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Aktionstag Nachhaltigkeitstag mit viel Kreativität und lebensnahen Themen

Das Thema Nachhaltigkeit in der öffentlichen Diskussion stärken und den deutschen Verhandlungsführern bei der UN-Konferenz Rio+20 Ende Juni einen Ansporn mit auf den Weg geben, das wollte der Rat für Nachhaltige Entwicklung mit dem gestrigen Aktionstag Nachhaltigkeit erreichen. Mit 265 kreativen und thematisch vielseitigen Aktionen beteiligten sich Kommunen, NGOs, Bildungsträger und Unternehmen. Einige Beispiele:

Berlin (csr-news) – Das Thema Nachhaltigkeit in der öffentlichen Diskussion stärken und den deutschen Verhandlungsführern bei der UN-Konferenz Rio+20 Ende Juni einen Ansporn mit auf den Weg geben, das wollte der Rat für Nachhaltige Entwicklung mit dem gestrigen Aktionstag Nachhaltigkeit erreichen. Wie der zuständige Referent des Nachhaltigkeitsrates, Eike Meyer, weiter gegenüber CSR NEWS sagte, waren dazu 265 Veranstaltungen gemeldet, die sich über das ganze Bundesgebiet verteilten. Der Nachhaltigkeitstag fand erstmals statt, über seine Wiederholung im kommenden Jahr ist noch nicht entschieden. Mit kreativen und thematisch vielseitigen Aktionen beteiligten sich Kommunen, NGOs, Bildungsträger und Unternehmen, warben um Aufmerksamkeit für das Thema und informierten. Einige Beispiele:

Kreatives Upcycling

Zu den ungewöhnlichen Initiativen des Aktionstags Nachhaltigkeit gehörte die von Anke Trischler in Wiesbaden. Die Diplom-Kauffrau schaffte früher in einer Großbank Werte durch Finanztransaktionen. Gestern zeigte sie ihren Besuchern, wie aus vier 1kg-Kaffeebohnentüten eine attraktive Tragetasche entsteht. „Wir erreichen eine Wertschöpfung mit Sachen, die eigentlich Müll sind“, sagte Trischler gegenüber CSR NEWS. Seit drei Jahren betreibt sie den Wiesbadener NähSalon, der aus einem Integrationsprojekt entstand, und stellt unter der Marke Rething© ihre Ideen für das Upcycling vor. Am Nachhaltigkeitstag öffnete sie nachmittags ihre Türen und wollte eigentlich mit den Besuchern nähen. Aber dann kamen so viele, dass es beim Gespräch über Ideen dazu blieb, wie aus Vorhandenem Neues entstehen kann. Aus den zerfetzten Airbags etwa oder den Werbeflaggen, die eine Besucherin sammelte. Praktisch gearbeitet wird dafür in der kommenden Woche, die Trischler unter das Motto „Wiesbaden näht“ gestellt hat.

Nachhaltigkeit ein Gesicht geben

Dem abstrakten Thema Nachhaltigkeit ein Gesicht geben wollten die Mitarbeiter von My Finance Coach mit 30 Aktionen in neun Bundesländern. Dabei lag der Schwerpunkt der gemeinnützigen Initiative von Allianz, Grey, Haniel, KPMG und McKinsey auf Schulbesuchen in den Klassen 5 bis 10. „Die Bedeutung der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit muss für die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt erfahrbar werden“, sagte My Finance Coach Geschäftsführer Christian Keller gegenüber CSR NEWS. Und so sprachen die Coaches mit den Schülern beispielsweise über Handys und deren 40.000 Kilometer lange Reise aus den Fertigungsstätten bis zur Ladentheke. Kaum einem Jugendlichen sei bewusst, wie viele wertvolle Rohstoffe in den Hightech-Geräten stecken, so Keller. Die in der Initiative engagierten Berater kommen aus 25 verschiedenen Unternehmen, verfügen über eine kaufmännische Ausbildung oder ein entsprechendes Studium und gestalten jeweils eine Doppelstunde gemeinsam mit einem Lehrer der Schule. My Finance Coach stellt zudem Material zur Verfügung, mit dem der Pädagoge das Thema in den Folgestunden weiterentwickeln kann. Was bewirkt ein solcher Unterricht? Keller berichtete vom Statement einer Schülerin am Ende des gestrigen Unterrichts: „Handyrecycling ist cool. Ich sollte mein Handy abgeben, das noch in der Schublade liegt.“

