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Allianz im Visier von Oxfam

Die Kritik an Nahrungsmittelspekulationen der Finanzindustrie reißt nicht ab. Bislang stand hautsächlich die Deutsche Bank am Pranger, heute hat es die Allianz erwischt. Die Hilfsorganisation Oxfam wirft dem Versicherungskonzern Nahrungsmittelspekulationen im großen Stil vor. Dieser nimmt das Anliegen zwar ernst, bestreitet aber die gezielte Spekulation auf Nahrungsmittelpreise.

Berlin/München (csr-news) >  Die Kritik an Nahrungsmittelspekulationen der Finanzindustrie reißt nicht ab. Bislang stand hautsächlich die Deutsche Bank am Pranger, heute hat es die Allianz erwischt. Die Hilfsorganisation Oxfam wirft dem Versicherungskonzern Nahrungsmittelspekulationen im großen Stil vor. Dieser nimmt das Anliegen zwar ernst, bestreitet aber die gezielte Spekulation auf Nahrungsmittelpreise.

„Mit Essen spielt man nicht! – Die deutsche Finanzbranche und das Geschäft mit dem Hunger“ heißt die 60ig-seitige Studie die Oxfam heute veröffentlicht hat. Im Visier vor allem die Allianz und die Deutsche Bank als die größten deutschen Akteure in diesem Geschäft. Nach Berechnungen von Oxfam legte der Versicherer im letzten Jahr rund 6,2 Milliarden Euro in derartigen Geschäften an, etwa 1,6 Milliarden Euro mehr als die Deutsche Bank. Wie die Studie belegt werden die Kundengelder in fünf Fonds über die Kapitalanlagetochter Pimco investiert. Von den knapp 70 Milliarden Euro, die dieser Markt weltweit insgesamt ausmacht, entfallen rund 14 Prozent auf die Allianz und die Deutsche Bank. Oxfam protestierte heute am Rande der Allianz-Hauptversammlung in München gegen diese Anlageform und fordert den Versicherer auf, aus diesem Geschäft auszusteigen.

Für die Allianz steht ein Ausstieg im Moment allerdings nicht zur Debatte. „Die Fonds zielen weder in ihrer Struktur noch in ihrer Steuerung auf eine Verknappung von Nahrungsmitteln“, teilte das Unternehmen mit. Als Gründe für steigende Preise führt die Allianz Bevölkerungswachstum, stärkere Nachfrage, Agrartreibstoffe, geringe Nahrungsmittelreserven, Klimawandel, begrenzte Wasserressourcen sowie Korruption an. Dagegen ist für Oxfam ein Zusammenhang zwischen Spekulationen, Preisschwankungen und Hunger offensichtlich. „Viele Studien beleuchten diesen Zusammenhang“ sagt Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne „Mahlzeit!“. „Als die Nahrungsmittelpreise 2010/11 extrem in die Höhe schnellten, wurden zusätzlich 44 Millionen Menschen in armen Ländern in den Hunger getrieben“.Vor allem der Aufstieg der Indexfonds und die stark steigende Anzahl der Marktteilnehmer scheint einer der Gründe zu sein. Dies führe immer öfter zu stärker und irrationaler steigenden Preisen an den Rohstoffmärkten. „Die Spekulation mit Nahrungsmitteln ist ein zweischneidiges Schwert“, reagierte Bundesentwicklungsminister Niebel auf die Vorwürfe von Oxfam. „So wichtig beständig steigende Preise für Agrargüter für die Erzeuger in den Entwicklungsländern sind, so schädlich sind ständige extreme Preissprünge nach oben wie nach unten“.

Erste europäische Geldinstitute haben Konsequenzen gezogen und ziehen sich aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zurück. Beispielsweise hat die Deka-Bank im April angekündigt, sich bis Ende des Jahres aus diesem Geschäft zurückzuziehen. Gleichzeitig teilte das Unternehmen aber auch mit, dass ein Zusammenhang zwischen Indexinvestments und tatsächlichen Nahrungsmittelpreisen noch nicht hinreichend belegbar sei, andererseits aber auch nicht ausgeschlossen werden kann. Ähnlich argumentierte die Deutsche Bank, die zunächst keine weiteren Angebote auf den Markt bringen will – bestehende aber auch nicht gestoppt hat. „Oxfam hat die Allianz im März aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen“, so Braßel. Bislang weist das größte deutsche Versicherungsunternehmen diesen Vorschlag allerdings zurück. Außerdem fordert Oxfam Finanzminister Schäuble und seine europäischen Kollegen auf, effektive Regelungen durchzusetzen, um die Spekulation einzudämmen. Bundesentwicklungsminister Niebel dazu: „Wir können und wollen den Handel mit Nahrungsmitteln nicht aus den Gesetzmäßigkeiten des Marktes herauslösen, aber wir setzen uns entschieden dafür ein, die Preise insgesamt zu stabilisieren und Schwankungen zu verringern“.

Weitere Informationen:

  • Oxfam-Studie „Mit Essen spielt man nicht“ zum Download
  • Allianz Nachhaltigkeitsbericht zum Download
  • Deutsche Bank Nachhaltigkeitsbericht zum Download
  • Foodwatch-Report „Die Hungermacher“ zum Download

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