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Milchpreis: Dumping-Wettbewerb der Discounter wäre für Landwirte „ruinös“

Berlin (afp) – Nach den drastischen Preissenkungen für Milchprodukte haben die Grünen vor einer Preisschlacht unter den Lebensmittel-Discountern gewarnt. „Ein solcher Wettbewerb wäre für Milcherzeuger ruinös“, erklärte der Grünen-Agrarexperte im Bundestag, Friedrich Ostendorff, am Donnerstag. Für Milchbauern sei es schon heute schwierig, kostendeckend zu produzieren. Billig-Supermarktketten wie Aldi oder Lidl müssten angesichts ihrer Marktmacht „verantwortungsvoll“ handeln.

Aldi hatte am Mittwoch die Preise für Milch, Butter und Sahne drastisch gesenkt. Der Discounter setzte den Preis je Liter fettarme Milch um sechs Cent herunter auf 45 Cent. Milch mit 3,5 Prozent Fett kostet nun 51 Cent je Liter. Den Preis für die Packung Butter setzte Aldi um 14 Cent herab auf 75 Cent, Schlagsahne kostet mit 37 Cent ebenfalls sechs Cent weniger.

Hintergrund der Preissenkungen sind die Ergebnisse der jüngsten Verhandlungen von Aldi mit der Milchindustrie. Der Discounter erzielte dort niedrige Preise. In der Branche gilt es als ungeschriebenes Gesetz, dass Aldi durch seine Verhandlungen die Preise setzt und dann Wettbewerber wie Lidl oder Netto nachziehen. Diese reagierten am Mittwoch auch rasch auf Aldis Ankündigung. Am Donnerstag zog die Billig-Supermarktkette Norma mit niedrigeren Milchpreisen nach.

2008 und 2009 hatten niedrige Milchpreise in ganz Europa zu massiven Protesten von Bauern geführt. Sie kritisierten damals, dass sie bei niedrigen Abnahmepreisen von Molkereien und Handel für Milch nicht kostendeckend arbeiten können.

Grünen-Politiker Ostendorff forderte deswegen am Donnerstag, die Ausweitung der Milchquoten in der EU auszusetzen. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) müsse vielmehr „konkrete Maßnahmen vorlegen, um die Milchmenge zu begrenzen“. Die Milchquoten in der EU sollen in den kommenden Jahren vollkommen aufgehoben werden.