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Stasi-Beauftragter fordert von Firmen Aufklärung zu DDR-Zwangsarbeit

Der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, hat von deutschen Firmen Aufklärung über die mögliche Beschäftigung von DDR-Zwangsarbeitern gefordert. Vor allem bundesdeutsche Unternehmen sollten für Transparenz sorgen, sagte Jahn dem „Focus“. Unterdessen wurden weitere Vorwürfe geäußert.

München (afp) – Der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, hat von deutschen Firmen Aufklärung über die mögliche Beschäftigung von DDR-Zwangsarbeitern gefordert. Vor allem bundesdeutsche Unternehmen sollten für Transparenz sorgen, sagte Jahn dem „Focus“. Unterdessen wurden weitere Vorwürfe geäußert.

Hintergrund sind Medienberichte, wonach der schwedische Möbelbauer Ikea und andere westliche Unternehmen von der Produktion durch DDR-Zwangsarbeiter profitiert haben sollen. Ikea kündigte an, die Vorwürfe zu überprüfen.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung vom Samstag wurden von DDR-Häftlingen auch Textilien und Spiegelreflexkameras für bundesdeutsche Discounter und Versandhäuser produziert. Brandenburgs CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski, der 20 Monate Häftling in Cottbus gewesen war, sagte der Zeitung: „Ich habe Gehäuse für Praktika-Kameras hergestellt, die in Versandkatalogen im Westen verramscht wurden.“ Seine Schwestern hätten im Frauengefängnis Hoheneck Bettwäsche für Quelle und andere Versandhäuser genäht.

Der Vorsitzende der „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ (VOS), Hugo Diederich, forderte eine Entschädigung der DDR-Zwangsarbeiter. „Wenn die Firmen nicht mehr existieren, muss eben der Staat nach Möglichkeiten für eine Entschädigung suchen“, sagte Diederich dem „Focus“. Er bat nach eigenen Angaben bereits bei Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) um Unterstützung seines Anliegens. Diederich bestätigte dem Magazin, dass er selbst als DDR-Häftling von 1986 bis 1987 an der Herstellung von Röhren für den bundesdeutschen Stahlkonzern Klöckner beteiligt war.

Bisher zeigt sich dem Bericht zufolge kein deutsches Unternehmen zu Entschädigungen bereit. Ein Sprecher von Klöckner & Co. bestätigte „Focus“ intensive Geschäftskontakte der damaligen Klöckner-Gruppe mit der DDR. Aber „nach mehreren Eigentümerwechseln“ sei das heutige Unternehmen kein Rechtsnachfolger. „Folglich sieht sich die heutige Klöckner & Co. nicht in der Verantwortung.“

Auch Karstadt lehnte auf „Focus“-Anfrage eine Verantwortung ab. „Die Karstadt Warenhaus GmbH ist nicht Rechtsnachfolger von Quelle oder Hertie und hat gegenwärtig keine Kenntnis von Verbindungen der beiden Unternehmen zu Zwangsarbeit politischer Gefangener der ehemaligen DDR“, teilte das Unternehmen demnach mit.

Der Versandhändler Neckermann erklärte laut „Tagesspiegel am Sonntag“, „aktuell haben wir keine Kenntnis von solchen Vorgängen“. Neckermann habe aber zu DDR-Zeiten Waren „wie Spielzeug, Möbel und Textilien von Lieferanten aus der DDR bezogen“. Das „Handelsblatt“ hatte von einer Betroffenen berichtet, die als DDR-Häftling für die Versandhäuser Quelle und Neckermann Bettbezüge genäht haben soll.