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Teil 2: Entwicklungszusammenarbeit „fair-„bindet Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft

„NGO-Zottel im Strickpullover“

Auch die Diskussion um die Freiwilligkeit oder verpflichtende politische Rahmengestaltungen für CSR spiegelte sich auf der Veranstaltung wider: In Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit sagte BMZ-Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz: „Wir brauchen mehr Engagement der deutschen Zivilgesellschaft. Wir brauchen mehr Engagement der Wirtschaft.“ Zu einem solchen Engagement könnten Unternehmen nicht verpflichtet werden. Beerfeltz: „Das sollen die natürlich freiwillig machen, und dieser Tag soll dafür eine wichtige Animation sein.“ Ein Verdienst seines Hauses sei es, Wirtschaft und Zivilgesellschaft näher zusammengebracht zu haben. „Das war gar nicht so schwierig“, so Beerfeltz. Heute ständen sich nicht mehr der „NGO-Zottel mit dem Strickpullover“ und der Manager im Armani-Anzug feindlich gegenüber. Durch die Zusammenarbeit mit NGOs gewönnen Unternehmen an Akzeptanz: So sei etwa in Ecuador das Gütesiegel des WWF mehr wert als jede Marketingmaßnahme.

Prüfsteine für Unternehmensengagement

Das unternehmerische Engagement in Afrika begrüßte der Vorsitzende von VENRO – Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen, Ulrich Post: „Wir wissen auch, dass Entwicklungsländer Steuereinnahmen brauchen.“ Weiter sagte Post, heute gebe es seitens der NGOs viele Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Unternehmen, „darunter auch viele gute“. Die Gemeinnützigen sollten sich „an die eigene Nase fassen und auch mal etwas Neues ausprobieren“, nämlich die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, so Post. Prüfsteine für das unternehmerische Engagement seien: Richten Unternehmen mehr Nutzen als Schaden an? Werden einheimische Unternehmen verdrängt? Werden angemessene Löhne gezahlt?

Aldi Nord als letzte fairtrade-freie Zone

Konsumenten aus ihrem Tunnelblick herauszuholen und sie besser über die Herkunft von Produkten zu informieren, forderte TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath: „Die Dritte Welt deckt uns den Tisch, wir kriegen es nur nicht so mit.“ Alle seien gegen Kinderarbeit und für angemessene Löhne, im Konsumverhalten schlage sich dies aber nicht entsprechend nieder. In Anspielung auf die zunehmende Verbreitung FairTrade-zertifizierter Produkte im Handel sagte Overath weiter: „Aldi Nord kriegen wir auch noch dazu, das ist die letzte FairTrade-freie Zone.“

Auch der Geschäftsführer der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), Bruno Wenn, erinnerte an die Verantwortung der Konsumenten: „Wir brauchen keine großartigen staatlichen Finanzierungen, wenn wir als Konsumenten nachhaltig einkaufen“, sagte Wenn. Wie der DEG-Geschäftsführer weiter sagte, sei angesichts einer mangelnden staatlichen Kontrolle in manchen Ländern eine starke Zivilgesellschaft wichtig, die in der Lage sei, eine Macht aufzubauen und Unternehmen zu kontrollieren.

International engagiert: Siemens Stiftung in Lateinamerika

Beispiele für internationales unternehmerisches Engagement an der Schnittstelle zwischen Gewinnerzielung und Gesellschaftsgestaltung gibt die Siemens Stiftung. Der Technologiekonzern lagerte seine CSR-Aktivitäten in eine Unternehmensstiftung aus, um fokussiert und strategisch Modellprojekte umsetzen zu können, sagte Ulrike Susanne Wahl, Geschäftsführender Stiftungsvorstand, am Rand der Bonner Veranstaltung gegenüber CSR NEWS. Die Stiftung soll gemeinsam mit anderen – insbesondere regionalen – Partnern Armut bekämpfen, Bildung fördern und einfach technologische Lösungen implementieren. Dazu stellte Siemens ein Stammkapital von 390 Millionen Euro zur Verfügung. Und während dieses Stammkapital der Stiftung einerseits Unabhängigkeit vom Unternehmen gewährt, profitiert die Stifterin andererseits von Erfahrungen der Stiftung und der „Lessons Learned“ aus deren Modellprojekten.

Ein regionaler Schwerpunkt der Stiftungsarbeit liegt in Lateinamerika, insbesondere in den sogenannten Anden-Staaten. Das Unternehmen Siemens ist dort bereits seit über 100 Jahren präsent. Eine große Herausforderung sieht Wahl in dem trotz wirtschaftlicher Erfolge wachsenden Graben zwischen Arm und Reich. Die Siemens Stiftung engagiert sich beispielsweise für junge Menschen im ländlichen Umfeld der kolumbianischen Stadt Medellín. Dass junge Menschen auf dem Land Perspektiven finden und nicht in die Städte flüchten, ist laut Wahl ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung. Das mit den regionalen Partnern abgestimmte Projekt „Fruquena“ bietet Jugendlichen eine Ausbildung zum Agrartechniker oder Sozialarbeiter und unterstützt sie nach der Ausbildung auf dem Weg zum landwirtschaftlichen Unternehmer oder beratenden Multiplikator.

Bild: Bei sommerlichen Temperaturen herrschte im Park vor dem Palais Schaumburg Festtagsstimmung


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