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Von Beruf Mitfahrer: „Jockeys“ füllen für kleinen Verdienst Autos auf Jakartas Straßen

Sie sehen aus wie Anhalter, sind aber professionelle Mitfahrer, die so genannten Jockeys von Jakarta. Hunderte Männer, Frauen und Kinder stehen jeden Werktag am Rand der großen Durchfahrtstraßen der indonesischen Hauptstadt und warten darauf, dass sie mitgenommen werden.

Jakarta (afp) – Sie sehen aus wie Anhalter, sind aber professionelle Mitfahrer, die so genannten Jockeys von Jakarta. Hunderte Männer, Frauen und Kinder stehen jeden Werktag am Rand der großen Durchfahrtstraßen der indonesischen Hauptstadt und warten darauf, dass sie mitgenommen werden.

Von den Fahrern werden sie bezahlt dafür, dass sie das Fahrzeug bis zur vorgeschriebenen Personenzahl füllen – denn seit 1992 gibt es eine Regelung, wonach während der Stoßzeiten mindestens drei Menschen in einem Wagen sitzen müssen. Doch statt das Verkehrschaos in der Zehn-Millionen-Metropole zu entschärfen, sorgte die Vorschrift für ein Heer von Gelegenheitsarbeitern.

Jockeys halten nicht den Daumen raus wie typische Anhalter, sie halten Finger in die Höhe: Einen für einen einzelnen Mitfahrer, zwei für ein Paar, oft eine Mutter mit Baby im Tragetuch. Etwa einen Dollar berechnen sie für die Mitfahrt. Autofahrer können für das Mitnehmen von Jockeys mit Geldstrafen von umgerechnet bis zu 83 Euro belegt werden. Doch manchmal reicht schon ein Schmiergeld von 16 bis 17 Euro. Werden die Jockeys erwischt, drohen Haftstrafen von bis zu zwölf Monaten.

Der 22-jährige Jimmy hat Jockeying zu einer wahren Kunst erhoben. Im Getümmel am Straßenrand hebt er sich mit seiner silbernen Brillenfassung und dem blaukarierten Hemd von den Konkurrenten ab. „Chauffeure in BMWs und Mercedes nehmen mich oft mit, weil ich als Freund oder Verwandter ihres Arbeitgebers durchgehe“, sagt er, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat. „Autofahrer wollen nicht von der Polizei geschnappt werden, deshalb müssen Jockeys ihnen helfen, das Risiko zu minimieren.“ Für fünf Fahrten täglich kommt er auf umgerechnet etwa 5,75 Euro. Das ist nicht schlecht in einem Land, in dem etwa die Hälfte der 240 Millionen Menschen von umgerechnet 1,53 Euro am Tag lebt.

Doch nicht alle haben soviel Glück. Frauen werden oft sexuell belästigt, manche landen in schmutzigen Polizeizellen. Die 39-jährige Nuraini arbeitet seit drei Jahren als Jockey, um das magere Einkommen ihres Mannes aufzustocken. „Als ich schwanger war, fragte mich ein Fahrer, ob ich Spaß haben will. Ich fühlte mich unbehaglich und bin schnell ausgestiegen“, sagt sie.

Um rechtzeitig zur Rush Hour ins Zentrum zu kommen, muss die vierfache Mutter früh aufstehen. Eine Stunde braucht sie aus dem Vorort. Danach kehrt sie nach Hause zurück, um für ihre Kinder zu kochen. Zum Feierabendverkehr steht sie wieder im Zentrum. „Es ist strapaziös“, sagt sie. „Das Wetter kann umschlagen von glühender Hitze zu einem schrecklichen Sturm. An manchen Tagen verdiene ich gar nichts, auch wenn ich stundenlang warte.“

Die 36-jährige Herlina wurde zwei Mal festgenommen und im Jahr 2006 sechs Wochen inhaftiert. „Meine Zeit im Gefängnis war schrecklich. Wir waren zu achtzehnt in einer stickigen Zelle voller Moskitos, und die Toilette stank.“ Warum sie den Job trotzdem weiter macht? „Ganz einfach, ich muss von etwas leben.“

Während sich Autofahrer, Jockeys und Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel liefern, bleibt das Verkehrsproblem ungelöst. Zu den zehn Millionen Einwohnern kommen während der Woche Millionen Pendler aus den Außenbezirken, so dass täglich acht Millionen Autos die Straßen verstopfen. Jeden Tag kommen mindestens tausend neue Fahrzeuge hinzu. Beobachter warnen vor einem Verkehrsinfarkt bis zum Jahr 2014, wenn größere Infrastrukturmaßnahmen unterbleiben.