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Industriepräsident: Politik ist mehr als Machterhalt, Wirtschaft mehr als Gewinnerzielung

Mit einer Kritik an Wutbürgern, Occupy-Aktivisten und Nichtwählern eröffnete der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Prof. Hans-Peter Keitel, seine Festansprache bei der heutigen Verleihung der Max-Weber-Preise für Wirtschaftsethik in Berlin. Mancher glaube, die Schuldigen für aktuelle Missstände schnell benennen zu können: Politik, Wirtschaft, Globalisierung. Es gehe aber um gemeinsame Verantwortung. Keitel: „Die Freiheit des Einzelnen braucht den Gemeinsinn der Vielen.“

Berlin (csr-news) – Mit einer Kritik an Wutbürgern, Occupy-Aktivisten und Nichtwählern eröffnete der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Prof. Hans-Peter Keitel, seine Festansprache bei der heutigen Verleihung der Max-Weber-Preise für Wirtschaftsethik in Berlin. Mancher glaube, die Schuldigen für aktuelle Missstände schnell benennen zu können: die Politik, die Wirtschaft, die Globalisierung. Es gehe aber um gemeinsame Verantwortung und die gemeinsame Suche nach Lösungen. Keitel: „Die Freiheit des Einzelnen braucht den Gemeinsinn der Vielen.“ Der Industriepräsident verwies auf den Vertrauensverlust gesellschaftlicher Eliten. Mit einem „ritualisierten Institutionenstreit vor und hinter den Kulissen“ schafften Wirtschaft und Politik kein neues Vertrauen, so Keitel: „Die Politik muss wirtschaftlicher und die Wirtschaft politischer werden.“ Politik sei mehr als Machterhalt und Wirtschaft mehr als Gewinnerzielung.

In Bezug auf die gesellschaftliche Verantwortungsübernahme der Wirtschaft sagte Keitel, diese könne nicht verordnet werden. Verantwortungsübernahme bedeute, das tägliche Geschäft „an dem zu orientieren, was wichtig ist.“ Um Verantwortung für Mitarbeiter und Umwelt tragen zu können, müssten sich Unternehmen zunächst am Markt behaupten. In der Wirtschafts- und Finanzkrise habe sich insbesondere der Mittelstand bewährt. „Tag für Tag entstehen derzeit in produzierenden Unternehmen in Deutschland 500 neue Arbeitsplätze“, so Keitel. Familiengeführte mittelständische Unternehmen hätten in der Krise nicht nach Leistungen des Staates gerufen, sondern auf ihre eigene Kraft vertraut. Sie dürften nun durch die Regierung nicht stärker steuerlich belastet werden.

Von der Politik forderte der Industriepräsident insbesondere die Sanierung der öffentlichen Haushalte. Deutschland habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Keitel weiter: „Sozialstaat heißt eben nicht verteilen, sondern nachhaltig erwirtschaften.“

Die Förderung von Frauen in Führungspositionen nehme die Wirtschaft im eigenen Interesse ernst. Politik müsse „ein bisschen Geduld haben“ und der Praxis eine Chance geben. Die Voraussetzungen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien noch nicht überall geschaffen. Und ihre Förderung dürfe nicht zu einem „überzogenen Arbeitsethos“ führen, sagte Keitel.

Die Energiewende werde von der Industrie unterstützt und müsse jetzt zügig und richtig umgesetzt werden. Die Entscheidung sei politisch getroffen worden, umgesetzt werden müsse sie aber von Fachleuten – vielfach aus der Wirtschaft. Die Politik solle den Vorrang des Privaten vor der öffentlichen Hand beachten, so der Industriepräsident. Kommunalpolitiker erweckten mitunter den Eindruck, als wollten sie die Energieversorgung re-kommunalisieren. Der BDI fordere die Einrichtung eines „Kontrollzentrums Energiewende Deutschland“. Diese Monitoringstelle solle als ein „zuverlässiges Navigationssystem“ eine Richtung vorgeben und nicht nur als „Fahrtenschreiber“ die Vergangenheit festhalten, sagte Keitel.

Über die Verleihung des Max-Weber-Preises, in dessen Rahmen der Industriepräsident seine Festansprache hielt, berichtete CSR NEWS heute gesondert.

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