Nachrichten

Wie Firmen familienfreundlicher werden

Die deutsche Wirtschaft und das Bundesfamilienministerium haben angesichts des Fachkräftemangels Leitsätze für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorgelegt. Unternehmen müssten mit flexiblen Arbeitszeitmodellen „ein Gleichgewicht zwischen betrieblichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen“ schaffen, erklärten der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und das Ministerium.

Berlin (afp) – Die deutsche Wirtschaft und das Bundesfamilienministerium haben angesichts des Fachkräftemangels Leitsätze für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorgelegt. Unternehmen müssten mit flexiblen Arbeitszeitmodellen „ein Gleichgewicht zwischen betrieblichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen“ schaffen, erklärten der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und das Ministerium am Montag in Berlin. DIHK und Ministerium schlugen vor, das Arbeiten von zu Hause aus zu stärken. Insgesamt erarbeiteten Experten acht Empfehlungen für Unternehmen.

Produktivität sei mehr, als nur an einem Arbeitsplatz präsent zu sein, hieß es in dem Positionspapier der gemeinsamen Initiative „Erfolgsfaktor Familie“. Unternehmen müssten an einer Kultur arbeiten, welche die „Ergebnisse in den Mittelpunkt“ von Arbeit stelle und nicht, wie lange ein Beschäftigter an einem Arbeitsplatz präsent sei. Daneben sollten Unternehmen mobiles Arbeiten von unterwegs unterstützen. Auch solle Führungskräften die Vereinbarkeit von Familie und einer leitenden Stellung ermöglicht werden.

Termine und Besprechungen in Unternehmen, bei denen die persönliche Anwesenheit von Mitarbeitern unabdingbar sei, sollten „in der Zeit gesicherter Betreuung“ von Kindern stattfinden, hieß es in dem Papier. Daneben sollten Firmen respektieren, dass Beschäftigte zu bestimmten Zeiten wie etwa an Wochenenden nicht erreichbar seien. „Nachhaltige Leistungsfähigkeit setzt Pausen voraus“, hieß es in dem Papier. Die Initiative „Erfolgsfaktor Familie“ wurde 2006 von DIHK und Bundesfamilienministerium gegründet. Die Leitsätze wurden regional in der Diskussion mit Experten in Unternehmen erarbeitet.

DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann erklärte mit Blick auf den Fachkräftemangel und den an die Unternehmen abgegebenen Empfehlungskatalog, Deutschlands Firmen müssten „alle Potenziale nutzen“. So gebe es „viele gut qualifizierte Frauen, die wir noch besser ins Erwerbsleben integrieren“ müssten. Neue Arbeitszeitmodelle seien „hierfür ein Schlüsselinstrument“. Der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Josef Hecken (CDU), erklärte, Deutschland bauche „ein neues Verständnis von flexibler Arbeitszeitgestaltung“.

Airbus-Geschäftsführer Joachim Sauer sagte, für Unternehmen werde es im Ringen mit der Konkurrenz um Fachkräfte immer wichtiger, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken. Heute noch erkundigten sich Bewerber vielleicht nach Dienstwagen, sagte Sauer dem „Handelsblatt“ (Montagsausgabe). Bald aber würden Fachkräfte „offensiv fragen, ob sie Kinder pünktlich von der Kita abholen können und bei Bedarf von zu Hause arbeiten können“. Wenn sich Unternehmen darauf nicht einstellten, riskierten diese, jene Fachkräfte nicht zu bekommen, die sie bräuchten, sagte Sauer.

Die Broschüre „Familienbewusste Arbeitszeiten. Herausforderungen und Lösungsansätze aus der Unternehmenspraxis“ zum steht hier Download bereit.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier auf CSR-SEARCH.