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Wissenschaftler: Rio-Gipfel muss Bevölkerungswachstum berücksichtigen

Paris (afp) – Britische Wissenschaftler haben den bevorstehenden UN-Umweltgipfel in Rio aufgefordert, sich mit den Auswirkungen des weltweiten Bevölkerungswachstums auf die Umwelt zu befassen. Die Weltbevölkerung werde nach heutigen Berechnungen bis 2050 auf 9,5 Milliarden Menschen anwachsen – drei Mal mehr als im Jahr 1950, heißt es in einem Bericht der renommierten britischen Wissenschaftsakademie Royal Society. „Das 21. Jahrhundert wird für die Menschen und unseren Planeten eine kritische Periode sein“, warnten die Forscher.

Dem Bericht zufolge ist das Bevölkerungswachstum in vielen Industrieländern rückläufig oder sogar negativ. In wenig entwickelten Staaten werde es aber weiter ansteigen. Die reichen Länder wiederum verbrauchten den größten Teil der Ressourcen. Ein Kind in einem Industriestaat etwa verbrauche mindestens 30 Mal mehr Wasser als ein Kind in einem armen Land. Der Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 sei in reichen Ländern 50 Mal höher als in armen.

Andererseits seien die großen Schwellenländer dabei, die verschwenderischen Konsumgewohnheiten in den reichen Staaten nachzuahmen, heißt es in dem Bericht weiter. Diese Kombination aus wachsender Weltbevölkerung und steigendem Verbrauch an Ressourcen sei alarmierend. „Die Kapazität der Erde, den menschlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist begrenzt“, warnen die Forscher.

Angesichts dieser Entwicklung müsse eine „klare Wahl“ getroffen werden, forderte John Sulston, der die Studie leitete. Die internationale Gemeinschaft könne beschließen, die Ressourcen gerechter zu verteilen – „oder sie kann beschließen, nichts zu tun.“ Dies würde aber verheerende wirtschaftliche, soziale, politische und ökologische Auswirkungen haben, warnte Sulston.

An die Vertreter aus rund hundert Ländern, die am 20. Juni in Rio zu dem sogenannten Rio-plus-20-Gipfels zusammenkommen, richtet die Royal Society neun Forderungen. Unter anderem verlangt sie Hilfen für die rund 1,3 Milliarden ärmsten Menschen, die heute mit weniger als einem Euro pro Tag leben müssen. Zugleich fordert sie die Industriestaaten und Schwellenländer auf, ihren Ressourcenkonsum zunächst zu stabilisieren und dann zu reduzieren. Dazu müssten sie mehr in Energieeffizienz und saubere Technologien investieren.

Die Menschen weltweit müssten zudem Zugang zu Empfängnisverhütung erhalten. Dazu sollten die Regierungen Programme auflegen. Auch eine bessere Ausbildung sei ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung der Geburtenraten.

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