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Töpfer: Rio-Gipfel braucht Primat der Politik

Frankfurt (afp) – Der frühere Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, kritisierte die verbreitete Auffassung, eine Politik gegen die Märkte sei unmöglich. „Das ist doch absurd. Wenn wir das Primat der Politik nicht wieder herstellen, brauchen wir auch keine Nachhaltigkeitskonferenz zu machen“, sagte der Umweltexperte der „Frankfurter Rundschau“ vom Samstag. Er warb zugleich für das Konzept einer „Green Economy“, über das Ende Juni auf dem Gipfel „Rio plus 20“ beraten werden soll. Wachstum und Umweltbelastung könnten dabei durch die Umstellung auf Öko-Technologien – etwa erneuerbare Energien – entkoppelt werden. Außerdem entstünden so viele neue Arbeitsplätze.

Töpfer rief zudem dazu auf, den bevorstehenden Weltnachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro für eine grundlegende Reform des globalen Wirtschafts- und Finanzsystems zu nutzen. Es müsse „das Monster gezähmt werden“, sagte Töpfer. „In der Finanzwirtschaft drohen riesige neue Blasen, die erneut platzen können und alle Bemühungen einer nachhaltigen weltweiten Entwicklung zunichtemachen würden.“

Der Gipfel in Rio de Janeiro findet 20 Jahre nach dem Weltnachhaltigkeitsgipfel von 1992 am selben Ort statt. Zu dem Spitzentreffen, das offiziell am 20. Juni beginnt, werden rund 120 Staats- und Regierungschefs erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat allerdings abgesagt, was im In- und Ausland auf Kritik stieß. Das Konzept der Green Economy ist unter Umweltschützern umstritten. Neben den Chancen wird auch auf Gefahren durch weiter ungebremstes Wachstum, den Ausbau von Biotreibstoffen oder ein mögliches „Greenwashing“ umweltschädlicher wirtschaftlicher Aktivitäten hingewiesen.

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