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Führerloser Frachter treibt knapp am Great Barrier Reef vorbei

Sydney (afp) – Die weltberühmten Korallenriffe am Great Barrier Reef vor der australischen Küste sind knapp einer Umweltkatastrophe entgangen. Nach einem Motorschaden trieb ein chinesischer Frachter am Samstag führerlos auf das Riff zu. Erst am Sonntag traf ein Schleppkahn an dem Schiff ein und nahm es an den Haken, um es in tieferes Wasser zu ziehen.

Es sei „pures Glück“ gewesen, dass die „ID Integrity“ nicht am nahegelegenen Shark Reef auf Grund gelaufen sei, sagte Simon Meyjes von der Lotsenorganisation Australian Reef Pilots. Die Besatzung habe offenbar knapp eine Umweltkatastrophe verhindert, indem sie Ballastwasser abgelassen habe, so dass das Schiff unbeschadet über das Riff hinwegfahren konnte. Der Frachter habe „sehr, sehr viel Glück gehabt“. „Wir alle stoßen einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, das kann ich Ihnen versichern“, sagte Meyjes.

Umweltschützer schlugen nach dem Vorfall Alarm. Die Umweltschutzorganisation WWF betonte, eine schwere Katastrophe sei nur um wenige Meter vermieden worden. Die Zunahme des Schiffsverkehrs vor der Küste von Queensland wegen des dortigen Kohle- und Gasbooms sei eine Bedrohung für das Great Barrier Reef. Es handele sich um ein „riskantes Russisches Roulette“, das zwangsläufig irgendwann im Desaster enden werde, warnte der WWF.

Im April 2010 war ein chinesischer Kohlefrachter an dem Korallenriff havariert und hatte mehrere Tonnen Schweröl verloren. Die befürchtete Umweltkatastrophe blieb aus, allerdings zerstörte das Schiff über drei Kilometer das Riff, das sich vor der Küste des Bundesstaates Queensland im Nordosten Australiens über 345.000 Quadratkilometer erstreckt. Es gilt als der größte lebende Organismus der Welt. Das sensible Ökosystem wird bereits durch den Klimawandel und Abwässer aus der Landwirtschaft bedroht.