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Burnout: Folgen für die Wirtschaft

Gerne wird die Diagnose Burnout als Modeerscheinung betrachtet, die Zahl der Betroffenen nimmt jährlich zu. Erstmals hat nun das Manager-Magazin in Zusammenarbeit mit der Asklepios-Klinik ein Ranking der Burnout-Kranken in den DAX-Unternehmen erstellt, mit alarmierenden Ergebnissen. Am stärksten betroffen sind die Unternehmen in denen seit Jahren Umstrukturierungsprozesse laufen.

Hamburg (csr-news) > Gerne wird die Diagnose Burnout als Modeerscheinung betrachtet, die Zahl der Betroffenen nimmt jährlich zu. Erstmals hat nun das Manager-Magazin in Zusammenarbeit mit der Asklepios-Klinik ein Ranking der Burnout-Kranken in den DAX-Unternehmen erstellt, mit alarmierenden Ergebnissen. Am stärksten betroffen sind die Unternehmen in denen seit Jahren Umstrukturierungsprozesse laufen.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2012 stieg die Anzahl der psychischen Erkrankungen im letzten Jahr auf 13,4 Prozent und machen damit inzwischen gut ein Siebtel des gesamten Krankenbestandes aus. In den zurückliegenden 15 Jahren hat sich der Anteil dieser Krankheitsgruppe am Krankenstand mehr als verdoppelt. Dies hat deutliche betriebswirtschaftliche Auswirkungen, die durchschnittliche Dauer der Krankschreibung bei psychischen Erkrankungen liegt bei 30 Tagen. Die daraus resultierenden Gesamtkosten belaufen sich, nach Angaben des Manager-Magazins, auf rund 27 Milliarden Euro jährlich.

In ihrem Ranking stellt das Manager-Magazin zwar branchenspezifische Unterschiede fest, betroffen sind jedoch alle Wirtschaftszweige. Am stärksten trifft es Unternehmen, in denen seit Jahren umstrukturiert, saniert und gekürzt wird – wie etwa bei Eon, heißt es in einer Meldung des Verlags. Von den rund 35000 Beschäftigten des Energiekonzerns könnten rund 2500 Mitarbeiter pro Jahr vom Burnout betroffen sein. Die Angst um den Arbeitsplatz gehört mit zu den auslösenden Faktoren, bei Eon steht die Streichung von mehreren Tausend Arbeitsplätzen im Raum. Aber auch in den anderen Konzernen sieht es nicht viel besser aus. Besonders schlecht haben im Ranking die Allianz mit bis zu 3400 Burnout-Fällen und die Commerzbank mit rund 3200 Fällen abgeschnitten. Deutlich weniger Fälle sollen es bei der Deutschen Bank sein, rund 1900. Am besten schnitten Volkswagen, Bayer und Linde ab. Die Zahlen sind jedoch nur geschätzt. Dazu haben die Experten der Asklepios-Kliniken auf Basis ihrer stationär behandelten Patienten die möglichen Gesamtzahlen der DAX-Konzerne errechnet.

Fazit des Manager-Magazin-Rankings: Viel zu lange wurde das Krankheitsbild in den Unternehmen unterschätzt. Auch wenn inzwischen in den meisten Großunternehmen entsprechende Präventionsprogramme existieren, sind diese oft noch zu jung um bereits echte Wirkung zeigen zu können. „Und von einem strategischen Gesundheitsmanagement, das etwa auch die Risiken analysiert, am Arbeitsplatz psychisch zu erkranken, sind viele Firmen noch weit entfernt“. Gleichwohl nehmen Führungskräfte das Thema ernst, wie eine Studie des Deutschen Führungskräfte Verbands (ULA) aus dem Januar dieses Jahres zeigt. „Führungskräfte betrachten Burnout als eine reale Gefahr“, betont Andreas Zimmermann, Geschäftsführer beim Führungskräfte Institut. „Mehr noch: Auch die meisten Unternehmen haben das Problem als ein solches erkannt und arbeiten bereits an Lösungsstrategien.“ Es bestehe allerdings noch Verbesserungspotenzial“. Auch wenn die Definition des Krankheitsbildes noch Unschärfen aufweist, „Eines gehe klar aus der Umfrage hervor: „Lediglich eine Minderheit hält die Diskussion um Burnout für übertrieben oder überbewertet“, so Zimmermann.

Interessant sind auch die Ursachen des Burnout. Zwar stehen an erster Stelle Termindruck und hohe Arbeitsbelastung, allerdings dicht gefolgt von fehlender Anerkennung. Präventionsprogramme müssen also sehr tief ansetzen und neben allgemein belastenden Faktoren auch die Führungskultur eines Unternehmens unter die Lupe nehmen. Nach einer Analyse von Booz & Hamilton aus dem letzten Jahr zahlt sich jeder Euro, der in betriebliche Prävention investiert wird, für die Volkswirtschaft mit fünf bis 16 Euro aus.

 

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