Nachrichten

Herausforderung Sportsponsoring

Mit der Fußballeuropameisterschaft beginnt heute eines der großen Sportereignisse dieses Jahres und eines der wichtigsten und schwierigsten für die Sponsoren – Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Das Spektrum reicht von Imageproblemen durch die politischen Verhältnisse im Gastgeberland Ukraine bis hin zu Compliance-Risiken im Umgang mit Eintrittskarten.

Köln (csr-news) > Mit der Fußballeuropameisterschaft beginnt heute eines der großen Sportereignisse dieses Jahres und eines der wichtigsten und schwierigsten für die Sponsoren – Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Das Spektrum reicht von Imageproblemen durch die politischen Verhältnisse im Gastgeberland Ukraine bis hin zu Compliance-Risiken im Umgang mit Eintrittskarten.

Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurden Geschäftsfreunde noch großzügig in die Stadien eingeladen. Heute herrscht allgemeine Zurückhaltung in den Unternehmen und mancher Sponsor wird seine Ticketkontingente kaum nutzen können. Der Grund ist so einfach wie kompliziert – wo endet ein zulässiger Geschäftstermin und wo fängt Korruption an? In den letzten Jahren haben sich vor allem die Compliance-Richtlinien in den Unternehmen so verschärft, dass Mitarbeiter kaum noch Einladungen annehmen oder aussprechen können. Es herrscht große Verunsicherung, die meist eher in Ablehnung mündet, als sich dem Risiko der Strafbarkeit auszusetzen. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) empfiehlt seinen Mitgliedern sogar Tickets für die Fußball-Europameisterschaft und auch die Olympischen Spiele abzulehnen bzw. zurückzugeben. BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Holger Hildebrandt: „Einkäufer haben eine unabhängige Position zu wahren und das auch deutlich zu machen“. Kostenlos überlassene Karten für beide Sportevents sind laut Hildebrandt als Vorteilsnahme zu bewerten. Unternehmen sollten darum eine entsprechende Direktive erlassen, um schädigenden Diskussionen um Vorteilsnahmen und Korruption entgegen zu treten. Der BME hat bereits 1996 in Ethikleitlinien Handlungsempfehlungen zur Vertragstreue, zur Lösung von Interessenkonflikten und Vermeidung von Abhängigkeiten sowie zur Vertraulichkeit gegeben. Inzwischen unterstützt der Verband Unternehmen aller Größen und Branchen bei Aufbau und bei Weiterentwicklung von Compliance-Programmen und einer entsprechenden Unternehmenskultur. Auch die Sponsorenvereinigung S20, ein Zusammenschluss großer Unternehmen, hat im letzten Jahr einen Ratgeber mit dem Titel „Hospitality und Strafrecht“ veröffentlicht. Der Fachverband Sponsoring (FASPO) hat das Thema Hospitality ebenfalls in seinen Verhaltensrichtlinien aufgenommen.

Die Compliance-Problematik ist aber längst nicht das einzige Risiko, mit dem sich Sponsoren während der diesjährigen Fußballeuropameisterschaft auseinandersetzen müssen. Die politischen Verhältnisse im Gastgeberland Ukraine, vor allem der Umgang mit Menschenrechten, könnten sich negativ aufs Image der Sponsoren auswirken. Oliver Kaiser, Präsident des FASPO: „Der Sport auf internationaler Ebene hat immer auch eine politische Komponente. Da sich Sponsoren auf diesem Terrain bewegen, können sie die Gesamtsituation nicht ignorieren, sondern müssen sich Problemen stellen“. Tatsächlich halten sich die Unternehmen aber mit politischen Statements zurück. Sie wollen keine Risiken eingehen, ein zurück gibt es aber auch nicht mehr. Dies könnte sich ändern: Kaiser: „Sponsernde Unternehmen werden künftig flexibler in kritischen Situationen reagieren wollen. Ich würde es sehr befürworten, dass Sponsorenverträge in naher Zukunft auch Ausstiegsklauseln bei Problemen mit Menschenrechten und Korruption haben werden.“ In welchem Umfang die politischen Probleme während der EM diskutiert werden, werden die nächsten Wochen zeigen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert jedenfalls alle Beteiligten auf, den Mund aufzumachen. Generalsekretär Wolfgang Grenz: „Europa schaut in den nächsten Wochen auf die Ukraine und Polen – eine gute Gelegenheit, Druck zu machen auf die Verantwortlichen im Land. Wichtig ist, dass der Druck die EM überdauert, denn nur dann besteht die Hoffnung, dass die Menschenrechte eines Tages nicht mehr im Abseits stehen“.

Weitere Beiträge zum Thema auf CSR-SEARCH.net