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FAQ: Bringt das ESF-Programm Bewegung in die CSR im Mittelstand – und Qualität?

Drei Jahre, knapp 36 Millionen Euro, 75 Projektträger und über 2.000 zu beteiligende Unternehmen: Das ESF-Förderprogramm „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ will kleine und mittlere Unternehmen für ein nachhaltiges Wirtschaften gewinnen. Reicht der Ansatz des Programms dazu? Das ist alles andere als sicher. Ein Kommentar von Achim Halfmann.

Drei Jahre, knapp 36 Millionen Euro, 75 Projektträger und über 2.000 zu beteiligende Unternehmen: Das ESF-Förderprogramm „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ will kleine und mittlere Unternehmen für ein nachhaltiges Wirtschaften gewinnen. Reicht der Ansatz des Programms dazu? Das ist alles andere als sicher. Ein Kommentar von Achim Halfmann.

Kein Zweifel: Indem die Bundesregierung die Unternehmensverantwortung im Mittelstand adressiert, wendet sie sich der Zielgruppe zu, die es nun für dieses Thema zu sensibilisieren und zu stärken gilt. Dabei geht es nicht um die Frage, ob der „Mittelstand das immer schon gemacht“ hat oder nicht. Und es geht auch nicht um eine zukünftig „strategische Sicht“ auf CSR. Über den Erfolg des ESF-Programms entscheidet, ob gesellschaftliche Verantwortung ins Kerngeschäft mittelständischer Firmen Einzug hält oder zur netten oder nützlichen Dekoration gerät. Ersteres ist keinesfalls selbstverständlich und Zweiteres wäre nicht überraschend.

Etwa 2.000 Unternehmen sollen von dem Programm profitieren. Das entspricht einem Anteil von 0,5 Prozent der mittelständischen oder 0,06 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland.* Erreicht wird also nur ein sehr kleiner Teil der Zielgruppe, und es wird viel an deren Ausstrahlungskraft hängen. Dabei stellt sich die Frage, ob die ausschließliche Fokussierung auf Unternehmen einen erfolgsversprechenden Ansatz darstellt.

Nach den ersten Veranstaltungen mahnen kritische Stimmen: Nicht jeder der Projektträger konnte sich bereits ausreichend in das Thema CSR vertiefen oder gar umfangreiche eigene Erfahrungen damit sammeln. Manche Diskussion verlaufe „kommunikationslastig“ und Unternehmen würden in ihrem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme wenig verstanden. Zudem werden die Akteure einen wesentlichen Teil ihrer Ressourcen in Dokumentation und Administration investieren müssen. Und so wie „Schein“ bekanntlich schneller zu erreichen ist als „Sein“, gelingen bunte Projekte bedeutend einfacher als die Verankerung von CSR in der Unternehmens-DNS.

Hoffnungsvoll stimmen die langjährigen und renommierten CSR-Akteure, die sich in das Programm einbringen, der organisierte Austausch zwischen den Projekten und deren vorgesehene Evaluation. Wenn aber erst nach mehr als drei Jahren und unzähligen im Internet ausgefüllten Erhebungsbögen Bilanz gezogen wird, ist es zu spät. Spätestens nach dem ersten Jahr sollte deutlich werden: Zielt das ESF-Programm auf eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Gestaltung des mittelständischen Kerngeschäftes? Und welche politischen und gesellschaftlichen Rahmensetzungen brauchen Mittelständler, damit ihnen diese gelingen kann?

Denn auch das sei gesagt: Solange die öffentliche Hand als wichtiger Auftraggeber für den Mittelstand zwar 36 Millionen in die CSR-Förderung investiert, aber bei ihrer jährlichen Auftragsvergabe von schätzungsweise 360 Milliarden Euro – das ist das Zehntausendfache – keine anderen Kriterien als den billigsten Preis anlegt, ist sie kein CSR-Förderer. Dann ist sie vielmehr ein CSR-Verhinderer. Denn machen wir uns nichts vor: Schon die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben kostet und unterbleibt mitunter dort, wo es nicht auffällt. Verantwortungsübernahme im Kerngeschäft kostet auch – und braucht eine entsprechende Nachfrage.

Hier finden Sie eine Übersicht zu dem Programm.

Hier finden Sie Projektbeispiele.

* Nach den Definitionen und Zahlenangaben des Instituts für Mittelstandsforschung, Bonn.

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