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Durch die Ehe ans Ruder mächtiger Unternehmen

Ohne ihre Hochzeit mit Ferdinand Piëch hätte Ursula Piëch nie einen Aufsichtsrat-Posten bei Volkswagen errungen. Mit ihrer Bestellung aber reiht sich das ehemalige Kindermädchen ein in die Reihe mehrerer Frauen, die durch die Ehe in einflussreiche Positionen gekommen sind: Friede Springer, Liz Mohn, Maria-Elisabeth Schaeffler und Alexandra Schörghuber – ein untypischer Beitrag zur Diskussion um Frauen in Führungspositionen.

Von Ursula Piëch über Friede Springer zu Liz Mohn – ein untypischer Beitrag zur Diskussion um Frauen in Führungspositionen.

Von Ralf Isermann

München (afp) – Ohne ihre Hochzeit mit ihrem Mann Ferdinand Piëch hätte Ursula Piëch sicher nie einen Aufsichtsrat-Posten bei Volkswagen errungen. Mit ihrer Bestellung bei der VW-Hauptversammlung aber reiht sich das ehemalige Kindermädchen der einflussreichen Familie ein in die Reihe gleich mehrerer Frauen, die durch die Ehe in wirtschaftlich einflussreiche Positionen gekommen sind.

URSULA PIECH, damals mit 25 Jahren Leiterin eines Kindergartens in Österreich, kam 1982 als Gouvernante in das Haus Ferdinand Piëchs. Dessen damalige Lebensgefährtin hatte für den bereits neunfachen Vater – mit drei Frauen – ein Kindermädchen gesucht. Doch der verliebte sich in die fröhliche, 19 Jahre jüngere Frau. Nur zwei Jahre nach dem Inserat heirateten die beiden, das Paar bekam drei Kinder und der mächtige Automanager vertraute immer mehr auf den Auto-Sachverstand seiner Frau. Nach seinem Tod soll sie seine Stellung bei VW erben – der Aufsichtsratsposten ist da nur ein Zwischenschritt.

FRIEDE SPRINGER ist Mehrheitseignerin des Springer-Verlags, der unter anderem die Zeitungen „Bild“ und „Welt“ veröffentlicht, und damit eine der einflussreichsten Verlegerinnen Europas. Die 69-jährige stammt aus einfachen Verhältnissen von der Insel Föhr. Als junge Frau wurde sie Kindermädchen bei Verleger Axel Springer, der sie einige Jahre später 1978 zu seiner fünften Frau machte. Nach seinem Tod 1985 erbte sie dessen Anteile und nahm in der Folge mit Entschlossenheit die Fäden bei dem Verlag in der Hand.

ELISABETH „LIZ“ MOHN gilt gar als mächtigste Medienfrau in Europa. Sie lenkt die Geschicke des Konzerns Bertelsmann, zu dem unter anderem die Verlagsgruppe Gruner + Jahr („Stern“) und die RTL-Fernsehsender gehören. Die gelernte Zahnarzthelferin Mohn begann 1958 als Telefonistin bei Bertelsmann. Firmenpatriarch Reinhard Mohn lernte sie auf einer Betriebsfeier kennen und machte sie zu seiner Geliebten, 1982 heirateten die beiden. Liz Mohn übernahm in der Folge immer mehr Verantwortung bei Bertelsmann, seit dem Tod ihres 20 Jahre älteren Mannes 2009 ist sie allein die bestimmende Kraft des Konzerns.

MARIA-ELISABETH SCHAEFFLER wurde einer breiten Öffentlichkeit durch den Einstieg ihres Familienunternehmens bei der größeren Continental AG 2008 bekannt. Sie leitet zusammen mit ihrem Sohn als Gesellschafterin das Unternehmen. Die aus Wien stammende Schaeffler lernte als junge Medizinstudentin den 24 Jahre älteren fränkischen Unternehmer Georg Schaeffler kennen und heiratete diesen mit Anfang zwanzig. Nach dem Tod ihres Mannes 1996 übernahm sie bei dem Automechanik- und Wälzlager-Hersteller die Geschicke. Eine schwere Krise durch die Conti-Übernahme ist inzwischen überstanden.

ALEXANDRA SCHÖRGHUBER dirigiert die Geschäfte der Schörghuber Unternehmensgruppe, zu der der größte Verbund regionaler Brauereien in Deutschland (unter anderem Paulaner), eine Hotelkette und Immobilienbesitz im Wert von über zwei Milliarden Euro gehören. Auch Alexandra Schörghuber kam durch die Ehe in ihre Position. Anders als Piëch, Springer, Mohn oder Schaeffler heiratete sie aber einen Mann ihrer Altersklasse. Sie hatte Stefan Schörghuber als Hotelkauffrau in einem der Hotels der Kette kennengelernt. Nach dem überraschenden Herztod ihres Mannes im Jahr 2008 mit nur 47 Jahren übernahm die dreifache Mutter dessen Aufgaben.

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