Nachrichten

Günther Oettinger: Deutschland hat „zu viele Schulden, zu wenig Kinder“

Im Blick auf eine nachhaltige Entwicklung zählt nicht nur die Sicherung von Energie und Rohstoffen, sondern ebenso die Lösung der Verschuldungsprobleme und des zu hohen Landverbrauchs. Das sagte der EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, am 17. April in Stuttgart. „Ich fordere eine Netto-0-Verschuldung und einen Netto-0-Landverbrauch für eine stagnierende Bevölkerung ein“, so Oettinger auf dem 8. Deutschen CSR-Forum.

Stuttgart (csr-news) – Im Blick auf eine nachhaltige Entwicklung zählt nicht nur die Sicherung von Energie und Rohstoffen, sondern ebenso die Lösung der Verschuldungsprobleme und des zu hohen Landverbrauchs. Das sagte der EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, am 17. April in Stuttgart. „Ich fordere eine Netto-0-Verschuldung und einen Netto-0-Landverbrauch für eine stagnierende Bevölkerung ein“, so Oettinger auf dem 8. Deutschen CSR-Forum.

Deutschland habe sich wie andere Volkswirtschaften von arabischen Scheichs, Lebensversicherungen aus New York und Fonds aus Chicago abhängig gemacht, und aus Abhängigkeit könne Erpressbarkeit werden. Seine Generation habe zwei Fehler begangen: „zu viel Schulden gemacht, zu wenig Kinder gekriegt“. Oettinger weiter: „Wir müssen erstmals die Kraft haben, mehr zu erwirtschaften, als wir uns leisten.“

Landverbrauch: Intensivierung statt Ausweitung

Angesichts der stagnierenden Bevölkerungsentwicklung in Deutschland dürften die für Wohnung, Infrastruktur und Industrie genutzten Landflächen nicht ausgeweitet werden. „Wenn man nicht mehr Menschen hat, sollte man auch nicht mehr Land nutzen“, so Oettinger. Stattdessen solle die Intensivierung des genutzten Raums im Vordergrund sehen.

CO2: Europa mit wenig Einfluss weltweit

In Bezug auf die weltweite CO2-Reduzierung wies der EU-Kommissar auf den begrenzten Einfluss Europas hin. Der Kontinent zeichne für 16% der weltweiten CO2-Emmissionen verantwortlich, die USA und China gemeinsam aber für 45%. Oettinger: „Wenn die beiden nicht mitmachen, wird das Ganze nichts.“

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident riet „seinem“ Bundesland in Sachen Energie zu einem „realistischen Ansatz“: Das Elektroauto komme später, die Optimierung benzinbetriebener Fahrzeuge sei eine wichtige Aufgabe. Im Mittelpunkt der Energiedebatte müsse die Frage stehen: „Wie wandeln wir Energie in Strom?“ Wind und Sonne könne am Standort Baden-Württemberg nur eine ergänzende Bedeutung zukommen. Keinesfalls dürfe der Strompreis in Deutschland weiter steigen, die deutsche Industrie leide bereits unter einem hohen Strompreis. „Wir sind mitten in einer de-industriellen Entwicklung in Deutschland“, so Oettinger, der von einer Abwanderung von Unternehmen aus Deutschland aufgrund hoher Energiekosten sprach.

Agenda 2020 für Energie

So wie die Agenda 2010 Grundlage für den gegenwärtigen wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands sei, brauche das Land eine „Agenda 2020“ für bezahlbare Rohstoffe und bezahlbaren Strom. Weitere wesentliche Herausforderungen seien eine moderne Transport-Infrastruktur und Speicherkapazitäten für Strom. „Wenn man Versorgungssicherheit wahren will, legt man Vorräte an.“ Wie Oettinger weiter sagte, habe Deutschland für 100 Tage Ölvorräte, für 30 Tage Gasvorräte – und einen Stromvorrat für 24 Minuten.

8. Deutsches CSR-Forum mit neuen Impulsen

Als Veranstalter wies Wolfgang Scheunemann von der Nachhaltigkeitsberatung dokeo bei der Eröffnung des 8. Deutschen CSR-Forums auf dessen Neuerungen hin: Die Zahl der parallelen Sektionen sei von zwei auf drei erhöht worden, die Ausstellung sei erweitert und der Deutsche CSR-Preis sei für die dritte Verleihung neu entwickelt und mit einer „sehr honorigen Jury“ besetzt worden. Stark ausgebaut worden und mit vielen Unternehmensvertretern besetzt sei auch der Beirat des Forums, das nach dem Motto „Unternehmen für Unternehmen“ arbeite. Weiter sagte Scheunemann, dass aber nicht alles nur schön geredet und Kritik unter den Teppich gekehrt werden solle. „Wir sind da um zu verstehen. Wir sind da, um gegenläufige Argumente aufzunehmen und darauf zu reagieren“, so der Veranstalter.

Foto: EU-Kommissar Günther Oettinger auf dem CSR-Forum in Stuttgart.

Ihr Kommentar