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Club of Rome: „Business as usual “ ist keine Option

40 Jahre nach den „Grenzen des Wachstums“ wagt der Club of Rome nun einen Blick auf die nächsten vier Jahrzehnte. „Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde bereits ausgereizt“, sagte der norwegische Wissenschaftler und Autor des Reports, Jorgen Randers bei der Präsentation. „Wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen Kollaps erleben“.

Rotterdam (csr-news) >  40 Jahre nach den „Grenzen des Wachstums“ wagt der Club of Rome nun einen Blick auf die nächsten vier Jahrzehnte. „Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde bereits ausgereizt“, sagte der norwegische Wissenschaftler und Autor des Reports, Jorgen Randers bei der Präsentation am 7. Mai in Rotterdam. „Wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen Kollaps erleben“.

Jorgen Randers ist Professor an der Norwegian Business School in Oslo und spezialisiert auf Klimapolitik. Für den Bericht „2052: Eine globale Vorhersage für die nächsten vierzig Jahre“ hat er die Expertise von mehr als dreißig internationalen Experten unterschiedlicher Disziplinen verarbeitet. Randers hatte bereits an den „Grenzen des Wachstums“ mitgeschrieben.

Die Analyse und der Ausblick auf die zweite Hälfte des Jahrhunderts sind ernüchternd. Als Kernproblem hat Randers die Klimafolgen ausgemacht. Zwar werde der Ausstoß von Treibhausgasen nach 2030 zurückgehen, dies sei allerdings fünfzehn Jahre zu spät. Denn, so Randers weiter, damit sei ein Temperaturanstieg um zwei Grad nicht mehr zu verhindern – mit der Folge eines stärker steigenden Meeresspiegels. Dies führe auf Dauer zu erheblichen Katastrophen und eine sich weiter selbst verstärkende Klimakatastrophe.

Für den allgemeinen Wohlstand sind die Prognosen eher düster, auch wenn das erwartete Bevölkerungswachstum bei etwa acht Milliarden Menschen stagnieren und dann wieder abnehmen wird. Der Bericht prognostiziert für die Mitte des Jahrhunderts ein gegenüber heute nur minimal gestiegenes Bruttoinlandsprodukt (BIP). Allerdings wird sich Wohlstand anders verteilen: Während in den Entwicklungsländern die Armut weiter abnehmen wird, wird diese dagegen in den Industrieländern zunehmen. Für die Zukunft entscheidend ist eine andere Berechnung des BIP, die Berücksichtigung externer Kosten beispielsweise für die Umweltzerstörung. Würde diese bereits zu realen Preisen berücksichtigt, zeige sich bereits jetzt, dass die Wirtschaft überhaupt keine Gewinne mehr erzielt. Die Verlierer dieser Entwicklung werden Industrieländer wie Deutschland sein. Sie werden unter anderem durch ihren Bevölkerungsrückgang kaum noch Produktivitätssteigerungen erwirtschaften können.

Randers selbst blickt skeptisch in die Zukunft, weil sich die Menschheit nicht schnell genug ändern kann, hofft aber noch, dass sich seine Prognosen als falsch erweisen. Eine so hohe Aufmerksamkeit wie die „Grenzen des Wachstums“ wird der neue Bericht sicher nicht erreichen, dafür sind die Probleme inzwischen hinlänglich bekannt. Dennoch sind die Kommentare in der deutschen Medienlandschaft höchst unterschiedlich. Vor allem das ausgebliebene Untergangsszenario des ersten Berichts verleitet die Kommentatoren zur Abschwächung der aktuellen Prognosen. So billigt etwa Martin Greive von der Welt dem Club of Rome zwar große Verdienste zu, „doch weder ist Wachstum generell gefährlich, noch muss der zu verteilende Kuchen in Zukunft kleiner werden, wie es der Club of Rome suggeriert“. Die Neue Osnabrücker Zeitung hält Teile der Studie für „abenteuerlich“ und sieht „für übertriebene Ängste keinen Grund“. Für gänzlich „unseriös“ hält Julian Stech vom Bonner Generalanzeiger den Report und bemüht das kölsche Grundgesetz „Et kütt wie et kütt“. Manfred Bleskin vom Nachrichtensender N-TV hält zwar die apokalyptische Grundtendenz des Berichts für befremdlich, ermahnt aber, die Warnungen ernst zu nehmen, und fragt: „Die Kritik am ‚fast religiösen Glauben‘ an die ‚freien Märkte‘ ist nur allzu berechtigt. Doch welche Alternative gibt es?“

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