Handyrecyclingquote = 1%

Für diese Schülerin wäre auch das Angebot von Telefónica Germany interessant gewesen. Denn der Mobilfunkanbieter nutzte den deutschlandweiten Aktionstag als Chance, Kunden für das Thema Handyrecycling zu sensibilisieren. Die Recyclingquote für Handys beträgt in Deutschland ein Prozent. „Das ist äußerst unbefriedigend“, sagte Markus Sardison, Umweltmanager bei Telefónica, gegenüber CSR NEWS. Das Unternehmen startete eine Sammelaktion, in deren Rahmen die sonst übliche Zahlung an den WWF für jedes abgegebene Handy verdoppelt wurde. Die Aktion läuft noch bis zum 10. Juni. Handys können in den Shops abgegeben oder an Telefónica gesandt werden.

Warum lernen statt googeln?

Der weltweit agierende Software-Hersteller SAP knüpfte mit seinen Veranstaltungen an das 40-jährige Firmenjubiläum an. Auf dem Firmengelände wurde dazu ein „Inspiration Pavillon“ gebaut, in dem Besucher audio-visuell in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der SAP-Geschichte geführt werden. Parallel dazu werden wichtige gesellschaftliche oder IT-relevante Meilensteine dargestellt. Der Besucher erlebt die Anfänge der elektronischen Datenverarbeitung mit, hört Geburtstagsgrüße von Kunden, Partner, Mitarbeitern und Personen des öffentlichen Lebens oder findet Antworten auf die Frage des 11-jährigen Max: „Warum muss ich so viel lernen? Ich kann’s doch auch googeln.“
Am Aktionstag Nachhaltigkeit führte Daniel Schmid, Head of Sustainabilty Operations bei SAP, vor allem Mitarbeiter durch die Ausstellung. „Eine nachhaltige Geschäftsstrategie ist der Grundpfeiler jedes erfolgreichen Unternehmens und muss personelle, ökologische und ökonomische Aspekte umfassend integrieren. Das Ziel von SAP ist es, die Abläufe in der weltweiten Wirtschaft zu verbessern und die Lebensqualität von Menschen zu erhöhen. Wir haben weltweit mehr als 190.000 Kunden und somit einen sehr großen Hebel“, sagte Schmid gegenüber CSR NEWS. „Durch die Verbesserung unserer eigenen Nachhaltigkeitsleistung lernen wir, wie wir auch unseren Kunden zu mehr Nachhaltigkeit verhelfen können.“ Daher investiert SAP in neue Technologien, um Innovationen voranzutreiben, Talente und Mitarbeiter zu fördern, nachhaltige Produkte anzubieten, Ressourcen effizienter zu nutzen und Emissionen zu verringern. Der „Inspiration Pavillon“ lässt sich auch im Internet besuchen.

Inflationierung der Thementage?

Enttäuscht von der Resonanz auf sein Veranstaltungsangebot zeigte sich der Geschäftsführer der Willecke Hebe- und Fördergeräte in Hattingen, Jens Willecke. Das Unternehmen betreibt seit über sieben Jahren Kundendienstfahrzeuge mit Erdgas, fünf solcher Fahrzeuge sind es heute. Die ökonomischen und ökologischen Vorteile von Erdgasfahrzeugen wollte Willecke Interessenten auf dem Firmengelände präsentieren, Probefahrten anbieten und Informationsmaterial weitergeben. Eingeladen hatte das Unternehmen über die örtliche Presse und seine facebook-Seite. Bis zum frühen Nachmittag kam jedoch niemand. Gegenüber CSR NEWS sagte Willecke, eine Ursache könne in der „Inflationierung von Thementagen“ liegen, denn inzwischen steht so gut wie jeder Tag unter einem besonderen Motto.

Der Aktionstag im Internet:
www.aktionstag-nachhaltigkeit.de

Foto: der SAP Inspiration Pavillon