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Was leistet die Wirtschaft für den Kita-Ausbau?

Nach Auffassung von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder drückt sich die Wirtschaft beim Ausbau der Kindertagesstätten (Kitas) um ihre Mitverantwortung. Wie Unternehmen über ihre Verantwortung für den Kita-Ausbau denken und was sie dazu leisten, lesen Sie hier.

Berlin / Ingelheim / Marburg (csr-news) – Nach Auffassung von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder drückt sich die Wirtschaft beim Ausbau der Kindertagesstätten (Kitas) um ihre Mitverantwortung. „Wenn die Wirtschaft von den Vorteilen einer flächendeckenden Kinderbetreuung profitieren will, muss sie sich schon aus Eigennutz stärker als bisher am Ausbau der Betreuungsplätze beteiligen“, sagte Schröder der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Wirtschaft könne nicht den Kita-Ausbau auf den Staat abschieben und gleichzeitig fordern, dass Mütter nach der Geburt so schnell wie möglich wieder Vollzeit arbeiten. In derselben Zeitung hatte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt den Kita-Ausbau zuvor als „vorrangig staatliche Aufgabe“ bezeichnet und Forderungen nach mehr Anstrengungen der Wirtschaft zurückgewiesen.

498 Betriebs-Kitas mit 21.000 Plätzen

Unternehmen aller Größenordnungen unterstützen die Kinderbetreuung ihrer Mitarbeiterfamilien auf unterschiedliche Weise: Sie gründen einen eigenen Betriebskindergarten oder gemeinsam mit anderen Unternehmen eine Betreuungseinrichtung, sie erwerben Belegrechte in bestehenden Kitas oder fördern Elterninitiativen und sie unterstützen Mitarbeiter bei der Suche nach Betreuungsplätzen für ihre Kinder. 2011 besuchten etwa 21.000 Kinder die 498 Tageseinrichtungen für Kinder von Betriebsangehörigen. Wie die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik weiter zeigt, steigt die Zahl dieser Einrichtungen kontinuierlich: 2008 waren es noch 369 betriebliche Kitas für rund 16.500 Kinder. Die Statistik deckt allerdings nur einen Teil des unternehmerischen Engagements für die Kinderbetreuung ab, denn sie erfasst nur Tageseinrichtungen, deren Plätze überwiegend für Kinder von Betriebsangehörigen vorgesehen sind. Im IAB Betriebspanel 2008, einer repräsentativen Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, gaben 6% der privatwirtschaftlichen Betriebe an, betriebliche Kinderbetreuungsangebote vorzuhalten.

Förderprogramm der Bundesregierung

Seit 2008 will das Bundesfamilienministerium mit seinem Förderprogramm „Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung“ Unternehmen zu einem dauerhaften Engagement für die Kinderbetreuung gewinnen. Im Rahmen des Programms wurden 1.689 Kinderbetreuungsplätze für Mitarbeiterkinder geschaffen, die beteiligten Unternehmen stellten ihrerseits dafür über 17 Mio. Euro zur Verfügung. Neue Förderanträge können für dieses Programm nicht mehr gestellt werden, bewilligte Projekte werden noch bis Ende 2012 gefördert.

Kita-Ausbau braucht Engagement der Wirtschaft

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim engagiert sich seit zehn Jahren für die Betreuung der Kinder seiner Mitarbeiter. „Aus unserer Sicht ist ein Engagement der Wirtschaft neben dem der Kommunen notwendig“, so Gabriele Chrubasik, Leiterin der Mitarbeiterservices bei Boehringer Ingelheim, gegenüber CSR NEWS. Insgesamt 100 Krippenplätze bietet das Unternehmen an seinen beiden großen deutschen Standorten in Ingelheim und in Biberach in Kooperation mit kommunalen Trägern. Chrubasik: „Aufgrund der steigenden Nachfrage haben wir unser Angebot kontinuierlich ausgebaut und sind derzeit aktiv in laufenden Gesprächen mit den Trägern, um das Platzangebot zusätzlich zu erweitern.“ Zudem unterstützt Boehringer Ingelheim seine Mitarbeiter über einen externen Dienstleister bei der Vermittlung von Angeboten zur Kinderbetreuung, leistet bei der Betreuung von Mitarbeiterkindern in Ausnahmesituationen (etwa bei Erkrankung der Betreuungsperson) Hilfe, organisiert Ferienprogrammen für Schulkinder und Vorträge zu Erziehungsfragen.

KiTa 3K: Kirche, Kommunen und Unternehmen kooperieren

Auch mittelständische Unternehmen unterstützen den Aufbau von Kita-Plätzen, etwa in Zusammenarbeit mit dem Modellprojekt „Kindertagesbetreuung in kirchlich-kommunaler Kooperation (KiTa 3K)“ im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Für mittelständische Unternehmen ist die Gründung einer eigene Kita selten eine Option. Fünf Unternehmen sind derzeit bei KiTa 3K engagiert, mit einem sechsten wird verhandelt. Die Firmen mit einen Belegschaftsgröße von 300 bis 1.000 Mitarbeitern „kaufen“ Betreuungsplätze für Mitarbeiterkinder, eine Firma trägt eine halbe Mitarbeiterstelle in einer Kita, ein anderes Unternehmen unterstützt den Neubau einer solchen Einrichtung. „Die Firmen merken, dass sie etwas tun müssen“, so die Pädagogin Gerda Wied-Glandorf von KiTa 3K gegenüber CSR NEWS. In der ländlichen Region sei das gemeinsame Engagement von Kommunen, Kirchen und Unternehmen die beste Lösung.

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