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Immer mehr Fehltage am Arbeitsplatz wegen psychischer Leiden

Berlin (afp) – Ausgebrannt, krank und antriebslos: Immer mehr Menschen in Deutschland fehlen wegen psychischer Leiden am Arbeitsplatz. Seit dem Jahr 2000 habe sich der Anteil der Fehltage wegen Burnout oder Depressionen etwa verdoppelt, geht aus einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hervor. Derzeit würden 12,3 Prozent aller betrieblichen Fehltage in Deutschland durch psychische Erkrankungen verursacht.

„Die Menschen fühlen sich in ihrem Leben und bei ihrer Arbeit immer häufiger überfordert“, erklärte BPtK-Präsident Rainer Richter. Zeitdruck und zu geringe Kontrolle über die Arbeitsabläufe seien Risikofaktoren für psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz. Wer sich überfordert fühle, gebe sich häufig selbst die Schuld. Unternehmen könnten dazu beitragen, dass über psychische Belastungen offen gesprochen werden kann.

Psychische Erkrankungen führen laut Studie zu besonders langen Fehlzeiten von durchschnittlich 30 Tagen. Depressiv erkrankte Arbeitnehmer fehlten durchschnittlich sogar 39 Tage. Nach jüngsten Berechnungen der Bundesregierung entstehen den Unternehmen jährlich durch psychische Krankheiten Produktionsausfälle von 26 Milliarden Euro.

Die Experten verwiesen aber auch auf die Belastungen nicht nur durch beruflichen, sondern auch durch privaten Stress. So erkranken der Studie zufolge berufstätige Frauen deutlich seltener an einer Depression als Frauen ohne Job. Nach Berechnungen der Bundespsychotherapeutenkammer erkrankt fast jede fünfte nicht berufstätige Frau ohne minderjährige Kinder im Haushalt an einer Depression, aber nur jede achte berufstätige Frau mit Kindern. Zudem sind Arbeitslose drei bis vier Mal so häufig psychisch krank wie Erwerbstätige.