • Als ehemaliger CSR Beauftragter einer Bank kann ich dem hier angeführten nur zustimmen. Meinung der Banken: Solange die „richtigen“ Ratingagenturen Nachhaltigkeit/CSR nicht bewerten, solange brauchen wir nichts tun…

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