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Mit dem Wunsch nach einem Armenhaus für Hamburg fing es an: Vor 400 Jahren startete die erste deutsche Staatslotterie

Am Anfang stand der Wunsch nach einem Armenhaus für Bettler und Obdachlose. Vor 400 Jahren, am 5. Juni 1612, erließ der Hamburger Senat die Anordnung zum Start der ersten staatlichen Lotterie in deutschen Landen. Damit begann eine Glücksspieltradition, der heute bundesweit unzählige Menschen frönen.

Von Sebastian Bronst

Hamburg, 2. Juni (AFP) – Am Anfang stand der Wunsch nach einem Armenhaus für Bettler und Obdachlose. Vor 400 Jahren, am 5. Juni 1612, erließ der Hamburger Senat die Anordnung zum Start der ersten staatlichen Lotterie in deutschen Landen. Damit begann eine Glücksspieltradition, der heute bundesweit unzählige Menschen frönen. Aus der Idee des Losverkaufs zur Finanzierung einer öffentlichen Einrichtung ist eine wahre Glücks-Industrie geworden, bei der es um Jackpots in Millionenhöhe geht. Lotterien sind dabei längst zur unbestrittenen Domäne des Staats geworden. Er hat das Monopol – und hütet es.

Heute gibt es in Deutschland zwei große staatliche Lotterien auf Losbasis, die gemeinsam von den 16 Bundesländern betrieben werden – die Nordwestdeutsche und die Süddeutsche Klassenlotterie. Hauptpfeiler des Glücksspielmarkts aber ist längst das staatliche Zahlenlotto mit Tippscheinen nach der Formel “Sechs aus 49”, das seit 1955 ausgespielt wird und vom Deutschen Lottoblock, dem Zusammenschluss der Lotteriegesellschaften der Länder, veranstaltet wird.

Die Summen, die dabei bewegt werden, sind immens: Der Deutsche Lottoblock allein verwaltete im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben Spieleinsätze in Höhe von 6,66 Milliarden Euro, schüttete 3,22 Milliarden Euro an Gewinnen aus und überwies 2,58 Milliarden Euro an Abgaben und Steuern an die Haushalte der Bundesländer oder Fördertöpfe für gemeinnützige Projekte. Denn daran hat sich trotz vieler Änderungen seit den Hamburger Pioniertagen nichts geändert: Mit der Lotterie-Organisation will der Staat Geld für die Allgemeinheit sammeln.

In der Hansestadt machten damals die Mitglieder der Bürgerschaft dem Senat den Vorschlag, das Geld für den Bau eines auch als “Zuchthaus” bezeichneten Obdachlosen- und Armenasyls durch Losverkäufe aufzutreiben. Die Spieler sollten mit staatlich garantierten Gewinnen gelockt werden, während ein Teil der Einnahmen für das Projekt vorgesehen war. Nach Recherchen von Historikern stammte die Idee aus den Niederlanden, wo es derartige Verlosungen schon gab.

Die ausgelobten Gewinne dieser ersten staatlichen Lotterie Deutschlands sind überliefert: Es waren unter anderem Pokale und Becher aus Silber, aber auch Geldpreise. Und es war anscheinend ein überregionales Ereignis: “Nachgewiesen sind Mitspieler aus Kopenhagen, Leipzig, Dresden, Lübeck, Frankfurt und anderen Orten”, heißt es in der Geschichts-Chronik auf der Homepage von Hamburg Lotto.

Ganz reibungslos verlief der Start der Hamburger Lotterie allerdings nicht. Mehr als zwei Jahre gingen ins Land, bis sämtliche Lose verkauft waren und die Ziehung begann. Sie dauerte wegen eines extrem komplizierten Verfahrens fast 60 Tage. Die Erfahrungen aber waren positiv. 1616 ging das Armenhaus in Betrieb.

1732 wurde die Hamburger Staatslotterie zur festen Institution. Parallel zu derartigen, auf Losen basierenden Glücksspielvarianten entwickelte sich in Deutschland bereits damals das aus Italien stammende Zahlenlotto zum Trend. Es habe eine “ungeheure Popularität” besessen, weiß Hamburg Lotto zu berichten.

1735 führte der bayerische Kurfürst laut Historikern das erste staatliche Zahlenlotto im heutigen Deutschland ein, ebenfalls um leere Staatskassen zu füllen. Andere deutsche Teilstaaten zogen bald nach. Zugleich begannen sie damit, private Lotterie- und Wettanbieter vom Markt zu drängen und das Glücksspiel zu kanalisieren. 1763 etwa erließ Preußen ein Lotteriemonopol.

Aus moralischen Gründen wurde Lotto in ganz Deutschland nach 1800 allmählich wieder verboten – und blieb im Gegensatz zu den weiter existierenden staatlichen Klassenlotterien bis nach dem Zweiten Weltkrieg tabu. Erst während des Wirtschaftswunders belebten die Länder die Tradition des Tippens neu. Zur Freude ihrer Finanzminister – und der Bürger: Der höchste Lottogewinn 2011 betrug 24,8 Millionen Euro. Er ging an einen Spieler aus Baden-Württemberg.

Die Geschichte der Hamburger Lotterie im Internet