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Fair oder Fair Plus

Die Handelsgesellschaft GEPA will sich zukünftig mit eigenem Logo stärker von anderen Anbietern auf dem Markt fair gehandelter Produkte differenzieren. Dies sei ein falsches Signal an die Verbraucher, kritisiert der Bundesverband der Verbraucher-Initiative. Warum die Abgrenzung nötig ist, erläutert GEPA-Geschäftsführer Thomas Speck im Gespräch mit CSR NEWS.

Wuppertal (csr-news) > Die Handelsgesellschaft GEPA will sich zukünftig mit eigenem Logo stärker von anderen Anbietern auf dem Markt fair gehandelter Produkte differenzieren. Dies sei ein falsches Signal an die Verbraucher, kritisiert der Bundesverband der Verbraucher-Initiative. Warum die Abgrenzung nötig ist, erläutert GEPA-Geschäftsführer Thomas Speck im Gespräch mit CSR NEWS.

„Für uns ist ‚fair+‘ kein neues Siegel“, so Speck, „ich verstehe aber, dass unsere Verpackungen diesen Eindruck erwecken können“. Letztlich ist das neue Zeichen Ergebnis einer eigenständigen Markenpolitik, auf der Verpackung dient es vor allem als „Störer“, als Zusatzhinweis neben dem GEPA-Logo, das zudem den unterschiedlichen Produktgestaltungen ein verbindendes Element geben soll. Dahinter steckte natürlich ein intensiver Prozess, der den zukünftigen Erfolg von GEPA sichern soll. „GEPA steht nicht nur zu 100 Prozent für fairen Handel, sondern steht ebenso für herausragende Produktqualität“, so Speck. „Das macht einen wesentlichen Unterschied zur gängigen Fairtrade-Praxis aus“. Diese sichert dem Konsumenten ausschließlich gewisse Mindeststandards des fairen Handels zu, die Verantwortung für die Produktqualität liegt dagegen beim Hersteller, das Fairtrade-Siegel gibt darüber keine Auskunft. „Wir haben Fairtrade in unserem Gesellschaftsvertrag stehen. Wir machen nichts anderes, Fairtrade ist für uns nicht nur Beiwerk. Das unterscheidet uns von vielen anderen Anbietern und das soll mit dem Logo ausgedrückt werden“, so Speck. Gleichwohl will Speck das neue Zeichen nicht als Kritik am bestehenden System verstanden wissen. „Wir arbeiten bei der Zertifizierung weiterhin eng mit Transfair zusammen“, so Speck, „wir verzichten lediglich auf den Gebrauch des Siegels“.

Wie der Verbraucher auf das fehlende bekannte Fairtrade-Siegel reagiert, wurde zuvor in den beiden wichtigsten Produktgruppen, Kaffee und Schokolade, getestet. „Mit überraschendem Ergebnis“, sagt Speck, „wir konnten keinerlei Absatzrückgang feststellen und haben auch keine kritischen Reaktionen bekommen“. GEPA funktioniert also als Marke. Genau an dieser Stelle wird die Differenzierung notwendig. Speck: „Wenn der Konsument mit einer Marke bestimmte Eigenschaften wie eben fair gehandelt und gute Qualität verbindet, dann erwartet er diese Eigenschaften bei allen mit dem Siegel ausgezeichneten Produkten. Werden diese Erwartungen enttäuscht, wird diese Erfahrung oftmals auf alle entsprechend gelabelten Produkte ausgeweitet. Der Kunde ist dann erstmal für fairtrade verloren“. In diesem Zusammenhang verweist Speck auf die unterschiedlichen Rollen von GEPA als Handelsgesellschaft und Transfair als Zertifizierungsorganisation im fairen Handel. „Transfair muss sich letztlich allen Anbietern öffnen, deren Strukturen die geforderten Mindeststandards erfüllen“, so Speck. Dagegen hat GEPA als Markenanbieter sowohl eine Verantwortung für die Produktqualität als auch für faire Handelsstrukturen. Speck: „Unsere Unternehmensentscheidungen können deshalb auch deutlich von denen abweichen, was ansonsten im ‚Fairtrade-Mainstream‘ passiert. Beispielsweise beliefern wir bewusst nicht an Discounter, eine Entscheidung, die für eine Zertifizierungsorganisation falsch wäre“. In diesem Sinne ist für Speck auch die Kritik der Verbraucher-Initiative nicht nachvollziehbar. „Würde sich der Konsument ausschließlich am Siegel orientieren, wäre die Kritik berechtigt. Ich halte dies aber für realitätsfern. Wenn sich der Verbraucher aber auf das GEPA-Logo verlassen kann, trägt dies nicht zur Verwirrung, sondern eher zur Orientierung bei“.

Letztlich sieht Speck GEPA weiterhin als Vorreiter einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland – „als Eisbrecher“, wie er es nennt. Denn die bisherigen Entwicklungen im fairen Handel sind zwar schon sehr positiv, lassen sich aber noch weiter entwickeln, beispielsweise im Hinblick auf Produktqualität oder aber auch bezogen auf die regionalen Märkte vor Ort. Als Beispiel nennt Speck die Milchschokolade, die zwar mit Kakao und Zucker aus Entwicklungsländern produziert wird, aber eben auch mit Milch aus regionalen Betrieben. Fairtrade fängt für Speck also schon vor der Haustür an.

 

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Kommentar

  • OK, GEPA braucht das also für’s Ego – für den Konsumenten und den Markt gibt es nur Nachteile. Es wäre gerade die Kombination „Fairtrade“ plus „GEPA fair+“, die einen Wert als „wir gehen noch weiter“ darstellte.

  • Nein, die Zertifizierung wird wie bisher weitergeführt, es entfallen lediglich die geringen Lizenzgebühren für das Siegel. GEPA verfolgt mit dem Verzicht ausschließlich eine eigene Markenstrategie.

  • Den Anspruch von GEPA auf einen höheren Standard in allen Ehren – aber wieso wird das bisher vorhandene Fairtrade-Siegel deshalb von den Packungen entfernt? Geht’s vielleicht doch darum, sich die Kosten für die Zertifizierung zu sparen?

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